Wie Kofi Annan Adolf Ogi zur Uno holte Die ganze Welt für 20 Dollar

BLICK druckt exklusiv Auszüge aus dem neuen Buch «Dölf Ogi. So wa(h)r es!», das diese Woche erscheint.

  • Publiziert: 13.38 Uhr, Aktualisiert: 18.36 Uhr
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Der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan machte Adolf Ogi zu seinem Sonderberater.

 

(Keystone)
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«Dölf Ogi, So wa(h)r es!» Weltbild Verlag, 39.90 Fr. Die Autoren kennen Adolf Ogi seit vielen Jahren. Georges Wüthrich war BLICK-Bundeshaus-Redaktor, André Häfliger ist BLICK-Gesellschafts-Journalist.   

Der Audi A6 ist voll bepackt. Fünf Paar Ski sind im Fond verstaut. Katrin und Adolf Ogi befinden sich auf der Heimreise aus St. Moritz, auf der Autobahn Richtung Zürich. Man schreibt Donnerstag, den 22. Februar 2001, spätnachmittags. Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben die beiden zusammenhängende Ferien verbringen können. Ganze zehn Tage. Skifahren. Langlaufen. Batterien aufladen. Und weil im Berner Oberland wenig Schnee liegt, sind sie ins Engadin gefahren.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist Adolf Ogi am 31. Dezember 2000 instinktiv zum richtigen Zeitpunkt aus dem Bundesrat ausgeschieden – freiwillig, niemand hat ihn dazu gezwungen. Es ist neblig, trüb, kalt. Auf der Höhe von Altendorf erzählt der ehema­lige Verkehrsminister seiner Frau, wie er damals unbürokratisch und entscheidungsfreudig der Schwyzer Seegemeinde zu einer zusätzlichen Überdachung der Autobahn verholfen hat. Seither ist Altendorf nicht mehr entzweigeschnitten. Ogi sei Dank.

Wie so mancher andere auch, verpasst der Lenker des grünen Audi A6 mit Berner Kennzeichen die Ausfahrt Richtung Hirzel. Und regt sich, wie immer, wenn er sich verfährt, fürchterlich auf. Prompt geraten Ogis in einen Stau. «Ich habe mich geärgert, dass ich das Nadelöhr Zürich als Verkehrsminister nicht schneller beseitigen konnte», erinnert er sich.

Als der Audi A6 die Allmend Brunau passiert, klingelt plötzlich das Autotelefon. Es ist kurz vor 17 Uhr. Katrin Ogi döst vor sich hin. Jemand hat die alte Geheimnummer aus der Bundesratszeit gewählt, die Adolf Ogi noch drei Monate behalten darf. Er ist überrascht: Während der ganzen Fahrt aus dem Engadin ist das Telefon stumm geblieben. Kein einziger Anruf.

Adolf Ogi nimmt ab. Die Verbindung ist miserabel.

«Ja, Ogi hier, guten Abend!»

«Hello, Dolfi, it’s me, Kofi! How are you?»

«Katrin und ich sind gerade auf dem Heimweg vom Skifahren aus dem Engadin.»

Uno-Generalsekretär Kofi Annan ist am Telefon und kommt gleich zur Sache:

«Dolfi...»

Kofi Annan hat ihn immer Dolfi genannt.

«...I would like to appoint you as my Special Adviser on Sport for Development and Peace. – Ich würde dich gerne zu meinem Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden ernennen.»

Die Verbindung droht abzubrechen. Dolfi kann nur noch rasch in die Gegensprechanlage rufen: «Please, call me back in two hours!» Die Verbindung bricht ab. Adolf Ogi weiss nicht, ob Kofi Annan ihn noch verstanden hat.

Katrin ist ob des Lärms erwacht und schaltet sich ein, gar nicht zufrieden mit dem Ablauf des Gesprächs. Sie hat nicht mehr mitbekommen, wer am Telefon war: «Wem hast du jetzt das Telefon einfach so aufgehängt? Das gehört sich doch nicht!»

Der aufgeregte Ehemann rechtfertigt sich: «Es war Kofi Annan, aber wir wurden unterbrochen. Hoffentlich hat er mich noch verstanden.»

Kaum sind Ogis zu Hause in Fraubrunnen BE angekommen, ruft Kofi Annan gegen 19 Uhr aus New York wieder an. Bald ist Essenszeit am East River. Dölf erinnert sich: «Kofi ging in New York in der Regel immer erst nach 13 Uhr essen.»

Der Uno-Generalsekretär wiederholt seine Bitte und lässt Adolf Ogi gar keine Zeit zu überlegen: Ob er im März für ihn nach Alaska reisen könne zu den 7. Special Olympics in Anchorage? Die Sportlerinnen und Sportler mit geistiger und Mehrfach-Behinderung müssten unbedingt von einem offiziellen Uno-Sonderbotschafter besucht werden.

Nachher könne er noch rasch in New York vorbeikommen, um den Auftrag und das Pflichtenheft entgegenzunehmen. Adolf Ogi überlegt nicht lange. Er fragt auch nicht, ob und wie dieser Auftrag vergütet wird, sondern sagt einfach zu.

Er kann auch noch gar nicht abschätzen, worauf er sich da einlässt. Er macht es einfach.

Vorbei ist es mit zusammenhängenden Ferien. Ogi packt an, wie gewohnt, und macht natürlich das Beste aus seinem neuen Job. Beiläufig erfährt er, dass sein hohes Amt mit einem symbolischen Gehalt von einem Dollar pro Jahr entlohnt wird. Er erhält ihn nur im ersten Jahr. Danach geht der Lohn von Adolf Ogi in der Uno-Bürokratie unter.

2006, nach dem Rücktritt von Kofi Annan als General­sekretär, bittet ihn der Neue, Ban Ki Moon, in Genf, unbedingt weiterzumachen. Ban Ki Moon erkundigt sich in diesem Zusammenhang, wie er als Special Adviser on Sport for Development and Peace entschädigt werde. Ogi antwortet: «Mit dem üblichen Dollar.» Aber er habe ihn nur im ersten Jahr erhalten. Da greift der neue Uno Generalsekretär zum Portemonnaie und überreicht ihm einen 20-Dollar-Schein.

Ogi wehrt ab: «Nein, nein, Herr Generalsekretär! Ich bleibe nicht 20 Jahre...» Ban Ki Moon lacht laut heraus. Mitarbeiter stürmen aufgeregt ins Zimmer, weil sie ihren «Banki» noch nie so lachen gehört haben.

Morgen Frühmorgens traf sich Ogi oft mit Blocher zum Duell. Der Sekundant war Hans Uhlmann. Die Waffe war das Wort.

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