100 und mehr

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Stephanie Ringel
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Sag mal, wie war es früher? Wenn über Hundertjährige aus ihrem Leben erzählen. Eine Ausstellung.

Erich Büttner schwört auf Bienenhonig und Milch. Else Pauli setzt auf Freunde, viel frische Luft – und einmal pro Woche Rommé. So halten sie sich fit. Gemeinsam ist ihnen eines: Sie sind über 100 Jahre alt, Jahrhundertmenschen.

Zehntausend über Hundertjährige gibt es in Deutschland. Sie haben die Kaiserzeit erlebt, wie Hildegard Hermanski aus Berlin, geboren 1907, die sagt: «Ich habe auf dem Tempelhof den Kaiser bei einer Parade gesehen. Das habe ich bis heute nicht vergessen.» Sie machten den Ersten Weltkrieg durch, dann den Zweiten. Erlebten das Wirtschaftswunder, die Beatles.

Hundertjährige sind Zeitzeugen. Das hat zwei Junge so fasziniert, dass sie eine Ausstellung machten: Karsten Thormaehlen hat die Männer und Frauen fotografiert. Barbara Hardinghaus schrieb den preisgekrönten Text «Der Jahrhundertmensch» dazu. In St. Gallen werden nun die Porträts gezeigt, ergänzt durch kurze Lebensgeschichten.

Erich, Else und Hildegard haben zwar Falten im Gesicht – doch wache Augen, ein junges Lächeln. Das Leben hat seine schönsten Spuren hinterlassen – Botox und Lifting kannten sie noch nicht. Sie waren anders eitel. So wie Wolf Leder. Er sagt: «Auch ein Mann von über 102 Jahren sollte sich elegant kleiden.» Der Berliner Kostüm- und Bühnenbildner mit der schwarzen Brille kleidete Stars ein, immer auch sich selbst. Und wenn sich der Tod ankündigt? Lina Haag, 101, sagt: «Manchmal klopft das Herz schon schneller. Dann nehme ich einen Schluck Schnaps – und es ist vorbei.»

«Jahrhundertmensch»

Universität St. Gallen, Bibliothek, 19.9. bis 10.10.2008, Mo.–Fr., 8–18 Uhr.

Mehr Infos:
jahrhundertmensch.de

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