Opel Ampera Dauertest-Stopp 3000 km Stromern macht auf Dauer Laune

Nach 3000 von 10 000 Dauertestkilometern im Ampera fragen wir uns: Wieso reden alle von «Krise bei Opel» – statt mal über die Pionierleistungen dieses Hightechstromers?

  • Publiziert: 23.10.2012
  • Von Timothy Pfannkuchen

Im Elektroauto zur Vollgasorgie? Klingt unsinnig, aber gehört beim Langzeittest dazu. Also reisen wir im Opel Ampera nach Deutschland auf die Autobahn. Dichter Verkehr, Tempo 140 mit Akkustrom. Die Ladung reicht daheim im Schnitt 64, bei ruhiger Fahrt 80 km. Nun, auf der deutschen Autobahn, immerhin für knapp 50 km. Wichtiger als Zahlen ist das Gefühl: Leise zeigt der Opel bei Zwischenspurts der ausklingenden Spritepoche die Rücklichter. Mit 150 PS? Ja, denn die legen elastisch mit gefühlt doppelter Kraft los.

Dann ist die Piste leer. Der Akku auch. Egal, denn nun schaltet der Stromerzeuger zu: Der 1,4-Liter-Benziner versorgt in erster Linie den E-Motor mit Saft, gibt nur bei Bedarf einen Hauch Kraft direkt ab und sorgt ganz locker für 500 km Reisereichweite. Vollgas! Flott erreicht der Opel maximal Tacho 169. Mit viel Lärm? Nicht mal: Zwar dreht er nun hoch, aber wird nicht lauter als alle Benziner. Im Stromerzeugermodus messen wir am Ende 7,6 l/100 km (Schnitt in der Schweiz 6,1 l/100 km): Autobahnprüfung bestanden!

Zurück in der Schweiz an die Steckdose, um anderntags akkuelektrisch emissionsfrei ins Büro zu summen. Laden dauert an der 16-Ampere-Steckdose dreieinhalb Stunden; Strom für 100 km kostet je nach Tarif nur ab eineinhalb (!) Franken. Sehr pfiffig: Der Generator kann manuell angewählt werden, um den Akku erst später zu nutzen. Und selbst vermeintlich leer reicht der Akku, um vollelektrisch durch die City zu summen.

Also gar keine Nachteile? Na ja, ein Platzwunder ist er nicht, aber geräumig genug für vier. Der Kurvenspass ist mässig, der Komfort aber prima. Und an das folgenlose, aber nervige Kratzen der Spoilergummilippe auf jeder Temposchwelle gewöhnt man sich.

Zwischenfazit: Der Ampera trägt (wie der Zwilling Chevrolet Volt) zu Recht die Titel «Schweizer Auto des Jahres» und «Auto des Jahres». Bisher pannenfrei, nimmt er die Zukunft vorweg: Ohne Reichweitenangst macht Stromern Sinn – und richtig Spass.

Opel Ampera

Antrieb: Elektromotor, 150 PS, 370 Nm ab 1/min. Stromerzeuger R4, 1.4 l, 86 PS. Akku Lithium-Ionen, 16 kWh. Frontantrieb, 1-Stufen-Automat.

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 9 s, Spitze 160 km/h.

Masse: Länge 4,50 m, Breite 1,79 m, Höhe 1,44 m. Gewicht 1732 kg. Kofferraum 309-999 Liter.

Umwelt: Testwert Akkubetrieb 20 kWh/100 km, Stromerzeugerbetrieb 6,1 l/100 km = 0 bzw. 142 g/km CO2. Werkswert 13 kWh+1,2 l/100 km = 27 g/km CO. Energieeffizienz A.

Preise: ab 50 900 Franken. Testwagen mit Optionen 57 450 Franken.

autoscout24.ch

Beliebteste Kommentare

  • Stefan  Mark , via Facebook
    Währe der Volt bzw. der Ampera nur 7000.- - 10000.- Billiger währe er ein verkaufsschlager. Dann lohnt es sich, mehr zu bezahlen und am ende über die Betriebskosten doch günstiger zu kommen. Denn, blos um jeden Monat 80.- an Benzinkosten einzuspaaren, kauft niemand einen 50900.- Auto.
    So anbieten wie in den USA. Günstiger preis, günstiges Leasing dann funktionierts zum Erfolg
  • Albert  Fischer , Ottenbach
    Warum nur sind diese E-Autos so verdammt teuer. Wären sie Fr. 15000. billiger z.B. Öko-Prämie, würden sie wohl massenweise gekauft. So aber bleibst halt eine Illusion.
    • 23.10.2012
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Alle Kommentare (13)

  • Jogi  Gros , via Facebook
    Da die Ölfirmen sonst weniger verdienen, der Staat weniger einnimmt, dreckigere Luft für mehr Asthma und Kranke sorgt was wiederum Staats-einnahmen schmälert, so wird es noch lange dauern, bis man die günstigen E-Autos zu vernünftigen Preisen bekommt.
    Hat man noch das eigene Solardach das man nützen kann um Batterien zu laden..., früher oder später ists aber die Lösung.
    • 24.10.2012
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  • Jürg  Styner , via Facebook
    Wir haben seit Juli unseren Ampera und machen nur die besten Erfahrungen. Sind wir doch ehrlich, die meisten von uns machen pro Tag nicht mehr als 50 km. Dann macht dieses Fahrzeug wirklich Sinn. Der Generator kommt bei uns nur selten zum Einsatz und wenn man auf der Autobahn im Generatormodus fährt, bleibt der Verbrauch auch sehr niedrig. Wir haben bei gefahrenen 3500 km einen Durchschnittsverbraucht von 1,1 l pro 100 km
    • 24.10.2012
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  • Urs  Salvisberg
    Natürlich, nur mit dem gesparten Benzin finanziert man die Mehrkosten des Ampera nicht. Aber wie viele Autokäufer investieren Tausende von Franken in mehr Zylinder, mehr PS oder klingende Namen?
    Leistungsfähige Automobile sind dann auch im Betrieb sehr teuer, weil sie zu viel Treibstoff schlucken. Ich habe mir einen Ampera geleistet - wegen der Umwelt und weil mich die Technik fasziniert. Und nun erfreue ich mich Tag für Tag über die geringen Betriebskosten: der Durchschnittsverbrauch über 20000km liegt bei 3.6l - jedes vergleichbare Auto verbraucht nahezu das Doppelte!
    • 24.10.2012
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  • Albert  Fischer , Ottenbach
    Warum nur sind diese E-Autos so verdammt teuer. Wären sie Fr. 15000. billiger z.B. Öko-Prämie, würden sie wohl massenweise gekauft. So aber bleibst halt eine Illusion.
    • 23.10.2012
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  • Peter  Gyr
    Mir ist unerklärlich wie so ein Auto, auto des Jahres werden kann. Die rundum Sicht ist eine absolute Katastrophe. Dann sieht er noch potthässlich aus. Und zu guter Letzt ist das Ding viel zu teuer. Ein absoluter Fehlschlag dieses Auto. Noch was kommt dazu, wenn ich ein solches Auto besitzen würden, dann bräuchte ich sicher einen Zweitwagen. Ansonsten kann ich mir nicht erklären wozu dieses Auto nötig wäre. Für Stadt ja, für Ferien und kleinere Transporte nein. Und dann noch diese hohe Ladekante, nein danke.
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