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(Getty)
SonntagsBlick Magazin: Wie kamen Sie zum Flirten als Beruf?
Thomas Peter: Vor zwölf Jahren habe ich begonnen, Material zu sammeln, mit vielen Leuten zu reden. Dann hielt ich 1999 meinen ersten eigenen Kurs ab.
Was hat sich in den Jahren verändert?
Vor 30 Jahren war es für Frauen unanständig, Männer anzusprechen. Heute ist es erlaubt. Aus männlicher Sicht passiert das immer noch zu wenig. Wenn Sie einen Mann suchen, der von einer Frau wirklich angesprochen wurde – dann müssen Sie lange suchen.
Wie definieren Sie Flirten?
Gute Frage. Die stelle ich in jedem Kurs. Irgendwie weiss es jeder, aber in Worte fassen – das ist schwierig. Ist es unbeschwerte, unverbindliche Kontaktaufnahme? Ist es Nettigkeiten und Komplimente austauschen?
Das heisst kurz?
Flirten heisst alles, was mit positiven Gefühlen zusammenhängt. Negative Gefühlen haben nichts zu suchen. Die lassen wir zu Hause, im Safe eingeschlossen. Wir wollen nur das Positive erleben und weitergeben. Oder wie es im Duden heisst: Flirt ist Liebelei, harmloses, kokettes Spiel. Ein Liebäugeln. Es ist nicht dem anderen etwas vorgaukeln.
Kann man Flirten lernen?
Aber sicher. Sonst würde es mich nicht geben. In meinen Kursen versuche ich, bei den Menschen das zu wecken, was sie in sich haben – es aber nicht wissen.
Beispiele, bitte!
Viele nutzen die Möglichkeiten nicht, die sie haben. Zum Beispiel an der Bushaltestelle. Alle denken: Hier kann man nicht flirten! Da greife ich als Flirt-Coach ein, rate, ein Gespräch zu beginnen: «So – jetzt noch zwei Tage. Dann kommt das Wochenende.» Sofort wird Kommunikation möglich, die etwas hervorruft, wie «Stimmt. Sie haben recht.»
Gibt es völlig unbegabte Flirter?
Nur die, die meinen, dass sie es sind! Die es nicht versuchen. Zum Beispiel, wenn die Tür bei einem Lift aufgeht. Jeder hat da als Erstes das Gefühl: Mensch, warum kann ich den Lift nicht für mich alleine haben?
Und was sagt der unbegabte Flirter jetzt?
«Grüezi mitenand. Habt ihr noch einen Platz frei? Nehmt ihr mich noch mit?»
Mal ehrlich: Hässliche Männer haben es doch sehr schwer?
Es gibt eine Theorie, die sagt: Jeder Mann kann eine Frau mit dem richtigen Zauberstab herumkriegen. Das ist nicht mein Satz. Auch wenn Männer nicht supergut aussehen, müssen sie sehr gepflegt sein. Ich behaupte: Nur wenn ein Mann aussieht wie Quasimodo, hat er die Arschkarte gezogen.
Der Normal-Mann sollte also üben?
Ja. Selbstgespräche sind befreiend. Oder man macht ein heisses Büchlein. Beschreibt Situationen, die man sieht – und wie man diese Situation selbst positiver meistern könnte.
Was törnt absolut ab?
Abgedroschene Sprüche wie «Bisch öfters da»? Ist zwar immer noch besser als gar nichts. Nach dem Grundsatz: Wer nichts probiert, hat verloren. Lieber also «Oh bisch au wieder da! Dich han ich doch letscht Wuche au scho gseh.» Tönt plump, sagen Frauen. Aber der Flirt-Anfänger hat zumindest Mut bewiesen, – und die Frau denkt: War zwar nicht so originell, aber ich gebe ihm eine zweite Chance.
Was sind die Hauptprobleme?
Die Menschen stehen sich selber im Wege. Sie denken, sie können das nicht. Wenn uns aber jemand ein Lächeln schenkt, ist das ein kleiner Erfolg. Er hätte ja auch zur Seite sehen können.
Und was sagen da Ihre Schüler?
Sie fragen: «Was söll ich denn säge?» Ich rate ihnen: «Sagen Sie doch einfach: ‹Ich chume jetzt eifach schnäll go Grüezi säge, wenn sie mich scho so nett aaluegid. Ich chan nöd anders.›» Schon ist der Wind aus den Segeln.
Welche Damen sind am schwierigsten anzuflirten?
Eine Barmaid. Die wird statistisch pro Tag
28 Mal beflirtet.
Wie lange dauert es bis zum Kuss?
Sieben Stunden, haben Amerikaner berechnet! Aber nicht an einem Stück. Ich habe andere Erfahrungen: Männer wissen beim zweiten Treffen schon, ob es passt oder nicht. Bei Frauen dauert es länger. Sie merken es meist erst beim siebten Treffen. Bis sie weiss, was sie will.
Sind Frauen Spätzünder?
Nein. Eine Frau hat mehr zu verlieren. Frauen wählen vorsichtiger. Oder lapidar gesagt: Eine Frau hat eine Eizelle, ein Mann Millionen von Spermien. Dem ist es egal, wann sie verteilt werden, morgens, nachmittags, nachts. Die Frau ist da weitaus selektiver.
Drei Fraustregeln für alle?
Erstens: die innere Einstellung. Wer auf andere zugeht, muss das Gefühl haben: Ich lerne gerne Leute kennen. Zweitens: Ich flirte aus Spass. Wer mit der Vorstellung flirtet, bald ans Ziel zu kommen, dem steht unsichtbar auf der Stirn geschrieben: «Ich suche dringend eine Frau». Drittens: Frauen haben mehr Sensoren. Spüren mehr mit Bauch und Herz. Männer denken meist logisch, suchen nach Lösungen. Die Frau sucht gute Gefühle. Was viele Männer erst noch lernen müssen!
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Flirt-Experte Thomas Peter: «Flirten will gelernt sein. Flirten ist Lebensfreude pur – aber bitte keine coolen Sprüche.» (ZVG)