Blick-Autor Jürg Ramspeck erinnert sich an seine Kollegin «Eliane war alterslos und unantastbar»

Eliane Schweitzer schrieb seit 1994 ihre Kolumne für den BLICK. Sie erlag am Dienstag zu Hause in Zürich einem Krebsleiden. Blick-Autor Jürg Ramspeck über seine ehemalige Kollegin.

  • Publiziert: 12.04.2012, Aktualisiert: 10.10.2012
  • Von Jürg Ramspeck

Zeitlebens habe ich Eliane Schweitzer für zwei Eigenschaften bewundert, die sie auszeichneten, schon lange bevor sie eine berühmte Frau war: für ihre Alterslosigkeit und ihre Unantastbarkeit. In den Jahrzehnten, die ich sie kannte, konnte ich an ihr nie die geringfügigste Veränderung wahrnehmen. Und so leicht und angenehm es war, mit ihr Umgang zu haben, so schwer wäre es mir gefallen, sie jemals nach ihren eigenen Lebensumständen zu befragen, die sie wie ein privates Naturschutzgebiet unter Verschluss hielt. Sie konnte lustig und scharfzüngig sein, aber immer aus einer Position heraus, die zu den Dingen, die sie kommentierte, Abstand hielt.

Alterslos und unantastbar

Diese ihre Eigenschaften waren es wohl, die sie zur Aufgabe befähigten, das Liebesleben ihrer Landsleute einer schonungslosen Beurteilung zu unterziehen. Mir ist eigentlich stets unerfindlich gewesen, woraus sie ihr verblüffend präzises Wissen über das Paarverhalten der Schweizerinnen und Schweizer bezog. Ich hege allerdings die Vermutung, dass sie sich nicht allein auf ihre Intuition verliess, sondern sich auch auf geheimen Bildungswegen Material aneignete. Anders wäre mir nie erklärlich gewesen, warum ihre Kolumnen im BLICK niemals den Eindruck erweckten, hier werde einfach aus dem Nähkästchen geplaudert.

Über Tausende Kolumnen

Im Gegenteil. Ihre Texte waren ausgesprochen präzise, die Leserinnen und Leser, die sich an «Eliane» wandten, erhielten konkrete Antwort. Dabei stand nicht, wie bei ihrer unvergessenen Vorgängerin Martha Emmenegger, eine mütterliche Besorgnis um das Wohl ihrer Klientel im Vordergrund, sondern eine überlegte Analyse der vorgetragenen Störfälle. Über Tausende Kolumnen zu Liebe und Sex hielt sie das Banner der ernsthaften Mitteilung an Ratsuchende aufrecht.

Ultimative Expertin für Liebe und Sex

Das war es, was ihr schliesslich den verdienten Ruf eintrug, auf ihrem Gebiet die erste Fachfrau der Nation zu sein. Es kam bald keine TV-Sendung, die ihr Thema zum Gegenstand hatte, mehr um ihre Einladung als ultimative Expertin herum. Ihre Auftritte strahlten eine unerschütterliche Beschlagenheit aus. Ihre Furchtlosigkeit, auch die unter dem Gürtel befindlichen Dinge schlicht bei ihrem Namen zu nennen, mag in der Tat einen fühlbaren Beitrag an eine aufgeklärtere Form geleistet haben, wie Frauen Männer und Männer Frauen einander begegnen und verstehen.

So war Eliane Schweitzer über ihre journalistische Tätigkeit hinaus zu einer Instanz geworden, und ich erinnere mich nicht, dass diese Instanz jemals von irgendeiner Seite in Frage gestellt worden ist. Ich glaube, das hatte nicht nur mit ihrem breiten und profunden Wissen zu tun, sondern auch mit der Aura ihrer Persönlichkeit: eben alterslos und unantastbar. Ihr war Glauben zu schenken, ob es um zwischengeschlechtliche Ereignisse in der Disco oder im Seniorenheim ging. Und ihr war Glauben zu schenken, weil sie selbst als unverwundbar galt. Nicht einmal von der schweren Krankheit, der sie jetzt erlegen ist, habe ich gewusst. Und wenn ich von dieser Krankheit gewusst hätte, würde ich es mir verboten haben, ihr die Ungehörigkeit anzutun, sie vor ihr zu erwähnen. Und damit anzudeuten, dass ich auch sie für ein antastbares, sterbliches Wesen hielt.

Liebe und Disziplin waren ihr Leben

Vom Ruhestand hielt sie nichts. Eines Tages wurde Eliane Schweitzer einfach von der «Redaktorin» zur «Autorin» und machte weiter. Bis kurz vor Weihnachten 2011. Ihre erste BLICK-Kolumne war am 23. Juli 1994 erschienen. Als gelernte Anhängerin der Psychologie nach Sigmund Freud wusste sie, dass die Seele, also die Liebe, den Sex bestimmt. Und sie vermittelte das – eine kaum vorstellbare Leistung – Tag für Tag an einem praktischen Beispiel! Denn noch etwas konnte die unverheiratete und kinderlose Zürcherin: Disziplin. Nach Sprachstudium und Lehre im Anwaltsbüro arbeitete sie sich zur Chefsekretärin bei «Annabelle» hoch, wechselte zum Männermagazin «Penthouse» und war dort in Rekordzeit Redaktorin. Ab 1991 schliesslich assistierte sie der «lieben» Martha Emmenegger beim BLICK und folgte ihr fünf Jahre später – als Sexberaterin der ganzen Nation.

Alle Kommentare (3)

  • Astrid  Simon , Deitingen , via Facebook
    Ich kann es fast nicht glauben,das eine so junge Frau plötzlich nicht mehr da ist.
    Sie hatte sehr gute Tipps.
    R.I.P,Eliane
    • 12.04.2012
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    • monika  steimer , au
      werte frau simon, die liebe eliane wurde 2007 pensioniert.. so jung war sie nicht mehr. aber sie war eine tolle frau
      • 12.04.2012
      • als Kommentar auf Astrid  Simon , Deitingen
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  • Peter  Blattner , via Facebook
    R.I.P. Eliane
    Peter Blattner
    Praden
    • 12.04.2012
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