Smartphones und Internet machen für Junge nicht alles einfacher So viel Sex, so wenig Erfahrung

Der Schweizer Skandalfilm «Amateur Teens» polarisiert. Sex, so scheint es, ist bei Teenagern allgegenwärtig. Doch ist dem wirklich so? Teenager und Experten klären auf.

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Erotik

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Es ist ein drastisches Bild, das der Schweizer Regisseur Niklaus Hilber (45) in «Amateur Teens» wiedergibt (BLICK berichtete). Eltern, die sich den Film ansehen, werden das Kino mit einem mulmigen Gefühl verlassen. Auf dem Smartphone Pornos zu schauen, ist für viele Jugendliche ­normal. Sie reden offen über Gruppen- oder Oralsex, verschicken ohne zu überlegen Nackt-Selfies oder zeigen sich in aufreizenden Posen auf Facebook. Sex, so scheint es, ist bei Teenagern allgegenwärtig. Doch wie viel ist wirklich erlebt? Und wie viel ist nur heisse Luft?

«Freizügigkeit ist in unserer sexualisierten Gesellschaft omnipräsent, auch in der Werbung», sagt Erziehungswissenschaftlerin und SonntagsBlick-Kolumnistin Eveline von Arx (40). «Das beeinflusst uns alle – und die Jugendlichen, die erst dabei sind, ihre sexuellen Erfahrungen zu machen, im Besonderen.» Aber Jugendliche hätten nicht seit 40 Jahren immer früher Sex. «Auch wenn ihre Sprache sexualisierter ist, bedeutet das nicht, dass sie besser aufgeklärt sind», so von Arx.

«Unsicherheit nach wie vor sehr gross»

Ähnliches erlebt auch Sexual- und Paartherapeutin Dania Schiftan (34), die auf dem Jugendsender Joiz unter anderem Fragen zum Thema Liebe und Sex beantwortet. Schiftan hat den Eindruck, dass Jugendliche behaupten, viel Pornos zu konsumieren, und nach aussen «eine Riesenklappe haben», aber dass unter dem Strich «die Unsicherheit nach wie vor sehr gross ist».

Sie bekomme die gleichen Fragen gestellt, wie man sie «schon vor 20 Jahren im ‹Bravo› lesen konnte». So habe sich im Prinzip das Verhalten der Jugendlichen nicht stark verändert, aber durch Social Media sei «die Tragweite eine völlig andere». Wenn ein Teenager ein Nacktbild von sich verschickt, bekomme das heute eine ganz andere Dimension, als «wenn man früher schnell hinter einem Busch das T-Shirt raufzog», so Schiftan.

Genau hier setzte die letztjährige Sexting-Kampagne von Pro Juventute an. Unter dem Slogan «Sexting kann dich berühmt machen. Auch wenn du es gar nicht willst» machte die Organisation auf die Cyber-Risiken aufmerksam. Eveline von Arx rät Eltern, sich mit ihren ­Kindern auseinanderzusetzen und nachzufragen, was sie bewegt und beschäftigt: «So erfahren Kinder, dass man für sie da ist.»

Darüber reden ist das eine

Die Frage, was Jugendliche über Sex denken, beschäftigt auch ein Forschungsteam der Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg. Durch eine im Sommer lancierte landesweite Online-­Befragung (siehe Box) wird untersucht, wie Jugendliche Sexualität erleben.

Konkrete Resultate kann die Projektleiterin Annamaria Colombo noch nicht nennen. Doch ihre Erfahrung aus vergangenen Forschungsarbeiten und Studien zeige, dass nur etwa die Hälfte der 16- bis 20-Jährigen bereits Sex gehabt habe. «Allein die Tatsache, dass Jugendliche heute offener über Sexualität sprechen, bedeutet noch nicht, dass sie auch vermehrt stattfindet», so Colombo. Ein Aspekt, der viele Eltern beruhigen wird.

Publiziert am 16.10.2015 | Aktualisiert am 11.11.2015

Online-Studie für Teenager

Freiburg – Die Hochschule für Soziale Arbeit Freiburg hat im Sommer die Umfrage «Sex, Beziehungen ... und du?» lanciert. Das Forschungsprojekt richtet sich an Jugendliche in der ganzen Schweiz und will erfahren, wie Jugendliche Sexualität und Beziehungen zu Gleichaltrigen verstehen und erleben. Teilnahme für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren auf: www.sex-und-du.ch

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Ungewollt berühmt: Sexting-Kampagne der Pro Juventute. play

Ungewollt berühmt: Sexting-Kampagne der Pro Juventute.

Pro Juventute

9 Kommentare
  • Dieter  Zysset aus Suhr
    17.10.2015
    Ich als 61-jähriger habe den Eindruck, dass sich einige ältere Zeitgenossen etwas gar viel für das Sexualverhalten der heutigen Jungen interessierten.
    Es scheint mir oft, als schwinge da ein gewisser Neid mit, dass früher einfach "andere Zeiten" herrschten.
    • Jean-Pierre  Wüthrich , via Facebook 18.10.2015
      Sie sagen es genau richtig. Ich glaube sich, dass ein gewisser Neid da ist.
  • drafi  schweizer aus berg
    17.10.2015
    wenn wir vor fünfzig Jahren die selben Möglichkeiten gehabt hätten ?? seien wir Ehrlich, der Reiz wäre genau der selbe gewesen und wenn die Mädchen damals mit 14 schon so Sexy dahergekommen wären, ich weiss nicht, nur wird halt heute alles sofort übertrieben und in den Medien Public gemacht
  • reto  schweizer 17.10.2015
    Ist doch schön, die jungen sollen den sex geniessen und ihre Erfahrungen machen. man ist nur einmal jung.
    Das sexuelle Schutzalter von 16 jahren ist aber ziemlich überholt vor allem bei Mädchen, die sehen mit 14 schon aus wie 20.
    • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
      17.10.2015
      Aussehen und geistige Entwicklung sind immer noch zwei Paar Schuhe. Denn teure Dessous tragen ist heute eine Art Wettstreit in der Umkleidung beim Sport, das hat viel weniger mit aufreizendem Auftreten dem männlichen Geschlecht gegenüber zu tun. Darum geht es ja auch in dem Film, nur weil das eine Mädchen sich nicht die Schamhaare rasiert, also nicht Tanga-konform ist wird es als "Taliban" gemobbt. Das hat rein gar nichts mit Sexualität zu tun sondern nur mit brutaler Ausgrenzung.
    • Jean-Pierre  Wüthrich , via Facebook 18.10.2015
      @Reto Schweizer

      Sie sagen es genau richtig.

      Ich durfte in den Jungen Jahren, nicht mal Bravo lesen. Meine Mutter hatte mir das verboten. Aufgeklärt wurde ich auch nicht.
  • Rina  CH 17.10.2015
    Ich bin zwar erst 23 Jahre aber kann genau sagen durch Geschwister und Co. Das die Teenies genau so sind. Egal ob sie aus der Reichen oder unteren Schicht kommen. Heute sollen die Mädchen Schlampig sein für die Jungs,weil sie sonst prüde sei. Aber die Jungs wollen ne Jungfrau mit Erfahrung für die Beziehung.