Wo stehts in der Schweiz am besten?

  • Publiziert: 24.09.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Thomas Ley

ZÜRICH – Die Sex-Forscher haben die Schweizer durchs Schlüsselloch beobachtet. Und herausgefunden, wer es wo am häufigsten macht.

Wir wissen es von den Amerikanern, den Franzosen, den Italienern. Nur die braven Schweizer kommen in internationalen Sex-Studien kaum vor.

Jetzt hat ein Marktforschungsinstitut auch die sexuellen Gewohnheiten der Eidgenossen abgeklopft. Nach Regionen, Alter – sogar nach Bildung und Lohn. In einer repräsentativen Studie wurden 1075 Personen befragt. Die Ergebnisse liegen BLICK exklusiv vor.

Das lustvolle Fazit: Wir Schweizer tun es oft und gern – und zwar bis ins hohe Alter.

Wie oft? Im Landesdurchschnitt haben wir genau 7,3 Mal Sex pro Monat. Am eifrigsten sind die Romands: Sie bringen es auf 8,6 Mal. Deutschschweizer tuns im Monat 6,8 Mal. Am Schwanz die Tessiner mit 6,7 Nümmerchen.

Dabei sind in allen Landesteilen die Jungen am heftigsten zugange. Die 15- bis 29-Jährigen haben im Schnitt 8,6 Mal pro Monat Sex. Die Junggebliebenen von 30 bis 49 tun es noch 7,2 Mal. Ihre Eltern und Grosseltern von 50 bis 74 Jahren – und das überrascht – machen immerhin noch 6,2 Mal im Monat Liebe.

Die Marktforscher des Instituts GfK wollten auch wissen, wie sich Bildung und Lohn auf das Sexleben auswirken.

In Zahlen: Schweizer mit mittlerer Bildung haben genau 7 Mal Sex pro Monat. Uni-Abgänger schaffen 7,2 Mal. Spitzenreiter aber sind die Schweizer mit tiefer Schulbildung. 10,3 Mal Beischlaf zählten die Forscher bei ihnen.

Dasselbe Bild bei den Lohnklassen. Schweizer mit mittlerem Einkommen (6000 bis 9000 Franken) ziehen im Bett den Kürzeren. Sie haben nur 6,6 Mal Sex monatlich. Aktiver sind die Topverdiener (über 15000 Franken) mit 8 Mal Sex. Und mit 11,3 Mal sind Schlechtverdiener (unter 3000 Franken) geradezu liebestoll.

Und wenn es dann mal im Bett gar nicht klappt? Da schweigen die Schweizer höflich. 86 Prozent halten Potenzprobleme immer noch für ein Tabu.

Allerdings ist der Durchhänger nicht allen gleich peinlich: In Agglomerationen und Feriengebieten geht man ungezwungener damit um. Der Griff zur Pille ist kein Problem – wie die Verteilung des Konsums zeigt (siehe Karte und Interview).

Die Sex-Studie beweist: Wir tun es häufig. Wir tun es gern. Und wenn nötig auch mit Pillen. Aber wie wichtig ist uns Sex denn wirklich?

Ziemlich wichtig, so die Umfrage: 88 Prozent der Schweizer sehen Sex als bedeutenden Bestandteil der Beziehung. Und da sind sich die Generationen völlig einig: Auch von den 50- bis 74-Jährigen bekennen satte 81 Prozent: Sex ist zentral.

Das würden die Jungen den Alten gar nicht zutrauen. Nur 35 Prozent der unter 30-Jährigen erwarten, dass die schönste Nebensache der Welt auch ihre Eltern und Grosseltern noch interessiert.

Und in welchem Landesteil spielt Sex denn nun die grösste Rolle? «Bei uns», tönt es aus der Deutschschweiz. «Chez nous» aus der Romandie. «Da noi» aus dem Tessin.

Dabei sind Welsche und Deutschschweizer noch bescheiden. Sie sehen sich nur leicht im Vorsprung. Die Tessiner aber glauben, sie treiben es fünfmal mehr als der Rest. Typischer Fall von Selbstüberschätzung (siehe Anzahl Nümmerchen).

Impotenz: So packen Sie beim Arzt aus ...

Wie sag ich’s bloss? Männer genieren sich, über Impotenz zu sprechen – und Ärzte wissen nicht, wie fragen.

Die Schweizer werden wortkarg beim Thema Impotenz – für 86% ist der Hänger zwischendurch immer noch ein Tabu. Dabei wissen sie gut darüber Bescheid. Befragt nach Gründen für Impotenz nennen die Schweizer: Stress, Partnerprobleme, Krankheiten, ungesundes Leben, Unlust, zu wenig Romantik, zu viel Erotik in der Öffentlichkeit.

Trotzdem: «Männer reden nur ungern darüber, auch nicht beim Spezialisten», weiss Urologe Alexander Eijsner aus Meilen ZH. Ein Widerspruch: 83% der Urologen sagen, sie seien es, die Patienten nach ihrer Impotenz fragen. 84% der betroffenen Männer jedoch behaupten: Ich gehe auf eigene Initiative zum Arzt.

Tatsache ist: Ein Drittel von ihnen geht zum Urologen – und traut sich dann nicht, ihm zu sagen, warum. Das Info-Center «Männergesundheit» gibt nun beiden Seiten Tipps für das ideale Gespräch. Klingt ganz einfach:

Arzt: Sind Sie mit Ihrem Sexual-leben zufrieden?
Patient: Nicht mehr so.
Arzt: Was ist anders?
Patient: In letzter Zeit wird mein Penis nicht mehr so richtig steif ...
Arzt: Kam das plötzlich?
Patient: Eher allmählich.
Arzt: Und wenn Sie erotische
Bilder anschauen?
Patient: Gehts auch nicht.
Arzt: Am Morgen haben Sie auch keine Erektion mehr?
Patient: Nein, auch nicht mehr ...
Und schon ist die Potenzpille ein Thema.

Thomas Ley

Wo ein Wille, da eine Potenzpille ...

Wo schlucken die Schweizer am meisten Potenzpillen? Die Karte des Pharma-Infodienstes IMS zeigt unser Land, aufgeteilt in Gebiete mit mindestens fünf Apotheken. Rot zeigt an, wo besonders viel Viagra, Cialis & Co. gekauft wird. «Leute in Städten und Tourismus-Gebieten kennen sich damit besser aus und liegen vorn», sagt Urologe Alexander Eijsten (siehe Interview). Die Schwäche der Männer – ein Riesengeschäft. Pfizer startete 1998 mit Viagra. Heute gibt es auch Cialis von Eli Lilly oder Levitra von Bayer. Weltweit geschätzter Potenzpillen-Umsatz: 4 bis 5 Milliarden Franken.

«Junge kommen auf hohe Frequenzen»

MEILEN ZH – Warum haben Schweizer Lust bis ins
hohe Alter? Und wieso brauchen Städter so viele
Potenzpillen? Der Urologe weiss es.

BLICK: Herr Eijsten, 7 Mal Sex pro Monat – kann man das den Schweizern glauben?

Alexander Eijsten: «Ja. Es sind ja Durchschnittswerte. Viele ältere Menschen haben zwar nur noch einmal pro Monat Sex. Aber manche Jüngere kommen auf ziemlich hohe Frequenzen – etwa übers Wochenende.»

Wie oft auch immer – das Interesse an Sex ist hoch bis ins Alter. Erstaunt?
«Nicht so sehr. Das bestätigen meine Erfahrungen in der Praxis. Gerade bei Männern steigt das Interesse nach der Pension sogar noch an. Sie haben mehr Zeit, mehr Musse – und sie nehmen dann, wenn nötig, auch Potenzmittel.»

Deren Konsum ist sehr unterschiedlich verteilt. Warum?
«In urbanen Gebieten wie Basel, Bern, Zürich, Genf oder Schaffhausen ist man vertrauter mit den Mitteln. Auf dem Land, in der Ost- oder Innerschweiz, redet man darüber weniger offen – und braucht darum wohl auch weniger Potenzmittel.»

Was ist mit dem Berner Oberland oder Bündnerland? Hoher Konsum – obwohl ländlich.
«Ja, aber das sind eben die Gebiete um die Tourismuszentren wie etwa Gstaad, Davos oder Crans-Montana. Für die gilt dasselbe wie in den Städten.»

Warum wissen die Schweizer so gut, was Impotenz auslöst – halten das Thema aber für ein Tabu?
«Das ist tatsächlich erstaunlich. Wohl eine Folge der konservativen Haltung der Senioren: Über sexuelle Störungen redet man ungern. Auch bei mir in der Praxis halten sich Ältere zurück.»

Dabei müsste Impotenz einem Jüngeren doch peinlicher sein?
«Aber jüngere Männer wollen ja Sex haben und daher auch die Probleme in den Griff kriegen – damit ihre sexuelle Beziehung nicht Schaden nimmt. Ältere können das besser verdrängen.»

*Alexander Eijsner (56) ist Urologe in Meilen und Mitautor der Sex-Studie.
play So wichtig ist Sex der jungen, der mittleren und der älteren Generation (o.).