Modrow 95 Katzen und Lärm (1)

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Peter Exinger

Eigentlich sind Katzen das ideale Gegengift für unser lautes Leben.

«Hast du Modrow schon mal schnarchen gehört?», fragt Gaby.
«Nein.»
Gaby hat mal wieder Recht: Katzen schlafen geräuschlos. Schnarchen kennen sie nicht. Und Albträume auch nicht. Oder hat schon jemals irgendwer eine Katze schreiend aus dem Schlaf aufschrecken gesehen?

Dabei haben unsere liebsten Stubentiger einen leichten Schlaf. Kaum je liegen sie bewegungslos da. Immer regt sich bei ihnen ein Ohr oder die Spitze des Schwanzes oder eine Auge ist halb geöffnet. Immer bleiben sie aufmerksam. Selbst wenn sie schlafen, hat es den Anschein, als liessen sie ihre Umwelt nicht ausser Kontrolle.

Modrow habe ich nur wenige Male – und immer nur ganz kurz – im Tiefschlaf beobachten können. Sie sieht in solchen Momenten äusserst verletzlich aus.

Von Gaby und mir hat sie jedoch nichts zu befürchten. Ich darf sie sogar am Bauch kraulen, wenn sie schläft. Gaby würde sich das – zu Recht – nicht trauen.

Schläft Modrow bei uns im Bett, dann merke ich das immer erst in den Morgenstunden, wenn ich mich halb wach noch einmal umdrehe. Dann tut die Decke meist nicht, was ich will, weil Modrow draufliegt. Meine Bewegungen kümmern die Katze aber gar nicht. Sie liegt da, eingeringelt, friedlich vor sich hinbüselnd. Erst wenn ich rabiatere Methoden anwende, um die Oberherrschaft über meine Decke wiederzuerlangen, blickt Modrow auf und sucht dann das Weite. Sie macht keinen Laut, protestiert nicht, flüchtet lieber in aller Stille.

Kurz gesagt, wir können Ernest Hemingway Recht geben, wenn er meint: «Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben zu gehen, ohne Lärm machen.»

Brief an Modrow

Liebe Modrow
Ich schreibe dir aus dem Büsi-Himmel.
Vielleicht erinnerst du dich an mich. Ich habe dir schon einmal geschrieben und dir von meinem schönen Leben erzählt, von schnellen Autofahrten die ich liebte und den wunderschönen Camping-Wochenenden am Neuenburgersee.
Vor wenigen Wochen hatte mein Dasein ein Ende. So viele Schmerzen bei meinen Bandscheibenvorfällen, und keine Medikamente halfen mir! Stell dir vor, ich konnte mich nicht mal mehr selber putzen, und von einem fröhlichen Katzenleben mit meinen bald elf Jahren war auch keine Rede!
Noch nie haben meine Leute so geweint, und ich konnte sie nicht mehr trösten. Glaube mir, das war das Schlimmste! Ruhig bin ich eingeschlafen. Meine Leute hatten es so schön vorbereitet mit einem Engeli und einem Kerzli, und auch der Herr Doktor hat mich noch einmal lieb gestreichelt. Bald werde ich, halt in anderer Form, wieder bei meinen Leuten sein, und ich sehe auch vom Himmel aus das Kerzli, welches immer für mich brennt!
Meine grösster Wunsch, meine Leute nicht mehr so traurig zu sehen, ist übrigens in Erfüllung gegangen. Im Tierdörfli in Wangen, wo übrigens auch ich herkam, haben sie ein neues Büsi gefunden. Samara heisst die kleine, wilde, schmusige Schönheit.
Liebe Modrow, das war also mein zweiter und letzter Brief an dich. Wenn du einst auch in den Katzenhimmel kommst, werde ich gut auf dich aufpassen!
Ein letztes Miau vom deiner Katzen-Engelin
Cynthia
Ursi und Leo Achermann, Mellingen/AG
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