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Die vorletzte Nacht verlief ansonsten sehr ruhig. Der Mond schien mässig hell. Es gab kein Gewitter, keinen Sturm. Doch plötzlich – mitten in der Nacht – standen meine Liebste und ich vor Schreck senkrecht im Bett.
«Was war das für ein Lärm?» fragt Gaby, ganz ruhig – nur ihre Stimme zittert.
Wahrscheinlich Modrow, denke ich, und lasse mich von Gabys Überredungsversuchen nicht beeindrucken.
«Siehst du mal bitte nach, was da draussen los ist?»
«Mitten in der Nacht? Alleine? Ich?»
Nein, lieber nicht!
Bei den ersten Sonnenstrahlen stellt sich heraus: Es war wirklich Modrow, sie hat draussen auf der Terrasse einen frisch umgetopften Blumenstock zu Boden gerissen. Ich hab alles aufgewischt und weggeräumt. Währenddessen ist Modrow um mich herumgestrichen und hat gemaunzt. Was sie mir wohl sagen wollte?
Auch die letzte Nacht verlief ansonsten sehr ruhig. Der Mond war weiter am Abnehmen, das Wetter blieb ruhig.
Nur Modrow nicht.
Sie schlich draussen herum und heulte, gurrte und sang in die klare Nachtluft. Wahrscheinlich nervte sie damit ein paar Nachbarn, die unsere Katze in diesen Minuten sicher zum Teufel wünschten.
Unsere Katze spürt halt den Frühling. Was kann man dagegen tun?
Auch heute Morgen ist ansonsten alles ruhig. Gaby und ich lesen still, trinken Kaffee, im Hintergrund läuft leise Klaviermusik. Nur Modrow streicht ruhelos durch die Zimmer. Reibt sich an Tischbeinen, wirft sich in Ecken, raunzt ununterbrochen. Mit einem Wort: Macht auf sich und ihre kleine Existenz durchdringend aufmerksam.
«Was hast du letzte Woche zitiert?» fragt Gaby, «war das nicht ein Spruch von Hemingway?»
«‹Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm machen.› Das hat er gesagt. Ja.»
«Spätestens mit dem heutigen Tag ist Hemingway widerlegt», sagt Gaby.
Er wirds verschmerzen.
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