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«Das ist Katzenkapitalismus», sagte ich.
«Hab ich das gerade richtig verstanden?», fragt Gaby.
«Ja, es ist Katzenkapitalismus», sage ich, ein wenig lauter. Und ein wenig deutlicher.
Warum? Was ist los?
«Modrow hält ein Monopol.»
«Sag mal, hast du schlecht geschlafen?»
Nein, bloss über unsere Katze nachgedacht. Und unseren Umgang mit ihr. Und das klingt im ersten Moment wie eine schlecht zusammengezimmerte Globalisierungskritik, ich weiss.
Gaby überlegt.
Ich streichle Modrow.
Unsere schwarze Katze schnurrt zufrieden.
Nach einer Weile hat Gaby genug gewartet. Sie erinnert mich: «Du bist uns noch eine Erklärung schuldig!»
«Also», hebe ich zu einem dialektisch-materialistischen Diskurs an, der ungefähr eine Viertelstunde dauert, währenddessen ich weiterhin unseren schwarzen Wohnzimmerpanter kraule.
Ich fasse zusammen: Die Katze besitzt ein nachgefragtes Gut, ihren weichen Pelz, den wir Menschen immer streicheln wollen. Dafür nehmen wir Kratzattacken auf unsere Lieblingsmöbel, Katzenklos und nächtliche Katzengesänge in Kauf. Das Katzenvieh hält sogar die Nachfrage in Gang, indem es sich nicht immer streicheln lässt – obwohl wir Menschen immer wollen. Modrow befleissigt sich sogar einer besonders fiesen Verknappungsstrategie: Sie legt sich auf den Rücken, streckt alle viere von sich und maunzt. Doch wehe, Gaby will sie jetzt streicheln! Dann bekommt sie Modrows scharfe Krallen zu spüren, und manchmal auch ihre spitzen Zähne.
«Und schliesslich», erkläre ich, «schliesslich, überlässt Modrow den Müll, der beim Befriedigen unserer Bedürfnisse entsteht, einfach der Menschheit.» Unbenötigte Haare hinterlässt Modrow in unserer ganzen Wohnung. Ums Aufsaugen, Aufwischen und Wegräumen können wir uns ja kümmern.
Das, meine Damen und Herren, meine ich, wenn ich von Katzenkapitalismus spreche. Dabei können wir über den derzeitigen Zustand noch froh sein. Stellen Sie sich vor, Katzen würden sich zu multinationalen Konzernen zusammenschliessen. Bald gäbe es selbst für räudige Strassenkatzen nur noch Fünfsternekatzenfutter …
«He!», unterbricht mich Gaby.
«Ja?»
«Ich will jetzt auch mal Modrow streicheln», sagt Gaby.
«Wem gehört die Katze?»
«Jetzt mir.»
Ich liebe Monopole.
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