
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Gaby schwingt sich aus dem Bett. Sie ist morgens immer sehr viel frischer als ich. Meine Passion ist das Liegenbleiben. Soll die Morgensonne doch jemand anderem die Nase kitzeln, ich bin erst mal sauer, wenn ich wach werde. Gaby trällert in der Küche, lacht im Badezimmer, spricht am Frühstückstisch über ihre Pläne für den Tag. Ich mache den Muffel: zerknittert, zerknautscht, nicht mal für aufmunternde Worte zu haben.
Auch im Laufe eines Tages sieht Gaby sicher viele freundliche Gesichter. Ja, sie ist blond. Ja, ihre blauen Augen lächeln. Nein, ich grüble lieber über unser Leben. Das heisst nun nicht, dass ich ungern lache. Aber nachdenken über den Zustand der Welt und des Menschen Unglück im Allgemeinen wird man ja wohl noch dürfen!
Ernsthaftigkeit. Darum geht es mir. Ernsthaftigkeit.
Draussen strahlt an diesem schönen Sonntag die Sonne. Der Himmel zeigt sich in seinem herrlichsten Blau. Ein lauer Wind fährt durch die jungen Blätter. So kann das Leben sein: mild und entspannt. Mit dem Geruch frisch gemahlenen Kaffees und dem Knistern warmer Gipfeli. Auch die Neuigkeiten aus aller Welt geben zu beinahe keiner Sorge Anlass.
Die Natur zeigt sich in zartem Grün. Die Blüten treiben es in Rosa. Und es liegt ein Duft in der Luft, der selbst mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Vielleicht zahlt es sich sogar aus, den zweiten Kaffee und das dritte Gipfeli mit nach draussen zu nehmen, auf die Terrasse, an die Sonne.
So lässt sich eine ganze Kolumne bestreiten: mit Wärme, Himmel und frischem Lebensatem.
Von Modrow aber war heute noch gar nichts zu sehen. Obwohl sie doch heute ein Jubiläum hat. Sie bleibt davon gänzlich unbeeindruckt. Denn vieles kann sie: durchs Gesichtsfeld huschen, sich schnurrend streicheln lassen oder auch ihre Krallen an wertvollen Möbeln wetzen. Nur eines kann unsere Katze nicht: zählen. Die 100 ist ihr gleich, als wäre es die 47, die 28 oder 89. So ist es eben: Das Kätzische orientiert sich nicht an Zahlen, sondern am Dasein. Und das ist nun mal aus Prinzip unberechenbar.
Jetzt trappelt Modrow raus auf die Terrasse. Hält ihre Nase in den Wind, miaut ganz leise und schleicht dann an einen Platz, von dem sie sich die nächsten Stunden nicht wegbewegen wird.
Recht hat sie. So feiert man sich selbst.
Möchten Sie Modrow schreiben?