H wie homosexuell

  • Publiziert: 00.00 Uhr, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Dania Schiftan

Mindestens fünf Prozent der Bevölkerung sind schwul oder lesbisch. Vorurteile und Vorteile liegen für sie nahe beieinander.

Die Regenbogenpresse berichtet über schwule Stars, das Partnerschaftsgesetz ist da, die Gay-Pride lockt viele Menschen auf die Strassen: In der Öffentlichkeit ist Homosexualität sehr präsent – und wird sogar zum Trend-Thema hochgeschrieben. Die Forschung zeigt aber, dass das Thema noch immer mit Vorbehalten belastet ist. Ein Beispiel: Früher war es für Jungen selbstverständlich, sich gegenseitig das Wixen beizubringen. Heute verschwindet dieses Phänomen mehr und mehr. Weil Jungs Angst haben, als schwul abgestempelt zu werden?

So hip und cool Homos gelten – gibt ein Freund sein Coming-out, irritiert das noch immer (besonders Männer). Diese Diskrepanz erleben Homosexuelle oft, bevor sie sich zu ihrer Sexualität bekennen. Und sie müssen lernen, damit zurechtzukommen. Martin (27) und Marianne (33) wissen das aus eigener Erfahrung. Die beiden arbeiten im ABQ-Schulprojekt (www.abq.ch) und besuchen Klassen, um Schülern einen persönlichen Kontakt mit Schwulen und Lesben zu ermöglichen, ihnen aus ihrem Leben zu erzählen und entsprechende Fragen zu klären.

Vorurteile? «Die gibts. Aber das Schwulsein bringt auch viele Vorteile mit sich», zeigen sich die beiden überzeugt. Martin: «Homos müssen sich beispielsweise früher und intensiver mit Identitätsfragen auseinandersetzen als andere.» Sie können in der Folge Träume und Wünsche bewusster leben. «Zumal es für uns weniger vorgespurte Lebensmodelle gibt», sagt Marianne.

Speziell homosexuelle Männer sehen darin einen Vorteil. Schwule stehen weniger unter Druck, dem klassischen Männerbild zu entsprechen. Martin: «Sie können männliche und weibliche Facetten nach ureigenem Geschmack ausleben.»

Auch in der Gestaltung von Beziehungen sehen die beiden manche Vorteile: «Beziehungen bei Schwulen und Lesben bleiben oft dynamischer und abwechslungsreicher», sagt Marianne, «weil wir uns weniger an Regeln halten müssen.» So erlebe Frau mit Frau oft mehr Nähe als Frau mit Mann. Mann mit Mann wiederum ist vogelfreier. «Schwule können eine lebendigere Sexualität leben, weil sich die Partner ihre Vorlieben besser mitteilen können. Sie wissen ja, wie der andere tickt.» Darum können sie Heteros nur beneiden.