Nach dem Ende des Mindestkurses: Das kommt jetzt auf uns zu

Wir werden den Entscheid der Nationalbank, den Mindeskurs zum Euro aufzugeben, direkt zu spüren bekommen. Was uns alles blüht und was wir jetzt alles wissen müssen.

SNB-Chef: «Rate nicht zur Hortung von Bargeld»
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Warum die Aufregung?
Der Wegfall des Euro-Mindestkurses kommt völlig überraschend. Noch am Morgen rechneten führende Ökonomen damit, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) lange an ihrer Politik festhalten wird. Nationalbank-Präsident Thomas Jordan: «Sie können eine solche Politik nur überraschend ändern.»

Wird Shoppen jetzt günstiger?
Ja. Weil der Franken jetzt stärker geworden ist, lohnt sich das Einkaufen im Ausland jetzt noch mehr. Auch im Inland könnten Importprodukte bald billiger werden.

Was wird sonst noch günstiger?
Auslandreisen - vor allem nach Europa und Amerika - kosten mit dem Wegfall des Mindestkurses weniger.

Wer profitiert sonst noch davon?
Zum Beispiel Rohstoffimporteure wie Ölhändler. Der Franken hat sich nicht nur gegenüber dem Euro aufgewertet, sondern auch gegenüber dem Dollar. Weil Rohstoffe in der amerikanischen Leitwährung gehandelt werden, werden sie nun auch billiger. Im Klartext heisst das: Bezin und Heizöl müssten, bleiben die Kurse so, billiger werden.

Warum stürzt die Schweizer Börse ab?
Die Schweiz exportiert viel. Weil Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, im Ausland jetzt massiv teurer werden, rechnen die Investoren mit Verlusten. Einige Titel verloren dramatisch an Wert, etwa die Aktie der Swatch-Group. Konzernchef Nick Hayek kommentiert gegenüber Blick.ch: «Da fehlen einem die Worte.»

Sind die Arbeitnehmer betroffen?
Indirekt. Die hohen Löhne in der Schweiz sind ein Kostentreiber. Sie kommen jetzt unter Druck. Längerfristig könnte es zu Entlassungen kommen. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund schreibt in einem Communiqué: «Massive Gefahr für Löhne und Arbeitsplätze.»

Was bedeutet das alles für den Tourismus?
Für die Tourismusindustrie ist diese Nachricht mitten in der Wintersaison ein Desaster. Die Hochpreisinsel Schweiz wird jetzt für Ausländer noch teurer. «Der Entscheid trifft den Tourismus wohl am intensivsten», twittert Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid.

Wie viel Geld verliert eigentlich die Nationalbank?
Die Nationalbank hat heute rund 175 Millarden Euro und 142 Milliarden Dollar in ihren Büchern.  Wir der Euro weniger wert, verliert die SNB Geld. Beim Euro sind es bei 5 Rappen 10 Milliarden, beim Dollar 5 Milliarden.

Gleichzeitig wird der Negativ-Leitzins um ein halbes Prozent auf -0,75 erhöht. Warum?
Die Nationalbank will das Horten von Schweizer Franken noch unattraktiver machen.

Was sind Negativzinsen?
Die SNB belastet den Banken für Gelder, die sie bei ihr deponieren, mit einer Gebühr.

Muss ich für mein Geld bei der Bank bald bezahlen, statt Zinsen zu bekommen?
Nein, das sagt zumindest Nationalbank-Präsident Jordan. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Banken für Kleinsparer Negativzinsen einführen wird.»  Einige Banken wie etwa die Zürcher Kantonalbank haben in ihren Geschäftsbedingungen aber eine Passus enthalten, der es ihnen erlaubt, bei «speziellen Marktverhältnissen» Negativzinsen einzuführen.

Wird sich der Euro-Franken-Kurs erholen?
Die Nationalbank glaubt, dass die Märkte jetzt überreagieren. Der Euro-Franken-Kurs werde sich wieder einpendeln. Ökonom Klaus Wellershof erklärt: «Jetzt macht wieder der Markt den Kurs. Wir müssen damit rechnen, dass der Franken stärker sein wird als vor der Aufhebung.»

Wie gehts jetzt weiter?
Das kommt darauf an, wie sich die Schweiz vom Schock erholt. Einige Beobachter rechnen mit einer Rezession. Andere sind Optimistischer.

Publiziert am 15.01.2015 | Aktualisiert am 16.01.2015
Das meinen Reiseveranstalter zum Euro-Fall

128 Kommentare
  • Angela  Donzelli aus Eschenbach
    16.01.2015
    Die Migros hat bereits mitgeteilt dass sie die Kursgewinne den Konsumenten weitergeben wird. Also bitte, warum diese Panik
    macherei......
  • Hampi  Buschor , via Facebook 16.01.2015
    Die Industrie kauft schon lange im günstigen Ausland ein, inkl. Bund und Militär und vernachlässigt die Schweizer Wirtschaft. Jetzt macht es das Volk auch so und kauft im Ausland ein - so siehts aus!
  • hans  zottel aus Dübendorf
    16.01.2015
    SNB-Chef Jordan sagte, dass sich seit der Einführung der Anbindung die Lage geändert habe und man nun einen grösseren Handlungsspielraum benötige. Er sagte auch, dass die Schweizer Unternehmen Zeit für eine Anpassung hatten, eine überraschende Ankündigung unvermeidbar war, die Marktreaktion übertrieben wäre und sich die Märkte wieder stabilisieren würden.
    Spätestens nach der Griechenlandabstimmung werden wir wissen, dass dies der Witz des Jahres war und Jordan zurücktreten muss.
  • Gil-Dominique  Matthey , via Facebook 16.01.2015
    Der Euro ist zwar günstiger, aber darum wird in der Schweiz noch lange kein Produkt aus der Eurozone günstiger werden, im Gegenteil, die Preise bleiben auf dem hohen Niveau und die Importeure streichen den Gewinn ein mit der Begründung die Lohnkosten seien in der Schweiz dermassen hoch, dass die Reduktionen nicht weiter gegeben werden können. Mich würde auch nicht wundern, wenn der Export einbricht und dies dann massiv Stellen kosten würde. P.S. bin Auslandschweizer und mir macht das Sorgen!
  • M.  Muller 16.01.2015
    Es würde mich interessieren, wieso man an den Bancomaten keine Euros mehr beziehen kann an den Schaltern/Poststellen kostet es ja. Und wann, bitte, kann man wieder?