Interview mit der Schweizerin, die ‹Sex› und ‹Intelligenz› erforscht hat. Sind dumme Männer besser im Bett?

  • Publiziert: 14.05.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Franziska Agosti

Sie ist schön und beschäftigt sich den ganzen Tag mit Sex. Die Bernerin Andrea Burri (29) ist Sexforscherin in London.

Blick: Frau Burri, Sie beweisen, dass intelligente Frauen öfter zum Orgasmus kommen. Wollen Sie Männern Angst einjagen?
Andrea Burri:
Überhaupt nicht. Meine Forschung ist ein Aufruf an die Männer, beim Sex einfühlsamer zu sein und mehr auf die Frauen einzugehen. Frauen haben es noch immer schwerer im Bett.

Warum fällt es Männern schwer, sensitiv zu sein?
Viele Studien belegen, dass die männliche Sexualität sehr physiologisch abläuft. Das Lustgefühl von Frauen wird dagegen auch von psychologischen und umweltbedingten Gegebenheiten, wie Stress, Beziehungsknatsch oder dem Gefühl, zu dick für den Mann zu sein, stark beeinflusst.

Hat ein Mann mit einem fetten Bauch nicht auch Komplexe?
Vielleicht schon. Aber wenn ein Mann sich nicht schön findet, verspürt er trotzdem Lust. Männer können trotz aller Probleme meistens eine Erektion haben. Ihr Kopf funkt nicht dazwischen.

Was denken Männer beim Sex?
Wenn ich das nur wüsste!

Sind dumme Männer besser im Bett?
Sicher nicht. Wer seine Gefühle und die des anderen versteht, kann besser auf den Partner eingehen. Das gilt auch für Männer. Die Beziehung von männlicher Intelligenz und Orgasmusfähigkeit würde ich gerne erforschen. Aber Männer stellen sich höchst ungern für Sexualstudien zur Verfügung.

Sie fordern Frauen auf, über ihre Gefühle zu reden. Ist das nicht kopflastig? Beim Sex will man sich doch gehen lassen?
Die Frau muss sich ja nicht immer verbal äussern. Aber sie muss spüren, was ihr Körper braucht und das dem Mann zeigen. Manchmal will sie kuscheln, manchmal will sie rohen Sex, manchmal will sie ein entspanntes Gespräch und Streicheleinheiten. Das Geheimnis ist, die Lust Schritt für Schritt bis zum Sexualakt aufzubauen.

Kommt das einem erregten Mann nicht in die Quere?
Sex ist Geben und Nehmen. Das Problem ist, dass manche Männer zu wenig von ihren Bedürfnissen abweichen. Wenn ER mehr auf das Befinden von IHR eingeht, bekommt er auf Umwegen das Gleiche, ohne die Frau zu übergehen.

Ein einfühlsamer Mann hat also besseren Sex?
Ich würde sagen, dass der Sex harmonischer wird.

Will das ein Mann?
Die Frage muss ein Mann beantworten. Sicher ist: Beim Sex sind Männer heute enorm unter Druck – auch weil Frauen ihre Bedürfnisse besser kennen und äussern.

Sie haben an der Uni Zürich studiert, sind Genetikerin und sicher intelligent – wirkt sich das positiv auf Ihr Sexleben aus?
Könnte sein. Wer an der Quelle der Sexualforschung ist, kann die Erkenntnisse natürlich ins Privatleben einbauen. Ich habe einen Wissensvorteil.

Sind Sie glücklich verheiratet?
Ja, mit meinem Beruf!

Warum forschen Sie in England und nicht in der Schweiz?
Die Schweiz ist punkto Sexualforschung verklemmt. Auch in London ist das Forschungsgebiet ein Tabu, aber immerhin lassen sie mich hier am Twin-Departement des King’s College machen.

Schade, der Schweiz täte doch eine Sexualforscherin gut.
Ich komme nächstes Jahr zurück und hätte nichts dagegen, mit meiner Forschung das Land ein wenig aufzuwirbeln.

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