Serie: Was junge Schweizer über Sex denken «Viele Freundinnen pröbeln herum»

ZÜRICH – Pille oder Pariser? Diese Frage stellt sich allen jungen Paaren - und bereiten nicht nur Katja (22) und Pascal (22) mitunter Liebesmühe, wie sie im Sextalk gestehen.

  • Publiziert: 30.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roland Grüter und Dania Schiftan (Text) und Geri Born (Fotos)
play Katja: «Ich kenne einige junge Frauen, die ungewollt schwanger wurden.» Pascal: «Nie ohne Pariser: Ich wollte ja nichts riskieren.»<br></br> (Geri Born)

Blick: Sex und Verhütung — ist das für euch nur Last oder auch etwas Lust?
Katja: Verhütung ist vor allem anstrengend, das Drumherum kann ganz schön stressen. Denn es gibt leider noch immer keine optimale Lösung. Alle Methoden benachteiligen entweder Mann oder Frau, entsprechend fleissig wird in meinem Freundeskreis herumgepröbelt. Ich beispielsweise nehme die Pille, und mein Köper reagiert darauf mit allerlei Nebenwirkungen. Die nerven.

Pascal: In dieser Frage muss man in einer Beziehung einen gemeinsamen Nenner suchen und finden. Drum kümmern muss sich dann jedoch immer nur einer – das ist irgendwie doof.

Wer entscheidet, wie man verhütet?
Pascal:
(lacht) Schere, Stein, Papier? Nein, Spass beiseite. Ich bin mir bewusst, dass die Pille Nebenwirkungen zeigt – und diskutiere logischerweise mit meiner Freundin, ob sie sich diese antun will. Immerhin gibts ja noch Gummis.

Katja: Für den Mann sollen die Dinger aber nicht so toll sein, er spürt offenbar weniger.

Pascal: Sicher, es ist nun mal ein Fremdkörper. Dieses Manko darf aber nicht auf Kosten der Frau gehen.

Katja: Andere Männer verlassen sich einfach darauf, dass wir die Pille nehmen. Anfangs bat ich meinen Freund, mitzudenken. Und mich beispielsweise daran zu erinnern. Ein frommer Wunsch!

Pascal: Ich kenne den Vorwurf. Überlassen wir die Frage der Frau, heisst es schnell: Männer sind faul. Man kann es aber auch anders sehen. Ich vertraue meiner Freundin, dass sie die Verhütung selbständig managt. Das ist doch schön, dieses Vertrauen.

Katja: Na ja, viele Männer wissen nicht einmal, wann wir die Pille schlucken müssen.

Pascal: Hey, darüber weiss ich sehr wohl Bescheid. Sie nimmt die Pille am Abend. Gar so gleichgültig sind wir nicht.

Katja: Was nichts als wünschenswert wäre: Denn hier geht es schliesslich um Mitverantwortung. Bin ich unzuverlässig, trägt der Mann die Konsequenzen mit.

Pascal: Worauf spielst du an: auf Schwangerschaften oder Krankheiten?

Katja: Ich denke vor allem an Schwangerschaften. Ich kenne einige junge Frauen, die schwanger wurden. So viel ich weiss, wollten manche ein Kind, andere liessen es darauf ankommen. Oder man greift zur Pille danach. Die Verhütungsfrage ist folglich nicht überall geregelt. Würdest du denn die Pille für den Mann schlucken?

Pascal: Da bin ich mir nicht so sicher. Die Spirale für den Mann wäre mir lieber. Leider gibts beides nicht.

Katja: Mein Freund würde die Pille für den Mann auch nicht nehmen. Es ist schon komisch, dass ein Mann nicht willens ist, dasselbe für eine Beziehung zu machen wie wir Frauen.

Pascal: Vielleicht gibts bald eine neue Methode. Für Diskussionen bin ich jedenfalls immer offen.

Mit ungeschütztem Sex riskiert man ja nicht nur eine Schwangerschaft, sondern auch Krankheiten: Ist das für euch ein Thema?
Katja:
Ich muss zugeben, anfangs war ich in diesem Punkt ziemlich naiv, kümmerte mich wenig um geschützten Sex. Ich wusste zwar von den Risiken, aber Aids und andere ansteckende Krankheiten schienen ganz weit weg. Erst später realisierte ich, welche Risiken damit verbunden sind und ging zum Frauenarzt.

Pascal: Bei mir war das anders. Ohne Gummi lief nichts. Viele, die ich kenne, greifen ebenfalls zum Kondom. Erst wenn die Beziehung ernsthaft wird, kommt die Pille zum Zug. Davor steht ein gemeinsamer Aids-Test. So zumindest haben meine Freundin und ich das gelöst. Ich würde nie für einen kurzen Spass mein Leben hergeben.

Katja: Nicht alle sind so vernünftig. Es gibt jene, die von Anfang an alles über Krankheiten wie Aids wissen – und alles richtig machen. Aber auch solche, die wie ich anfangs etwas naiv sind.

Pascal: Man sieht es ja niemandem an, ob er HIV-positiv ist oder nicht. Auch allfällige Geschlechtskrankheiten sind keinem auf die Stirn geschrieben. Obwohl, ich muss schon sagen: Wir werden nicht gross über Risiken informiert oder mit Bildern aufgerüttelt. Da kann es bei manchen schon passieren, dass sie vor lauter Lust die Vernunft verlieren.

Katja: Alkohol macht zusätzlich unvernünftig, was keine Ausrede sein soll. Wer schon nüchtern nicht aufpasst, wird durch Alkohol wohl kaum vorsichtiger.

Verhüten kann nur, wer genügend aufgeklärt wurde: Wer hat euch das Sex-ABC beigebracht?
Pascal:
Erst wurde ich in der Oberstufe aufgeklärt, etwa mit 12 oder 13 Jahren. Daraufhin fragte ich bei meinen Eltern oder meinen Freundinnen nach. Natürlich habe ich auch die Beratungsseiten im Jugendmagazin «Bravo» gelesen. Darin werden ja Fragen direkt und aufschlussreich beantwortet. Ich habe mir das Wissen quasi zusammengesammelt.

Katja: Über biologische Abläufe wurde ich in der Primarschule aufgeklärt. Damit hatte es sich aber – mehr oder minder. Kein Wunder, hat mich Aids anfangs etwas überfordert. Ich musste zuerst einiges dazu lesen, um mir ein schlüssiges Bild zu manchen Themen zu machen.

Pascal: Vielleicht denken sich viele Erwachsene, Teenager seien durchs Internet genügend aufgeklärt. Weil sie dort Bilder sehen und manches nachlesen können. Eine seltsame Haltung: Man muss ja auch Autofahren lernen, obwohl man tagtäglich Autos sieht.

Katja: Lehrer wiederum denken offenbar, Aufklärung sei Sache der Eltern. Meine zum Beispiel haben das nicht gemacht. Beim ersten Mal wusste ich entsprechend wenig, vertraute voll dem damaligen Freund. Er versprach mir, aufzupassen.

Pascal: Ich hatte damals mehr Angst vor der Schwangerschaft meiner Freundin, als vor Aids.

Katja: Über Sexstellungen sind Jugendliche gut informiert – über Biologie, Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten wissen sie oft zu wenig. Schade. Das wäre ein gutes Kapital fürs Leben.

Katja (22), angehende Illustratorin

Lebt seit einem Jahr in einer Beziehung, «leider lebt der Liebste weit weg».
Das gefällt ihr an Männern: Dass sie total anders sind als Frauen.
Das nervt: Dass Männer total anders sind als Frauen.

Pascal (22), Student

Lebt seit elf Monaten in einer festen Beziehung.
Das gefällt ihm an Frauen: «Wenn sie einen starken Charakter haben und mich damit total in ihren Bann schlagen können.»
Das nervt: Dramaqueens. «Und Frauen, die sich stundenlang aufbretzeln.»