Wärmer durch den Winter 10 Tipps gegen kalte Füsse

Gfrörli leiden derzeit ganz besonders. Ein Experte aus der Tiefkühlecke der Schweiz erklärt, wie wir uns gegen Frost und Schnee wappnen – oder wie wir uns aufwärmen.

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Gesundheit

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Haut an Hirn: «Mir ist kalt.» Hirn an Herz: «Schick mehr Blut, Haut friert mal wieder.» Herz an Gefässe: «Weitet euch, Haut hat kalt.» Hirn an Muskeln: «Werft ein paar Kohlenhydrate ins Feuer, das Blut kühlt aus.» Muskeln an Magen: «Wo bleibt der Brennstoff?»

So reguliert unser Körper – vereinfacht – seine Temperatur. Die Steuerzentrale befindet sich im Hypothalamus im Gehirn. Dieses hält in Zusammenarbeit mit den Wärmerezeptoren, den Schweissdrüsen und zahlreichen anderen Mitspielern die Körpertemperatur auf rund 37 Grad. Da greifen also enorm viele Zahnräder ineinander. Klemmt der Mechanismus, wird es schnell unangenehm: kalte Füsse!

Mit den richtigen Kniffs können Gfrörli etwas kälteresistenter werden. Das verspricht Dr. Donat Marugg, Chefarzt der medizinischen Klinik und Leiter des Notfallzentrums am Spital Oberengadin in Samedan. Er gibt uns zehn Tipps mit in den Frost. Und Marugg muss es wissen: Immerhin arbeitet er in einer der kältesten Ecken unseres Landes.

  1. «Wärme im Körper wird durch die Verbrennung von Kohlenhydraten mittels Sauerstoff in den Muskeln produziert», erklärt Donat Marugg. Die Rechnung ist demnach einfach: Mehr Muskeln garantieren mehr Wärme. «Das», so Marugg, «ist auch einer der Gründe, weshalb Frauen häufiger kalt haben als Männer: Sie haben weniger Muskelmasse.»
  2. Wichtig ist aber auch, dass genügend Brennstoff vorhanden ist. Deshalb rät der Experte: «Essen Sie genügend.»  Am besten führen wir dem Körper den Brennstoff regelmässig zu, so wie einem Cheminée auch permanent etwas Holz nachgeschoben wird – damit das Feuer nicht ausgeht. So ist immer genügend Heizmaterial vorhanden.
  3. Allzu oft sind kalte Füsse auch eine Folge mangelnder Durchblutung. «Bleiben Sie in Bewegung», rät deshalb der Experte. Das regt die Durchblutung des Körpers an – und wärmt. Sitzt jemand den ganzen Tag am Büropult, nimmt mitunter die Blutzirkulation in den Beinen ab: etwa, weil die Stuhlkante den Bluttransport abklemmt. «Es kann aber auch Stress sein, der zu kalten Füssen führt», stellt Marugg fest. Bei Stress zieht sich das Blut in den Rumpf­bereich zurück – die Extremitäten werden schlecht durchblutet. Nicht umsonst heisst es: Wenn jemand Angst hat, bekommt er kalte Füsse. Tipp: Erheben Sie sich öfters von Ihrem Stuhl und drehen Sie ein paar Runden. Steigen Sie ein paar Treppenstufen hoch und runter oder machen Sie einen flotten Spaziergang an der frischen Luft. Danach ist Ihnen wieder warm.
  4. «Warme Speisen und Getränke heizen ebenfalls», sagt Donat Marugg. Zusätzliches Feuer geben scharfe Gewürze – sofern Sie das mögen und vertragen. Ingwer und Chili enthalten unter anderem Scharfstoffe, die Wärmerezeptoren auf Haut und Schleimhaut aktivieren können.
  5. Weniger tauglich sind Glühwein, Jägertee oder andere heisse alkoholhaltige Getränke. Denn: Alkohol wärmt nur vermeintlich. Dieser vermittelt uns zwar erst ein wärmendes ­Gefühl, erweitert die Blutgefässe und regt so den Bluttransport an. Das steigert aber gleichzeitig auch die Wärmeabgabe des Körpers – dieser kühlt in der Folge schneller aus. Kontraproduktiv bei kalten Füssen ist auch Rauchen: «Es verengt die Gefässe und behindert den Blut- beziehungsweise den Wärmetransport.»
  6. Das Nonplusultra für warme Hände und Füsse ist und bleibt die richtige Bekleidung. «Setzen Sie hier aufs Zwiebelprinzip», so der Mediziner. «Ziehen Sie mehrere dünne Schichten übereinander an. Das isoliert besser als nur eine einzelne, dicke Kleiderschicht.» Die Kleidung sollte nicht zu eng am Körper anliegen, damit sich zwischen den Lagen Luftpolster bilden können, die Wärme speichern.
  7. Dieselbe Regel gilt für die Schuhe: «Nicht zu eng geschnürt und lieber eine Nummer zu gross, damit rund um den Fuss genügend Platz für eine isolierende Luftschicht bleibt.» Das Schuhwerk ist idealerweise wasserdicht und hat eine dicke Sohle aus Gummi, die isoliert. «Ziehen Sie nasse Socken unbedingt aus und lassen Sie die Schuhe immer austrocknen», so der Mediziner.
  8. Bei Sport an der Kälte gilt: Verwenden Sie atmungsaktive Kleidung. Die äusserste Schicht sollte winddicht und wasserabweisend sein. Achten Sie darauf, dass die Kleidung trocken ist. Nasse Klamotten kühlen den Körper aus. Wichtig ist die Mütze, denn über den Kopf geht am meisten Wärme verloren.
  9. Wer durchfroren nach Hause kommt, dem empfiehlt Donat Marugg ein warmes Bad – oder zumindest eine Wärmeflasche oder ein wärmendes Kirschkern- oder Dinkelkissen. Diese spenden dem Körper für längere Zeit Wärme. Aber, Achtung: Legen Sie die Hilfsmittel nicht direkt auf die Haut, sonst kann es mitunter zu Verbrennungen kommen.
  10. Gegen Kälte kann man sich auch aktiv abhärten: «Saunabesuche, Bürstenmassagen und Wechselduschen sind taugliche Mittel, sich dafür fit zu machen», so Donat Marugg. Wenden Sie diese regelmässig an, wird die Haut besser durchblutet, und der Körper gewöhnt sich an die wechselnden Temperaturreize – beziehungsweise er kann sich leichter daran anpassen.

Zu guter Letzt noch das: Sollten Sie ständig frieren, kalte Hände oder Füsse haben, kann das Anzeichen einer Krankheit wie Diabetes, tiefer Blutdruck, Herzschwäche, Schilddrüsenunterfunktion oder einer ernsthaften Durchblutungsstörung sein. «Auch Medikamente wie Blutdrucksenker können Frieren fördern», sagt der Experte Donat Marugg.

Dass kalte Hände wieder warm werden, wenn man sie mit Schnee einreibt, ist übrigens ein Gerücht: «Schnee kann zwar wärmer sein, als die Umgebung», bestätigt der Fachmann. «Aber dadurch werden die Hände nass, was dann wie schwitzen wirkt – es kühlt.»

Publiziert am 05.01.2015 | Aktualisiert am 04.02.2015
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