Strapsmädchen im Rittersaal Heisse Nächte im Schweizer Lustschloss

  • Publiziert: 20.01.2005, Aktualisiert: 10.01.2012

ZÜRICH – Vor historischer Kulisse in Schweizer Schlössern räkeln sich maskierte Frauen in Reizwäsche. Ein schmuddeliges Sexfest oder eher knisternde Erotik à la «Eyes Wide Shut»?

VON MARCEL ZULAUF

In der Schlüsselszene von Stanley Kubricks Kultfilm «Eyes Wide Shut» mit Nicole Kidman wandelt Tom Cruise durch ein Lustschloss voller erotischer Schönheiten. Nicht kruder Sex, sondern prickelnde Erotik zeichnet die Szenerie aus. Ähnliches soll man jetzt auch auf Schweizer Schlössern erleben können: knisternde Partys in historischer Kulisse.

Der Berner Andrej Lorenc inszeniert seit sechs Jahren diese sexy Schloss-Happenings. Bisher aber nur im privaten Rahmen, «für Freunde und Bekannte». Jetzt will er seine Anlässe öffentlich machen.

Wer sich jetzt aber schmutzigen Gruppensex zwischen kalten Mauern vorstellt, liege falsch. Zahlreiche ähnliche Partys locken Leute aus der Fetisch-Szene an. Davon will sich Lorenc deutlich distanzieren. «Das ist keine Swinger-Party. Es geht nicht darum Männer und Frauen zu verkuppeln. Es geht um den erotischen Touch», betont der 30-Jährige.

Dennoch steht auf der Schlossparty-Homepage: «Diverse Gemächer stehen jenen zur Verfügung, welche sich zurückziehen und ihre Zweisamkeit in königlicher Atmosphäre ausleben möchten.» Obwohl vieles auf Sex hindeutet, betont der Veranstalter immer wieder, dass es bei seinen Party nicht darum gehe.

«Es gibt Leute, die etwas zwischen normalem Disco-Anlass und Fetisch-Party suchen.» Deswegen sollen sich zwar seine Gäste im gewagten Outfit zeigen. Aber mit einer venezianischen Maske, bodenlangen Umhängen und inszenierten Spielen wollen die Veranstalter dem Ganzen das gewisse Etwas verleihen.

Dass seinen Partys aber dennoch etwas Anrüchiges anhaftet, kann Lorenc nicht aus dem Weg räumen. Ausser im inzwischen geschlossenen Luzerner Luxus-Hotel Chateau Gütsch verrät er nicht, wo die bisherigen Events stattgefunden haben, «das ist so mit den Schlossherren vereinbart». Auch wo die geplanten Partys im Juli und am nächsten Sylvester – mit bis zu 500 Gästen – über die Bühne gehen sollen, will er nicht verraten. Denn obwohl er immer wieder betont, dass es sich nicht um Sextreffs handelt, hat er Angst vor negativen Reaktionen im Vorfeld.

Eine gewisse Exklusivität garantiert der Preis. Erst ab 350 Franken pro Person kann man sich im mittelalterlichem Ambiente näher kommen. Tickets für das Fest werden nicht einzeln vergeben, sondern nur im Doppelpack. Schliesslich sollen sich gleich viel Frauen und Männer vor der historischen Kulisse tummeln.

Ausziehen bevor die Hüllen fallen

Bevor auf der Schlossparty die Hüllen fallen, müssen sich die Teilnehmer schon ein erstes Mal ausziehen: Eine gültige Emailadresse und ein Passwort reichen nicht aus. Auch ein Pseudonym nicht. Neben Adressdaten und Telefonnummer verlangt der Veranstalter sehr persönliche Angeben von den freizügigen Partygängern. Grösse, Gewicht, Augenfarbe muss man angeben. Ob eher dominant oder devot, welche Sexpraktiken man mag, auf was man steht: Strapse oder eher Leder.

Dubioser Link

Ist wirklich alles sauber? Im Internet findet sich nämlich die Homepage eines Sex-Tourismus-Anbieters (eine Woche Moskau für 4400 Franken inklusive Frau für 24 Stunden), wo mit grossen Bildern der Schlossparty auf dem Chateau Gütsch auf «Schlosspartys.ch» gelinkt wird. Mit diesen Leuten habe er nichts mehr zu tun, sagte Lorenc gegenüber Blick Online.