Die Seitensprung-Lüge Fremdgehen? Ein Fremdwort – behaupten die meisten

  • Publiziert: 25.01.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Peter Padrutt und Oliver Schmuki
play 42 Prozent der Frauen gehen in Ehen fremd, bei den Männern sinds 46 Prozent. (Blick)

ZÜRICH – Mal ganz ehrlich: Sind sie auch schon fremdgegangen? Fachleute sagen: Viele tun es – aber nur wenige geben es zu.

Dieser SF-Dok sorgt für Zündstoff im Schlafzimmer. Nächsten Montag erzählen Schweizer Paare schonungslos, wie sie fremde Haut berührten, um ihr Ego zu streicheln. Beispiel: Thomas und Lydia – seit 19 Jahren verheiratet. «Es passierte bei mir, als wir kleine Kinder hatten», erzählt Lydia. «Ich war sehr beschäftigt, der andere Mann bedeutete Freiheit.»

Thomas gesteht: «Mich hat es fast zerrissen. Ich war zu Hause mit den Kindern. Und du in der Chorprobe.»

Fremdgehen? Für Sexberaterin Eliane Schweitzer ist klar: «Die Frauen holen bei Seitensprüngen enorm auf.» Aber zugeben? «Nirgends ist unser Gedächtnis so kurz wie beim Fremdkuscheln.»

Das zeigt auch eine Studie der Uni Bern vom März 2007: Nur 20 Prozent der Frauen geben an, in den letzten fünf Jahren fremdgegangen zu sein. Bei den Männern immerhin 32 Prozent.

Lügen wir beim Betrügen? Frauen noch mehr als Männer? Studienleiterin Dania Schiftan analysiert: «Frauen gehen häufiger fremd als man gemeinhin annehmen würde.»

Noch dramatischer sind andere Umfragen. Sie besagen: In Ehen gehen 46 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen einmal fremd.

Paartherapeutin Doris Hodel-Portmann weiss um die Konsequenzen. «Wenn jemand fremdgeht, schlägt das ein wie eine Bombe. Nichts ist mehr wie vorher», sagt sie im Dok.

Dabei verteufelt sie das Naschen in Nachbars Garten nicht generell: «Manchmal verliebt sich jemand in der Not und lernt so die eigene Leidenschaft kennen.»

BLICK-Eliane bläst ins gleiche Horn: «Seitensprünge sind halb so wild. Oft bringen sie neuen Pep ins Ehebett. Man soll sie einfach für sich behalten.»

Für Autorin Julia Onken ist klar: «Nirgends wird so geschummelt wie bei Seitensprüngen», sagte die Psychotherapeutin einmal. Warum passiert es denn so oft? Onken: «Männer haben eher das Bedürfnis nach Sexualität. Bei Frauen hat der Seitensprung häufig die Funktion einer Reparaturwerkstätte für ihr angeschlagenes Selbstwertgefühl.»

Auch die Ehe von Thomas und Lydia wurde zu guter Letzt geflickt: «Eigentlich kamen wir über die Untreue zur Treue.»

Montag, SF 1, 22.50 Uhr