Gölä - Die Serie, Teil 1
«Plötzlich war meine Familie weg!»

Büezer-Rocker Gölä (43) ist zurück. Mit neuen Songs und neuen CDs. Auf Mundart. In einer dreiteiligen Serie spricht er nun exklusiv über die schwerste Zeit seines Lebens, die ihn zu den Liedern inspiriert hat. Teil 1: Die Trennung von Sibylle Marti (40), seiner langjährigen Lebenspartnerin.
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Nachdenklich am Ufer des Thunersees: Büezer-Rocker Gölä.
Foto: Peter Gerber
Aufzeichnung: Tino Büschlen

Alles begann mit einem Schock: Bei meiner Rückkehr aus Australien Ende November 2011 stand das Haus leer. Sibylle und unser Sohn Lenny waren ausgezogen – mit ihnen die Möbel, das Geschirr und vor allem ganz viele Erinnerungen an schöne Zeiten. Auch mein älterer Sohn Mike war ausser Haus. Statt vertrautem und geliebtem Kindergeschrei hörte ich nur noch das Knirschen des Holzgebälks unter meinen Schuhsohlen. Nach zehn Jahren Beziehung stand ich vor dem Nichts.

Es ist ja nicht so, dass die Trennung überraschend kam. Bei uns hatte es schon eine ganze Weile gekriselt. So etwas kommt nicht von heute auf morgen. Während meiner zweimonatigen Reise durch Australien haben Sibylle und ich bei einem Telefongespräch dann beschlossen, einen Schlussstrich unter unsere Beziehung zu ziehen.

Trotzdem war die Enttäuschung riesig. Ich fühlte mich als Versager, weil es nicht geklappt hatte mit der grossen Liebe. Tagelang grübelte ich rum, weshalb wieder einmal alles in die Brüche gehen musste. Ich glaube, wir haben uns auseinandergelebt, wie es den meisten Paaren passiert. Es ist nichts Besonderes vorgefallen. Die Fetzen sind auch nicht geflogen zwischen uns und es gab keine neuen Partner.

Wir haben fast jahrelang immer wieder gekämpft um unsere Beziehung, damit es irgendwie weitergeht. Aber vielleicht halt doch zu wenig. Ich bin auch nicht der Typ, der gross über Liebesprobleme ­redet mit seiner Partnerin. Darum denke ich, dass es nicht so einfach ist, mit mir zusammenzuleben. Ich bin eher ein verschlossener Mensch. Meine Gefühle drücke ich in Liedern aus. Ich bin nicht einer, der Probleme wälzt und den anderen ins Gilet weint. Dabei hätten Frauen ja eigentlich noch gerne, wenn man mit ihnen über solche Dinge redet. Aber darin war ich noch nie gut.

Männer und Frauen funktionieren ganz anders in der Hormon- und Gefühlswelt. Das sieht man doch nur schon am Beispiel, wer was gerne im TV schaut. Ich schaue mir gerne Dokumentationen im History- oder Discovery-Channel an. Wenn ich schon in die Glotze blicke, will ich mich wenigstens bilden und nicht verblöden. Frauen hingegen schauen gerne Liebesserien und all diese romantischen Shows, wo wir Männer nach zehn Minuten einschlafen.

Aber natürlich machen uns gerade diese Unterschiede gegenseitig interessant. Deshalb ziehen sich Frau und Mann ja auch an, weil wir anders sind. Sonst könnte man ja vor den Spiegel stehen und sich selbst geil finden. Doch dann würde die Menschheit nicht überleben.

Das will ich auch mit dem Titel meiner neuen Alben «Ängu u Dämone» ausdrücken. Überall lauern Versuchungen. Der Mensch ist immer am Kämpfen mit seinen Gefühlen. Wir sind nicht geschaffen für die Monogamie. Auch die Frauen nicht. Irgendjemand hat das mal erfunden und seither meinen alle, sie müssten es nachleben.

Es ist ein ewiger Kampf. Im Grunde genommen möchtest du Sicherheit, im Beruf wie in der Beziehung. Aber wenn du das hast, möchtest du zwischendurch alles hinschmeissen und verreisen. Wenn du lange in einer Beziehung bist, hast du plötzlich wieder das Bedürfnis, frei zu sein oder einen anderen Partner zu haben. Einen anderen Geschmack zu riechen und ein neues Abenteuer zu erleben. Aber wenn deine Partnerin das auch möchte, würdest du durchdrehen und wärst am Boden zerstört. Wenn du jemanden gernhast, möchtest du doch den nicht mit anderen teilen. Das sind diese Kämpfe, die ich in dieser Zeit auch durchgemacht habe.

Für Sibylle war es sicher auch nicht einfach. Wenn du einen Partner hast wie mich, der berufsbedingt so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und vielleicht auch begehrt wird. Ich war viel weg und habe in Hotels übernachtet. Da kann es schon sein, dass sich die Partnerin ihre ­Sachen dabei denkt. Bei einem Rocker haben sowieso alle das Gefühl, es herrsche Sodom und Gomorrha. Das alte Klischee von Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Aber das habe ich nie ausgelebt. Ich bin ein treuer Siech. Jemanden, den ich gernhabe, kann ich nicht bescheissen oder anlügen. Sehr wahrscheinlich bin ich sogar viel zu ehrlich. Denn diese Ehrlichkeit kann auch verletzend sein. Dass man dem Partner Dinge erzählt, die er gar nicht hören wollte.

Das Schlimmste war, den Jungs zu sagen, dass wir uns trennen. Das brach mir das Herz. Kinder überlegen sich ja nicht, dass so etwas passieren könnte. Für sie ist es völlig normal, dass Vater und Mutter zusammen sind. Wenn du ihnen dann erklärst, dass sich die Eltern jetzt trennen, ist es erst mal ein Schock für sie.

Ich machte mir grosse Vorwürfe deswegen. Ich bin halt wie eine Gluckere, die die Kinder immer bei sich haben möchte. Das Haus, in dem ich lebe, habe ich doch für eine Familie gebaut. Und plötzlich war diese Familie weg.

Gölä tritt am 9. November im Hallenstadion in Zürich auf. Tickets gibt es ab heute unter: www.ticketcorner.ch

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