Horror-Schiff – Interaktiver Vorher/Nachher-Schieber Vom Traum zum Albtraum

GIGLIO - Sie war der Stolz der Reederei. Jetzt ist das Luxus-Kreuzfahrtschiff nur noch Edelschrott. Die Vorher/Nachher-Bilder zeigen, was von der Costa Concordia noch übrig ist.

  • Publiziert: 17.01.2012, Aktualisiert: 27.01.2012
  • Von Myrte Müller und Gabriela Battaglia
play Carabinieri bewachen das gekenterte Schiff. (Keystone)

Sieben Tote haben sie schon geborgen. Die Retter von der Costa Concordia. Meter für Meter kämpfen sich Taucher und Küstenwache in das Wrack des havarierten Kreuzfahrtschiffs.

Sie suchen auf den 13 Decks nach Überlebenden. Jede Kabine wird durchkämmt, jeder Saal des 300 Meter langen Kreuzers abgesucht. 14 Menschen werden noch vermisst.

Doch seit Sonntagnachmittag, als es gelang, den Schiffshotel-Manager Manrico Giampedrino (57) lebend aus den Überresten eines Restaurants zu bergen, fanden die mutigen Helfer nur noch Tote.

Gestern, am späten Nachmittag, entdeckten Taucher im Bug des Schiffes einen leblosen Körper. Leiche Nummer sieben. Sie ist noch nicht identifiziert. Doch die anderen Opfer des Dramas vor der toskanischen Küste haben Namen. Und Geschichten.

Giovanni Masia (86). Der Rentner aus Sardinien war auf der ersten Reise seit seinen Flitterwochen vor fünfzig Jahren. Er starb trotz Schwimmweste. Seine Frau Giuseppina (83) konnte gerettet werden.

Guillermo Gual (68). Seit seiner Pensionierung machte der Spanier jedes Jahr eine Schiffskreuzfahrt.

Francis Serve (71) aus Toulouse. Der Franzose rettete noch seiner Frau Nicole (61) das Leben. «Ich kann nicht schwimmen», sagt sie. «Er hat mir seine Schwimmweste gegeben und ist mit mir zusammen in das Wasser gesprungen.»

Zu den Toten gehören Jean-Pierre Micheaud aus Frankreich, der peruanische Matrose Thomas Alberto Costiglia und ein Angehöriger der Putzcrew des Schiffes. Sein Name ist noch nicht bekannt.

Das Wrack bewegt sich!

Weil sich die Costa Concordia bewegt, musste die Suche gestern vorübergehend unterbrochen werden. Die Feuerwehr überwacht mit Laserstrahlen die Bewegungen des Schiffes: 9 Zentimeter ist das Wrack weiter gesunken.

2400 Tonnen Treibstoff drohen auszulaufen

Grosse Sorge bereitet den Verantworlichen die Gefahr einer Umweltkatastrophe. Die Tanks des Schiffs sind voll mit 2400 Tonnen Dieselkraftstoff, der ins Meer auslaufen könnte.

Der Plan der Reederei Costa Crociere ist, die Concordia mit Ballons von der Seite zu heben, um sie abzuschleppen. Es wird auch erwogen, das Kreuzfahrtschiff für einen Abtransport zu zerschneiden. Doch die Suche nach den noch 14 Vermissten hat Vorrang.Deren Angehörige hoffen verzweifelt auf ein Wunder.

Vincenzo Rosselli (40) sucht seine Gattin Maria D’Introno (33). «Ich habe meine Frau noch gesehen, wie sie sich mit der Schwimmweste ins Wasser warf.» Er ruft die Retter an: «Findet sie, ich flehe euch an, findet sie.»

Jetzt wächst die Angst vor Plünderern

Das havarierte Kreuzfahrtschiff ist eine Versuchung für Gauner. Das Vermögen an Bord geht in die Millionen.

Ihr nacktes Leben konnten sie retten, nicht aber ihre Wertsachen: «Ich habe noch 3000 Franken im Kabinentresor», sagt Passagierin Tiziana Bologna aus Lampedusa. «Ich liess bei der Evakuierung meine Brieftasche samt Kreditkarten zurück», ergänzt ihr Vater Pietro. «Ich will meinen Brillantring mit rosa Perle zurück. Er liegt in Kabine Nr. 1387», fordert Touristin Cristina Bordino.

Als die Costa Concordia am Freitagabend einen Felsen rammt, sind 4229 Personen an Bord. Darunter 3209 Passagiere. Während das Schiff kippt und zu sinken beginnt, stürmen Passagiere und Besatzung in Panik aus den Kabinen. Geld und Schmuck lassen sie zurück. Auch in den Kassen der Schiffsverwaltung liegen grosse Summen. Das Vermögen geht in die Millionen, schätzt die Polizei.

Sie fürchtet jetzt, dass Kriminelle sich mit kleinen Booten unter die Retter mischen, heimlich das Wrack entern und die Kabinen und Büros ausräumen könnten. Lebensgefährlich, aber womöglich lukrativ.

Um Plünderungen zu verhindern, richtet Marco Barone, Chef der Carabinieri von Orbetello, nun eine Sondereinheit ein. Die wird zu tun haben: «Denn das Schiff ist ja doppelt so gross wie damals die Titanic», sagt einer der Bewacher.

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