Kommentar Eliane Ehrlichkeit kann der Ehe schaden

  • Publiziert: 24.01.2008, Aktualisiert: 20.01.2012

Dass 80 Prozent der Frauen und fast 70 Prozent der Männer treu sind – das war vielleicht vor 100 Jahren so. Bei unseren Vorfahren waren die Hürden höher, aber auch sie hatten Gelegenheiten. Und auch sie ergriffen sie. Sie machten bloss nicht so viel Aufhebens davon wie wir.

Sie freute sich, wenn er gutgelaunt nach Hause kam. Und er, wenn sie ihn strahlend empfing. Worauf ein schöner Abend folgte und vielleicht wieder einmal eine heisse Nacht.

Das ist heute nicht anders. Was ebenfalls gleich blieb: Fremdgehen ist tabu. Es macht sich nicht gut. Und: Was man selbst als Superkick erlebt, wird zum Liebesverrat, wenn man den Partner dabei erwischt.

Das nimmt man persönlich! Da hat man versagt! Ist nicht gut im Bett, nicht attraktiv genug. Und das Vertrauen ist verloren. Aber wieso ausgerechnet auf die Treue vertrauen, die einem selbst nicht immer leichtfällt?

Wäre es nicht gescheiter, auf die Liebe zu vertrauen? Und dem Liebespartner die kleinen Aufregungen nachzusehen, die er vielleicht braucht, um sich gut zu fühlen?

Verlockungen gibt es heute an jeder Ecke. Ein Flirt, die Bestätigung der eigenen Attraktivität, ein fremder Körper – das alles macht nicht nur Spass. Es ist schlicht schön.

Man darf sich das erlauben. Verboten sollten Geständnisse sein, um das eigene Gewissen zu entlasten. Weil sie danach zentnerschwer auf dem Menschen lasten, den man liebt.

Wer seine Sünden freiwillig beichtet, bauscht eine heimliche Affäre zum Drama auf. Diese Sorte «Ehrlichkeit» führt nicht selten zur Trennung. Zu Recht. Weil solche «Ehrlichkeit» sehr oft pure Aggression ist.

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BLICK-Sex-Expertin Eliane Schweitzer.

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