Tessiner Gesundheitsdirektor warnt bei Nein zur 2. Gotthard-Röhre Babys in Gefahr!

Der Tessiner Gesundheitsdirektor Paolo Beltraminelli schlägt Alarm: Wenn der Gotthard wegen der Sanierung geschlossen werden muss, könnten Tessiner Patienten nicht rechtzeitig in Deutschschweizer Spitäler überführt werden.

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Soll die Schweiz eine zweite Gotthard-Strassenröhre bauen? Oder den 1980 eröffneten Tunnel während der geplanten Sanierung schliessen – und Fahrzeuge auf den Zug verladen? Darüber stimmt die Schweiz am 28. Februar ab.

Die Tessiner Regierung kämpft für den Bau einer zweiten Röhre – damit der Südkanton nicht über Jahre von der Restschweiz abgeschnitten wird. Besonders einschneidend wäre eine Isolation für schwer kranke Patienten und medizinische Notfälle. «Die Schliessung des Gotthards wäre für Patienten, die sich in kritischem Zustand befinden und dringend eine Behandlung benötigen, ein ernstes Problem», sagt der Tessiner CVP-Staatsrat und Gesundheitsdirektor Paolo Beltraminelli zu BLICK.

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Der Tessiner Staatsrat Paolo Beltraminelli (CVP). KEY

Doch wieso die Sorge? Die Tessiner Spitäler können nicht alle Gebrechen behandeln. Frühgeburten und gynäkologische Notfälle etwa werden nach Luzern verlegt. Patienten, die eine komplizierte Herzoperation benötigen, nach Zürich. Und schwere Fälle, welche die innere Medizin betreffen, nach Bern und Lausanne.

Jährlich 250 Patienten

Jährlich müssten etwa 250 Tessiner Patienten in Krankenhäusern und Kliniken der Deutschschweiz überführt werden – meist ältere Menschen, aber auch Kinder und Neugeborene, sagt Beltraminelli.

Die allermeisten werden mit der Ambulanz durch den Gotthard gefahren. Dies wäre bei einer Schliessung des Tunnels nicht mehr möglich – die lebenswichtige Verbindung wäre unterbrochen, gibt der Gesundheitsdirektor zu bedenken: «Der Krankenwagen müsste in Airolo auf den Zug verladen werden. In dringenden Fällen kann man aber nicht warten, bis der nächste Zug kommt.»

Helikopterflüge nicht immer möglich

Medizinische Notfälle müssten dann – wie dies zum Teil schon heute geschieht – mit einem Helikopter in die Deutschschweiz überführt werden. Doch Heliflüge über die Alpen sind oft nicht möglich. Wegen schlechtem Wetter.

Der Alpenübergang Richtung Norden sei «für Helikopter aus dem Tessin während zirka einem Drittel des Jahres wetterbedingt unpassierbar», heisst es bei der Rega auf Anfrage. In einem verregneten Jahr wie etwa 2014 sei die Zahl höher.

Rega-Helikopter (Symbolbild) play
Bei zu schlechtem Wetter ist der Flug über die Alpen nicht möglich. Der Rettungshelikopter bleibt am Boden. (Symbolbild) Keystone

Bleiben norditalienische Spezialkliniken. Beltraminelli sagt, man würde selbstverständlich auf diese Hilfe zurückgreifen, wenn es um Leben und Tod gehe. Aber das Tessin sei Teil der Schweiz. Probleme im Gesundheitswesen müssten deshalb in der Schweiz gelöst werden. «Sonst schafft man einen gefährlichen Präzedenzfall.»

Publiziert am 26.01.2016 | Aktualisiert am 09.02.2016

66 Kommentare
  • marcel  meuler aus Regensdorf
    26.01.2016
    Ich bin für die 2. Röhre aber ehrlich, solche Argumente sind hilflose Panikmache und bewirken eher das Gegenteil. Dasselbe gilt für die Durchsetzungsinitiative, bei dessen Annahme jetzt Panik in Folge hoher Kosten gemacht wird. Peinliche Panikmache. Bitte haltet das Schweizer Volk incht für blöde.
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    26.01.2016
    Was nützt die beste Ambulanz, wenn die Zufahrtsstrassen zum Gotthard-Tunnel verstopft sind? Dann steht auch ein Krankenwagen im Stau, der unvermeidlich folgen wird. Wer schon im Tessin war, weiss genau, wie es dann aussieht. Merkwürdig ist zudem, dass der Gesundheitsdirektor überhaupt nicht auf die sicher zunehmende Luftgefährdung für die übrige Bevölkerung eingeht. In medizinischen Notfällen ist mit Sicherheit der Einsatz eines Helis nötig, wenn ich die Einsätze in Tessiner Tälern ansehe.
  • Hans  Meier aus F-Auriol
    26.01.2016
    Mir scheint es, die Politiker wollen auf Teufel komm raus dieses vermaledeite zweite Loch bauen! Winken lukrative VR-Jöblis, fliessen Gelder aus der Betonlobby? Im Kanton Uri kippen schon SP Regierungsräte wie man hört. Ich komme nicht davon weg; hier zückt jemand den Geldsäckel...
  • Pollner  Josef 26.01.2016
    Kein Problem, signor Paolo Beltraminelli, dann lässt man die Patienten per Kranken-Jet ab Agno nach Zürich fliegen und vom Flugafen ZRH mit Hubschrauber auf den Hospital-Heliport. Ist schneller und sicherer.
  • Christian  Bolliger 26.01.2016
    Der Zug durch den Gotthardbasis-Tunnel ist schneller als jede Ambulanz. Ambulanz-Container gibt es seit langem, das Verladen waere kein Problem. Das groesste Hindernis fuer den schnellen Transport ist ohnehin der Dauerstau im Sottocenteri.