Nach 3000 von 10 000 Dauertestkilometern im Ampera fragen wir uns: Wieso reden alle von «Krise bei Opel» – statt mal über die Pionierleistungen dieses Hightechstromers?
Im Elektroauto zur Vollgasorgie? Klingt unsinnig, aber gehört beim Langzeittest dazu. Also reisen wir im Opel Ampera nach Deutschland auf die Autobahn. Dichter Verkehr, Tempo 140 mit Akkustrom. Die Ladung reicht daheim im Schnitt 64, bei ruhiger Fahrt 80 km. Nun, auf der deutschen Autobahn, immerhin für knapp 50 km. Wichtiger als Zahlen ist das Gefühl: Leise zeigt der Opel bei Zwischenspurts der ausklingenden Spritepoche die Rücklichter. Mit 150 PS? Ja, denn die legen elastisch mit gefühlt doppelter Kraft los.
Dann ist die Piste leer. Der Akku auch. Egal, denn nun schaltet der Stromerzeuger zu: Der 1,4-Liter-Benziner versorgt in erster Linie den E-Motor mit Saft, gibt nur bei Bedarf einen Hauch Kraft direkt ab und sorgt ganz locker für 500 km Reisereichweite. Vollgas! Flott erreicht der Opel maximal Tacho 169. Mit viel Lärm? Nicht mal: Zwar dreht er nun hoch, aber wird nicht lauter als alle Benziner. Im Stromerzeugermodus messen wir am Ende 7,6 l/100 km (Schnitt in der Schweiz 6,1 l/100 km): Autobahnprüfung bestanden!
Zurück in der Schweiz an die Steckdose, um anderntags akkuelektrisch emissionsfrei ins Büro zu summen. Laden dauert an der 16-Ampere-Steckdose dreieinhalb Stunden; Strom für 100 km kostet je nach Tarif nur ab eineinhalb (!) Franken. Sehr pfiffig: Der Generator kann manuell angewählt werden, um den Akku erst später zu nutzen. Und selbst vermeintlich leer reicht der Akku, um vollelektrisch durch die City zu summen.
Also gar keine Nachteile? Na ja, ein Platzwunder ist er nicht, aber geräumig genug für vier. Der Kurvenspass ist mässig, der Komfort aber prima. Und an das folgenlose, aber nervige Kratzen der Spoilergummilippe auf jeder Temposchwelle gewöhnt man sich.
Zwischenfazit: Der Ampera trägt (wie der Zwilling Chevrolet Volt) zu Recht die Titel «Schweizer Auto des Jahres» und «Auto des Jahres». Bisher pannenfrei, nimmt er die Zukunft vorweg: Ohne Reichweitenangst macht Stromern Sinn – und richtig Spass.
Antrieb: Elektromotor, 150 PS, 370 Nm ab 1/min. Stromerzeuger R4, 1.4 l, 86 PS. Akku Lithium-Ionen, 16 kWh. Frontantrieb, 1-Stufen-Automat.
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 9 s, Spitze 160 km/h.
Masse: Länge 4,50 m, Breite 1,79 m, Höhe 1,44 m. Gewicht 1732 kg. Kofferraum 309-999 Liter.
Umwelt: Testwert Akkubetrieb 20 kWh/100 km, Stromerzeugerbetrieb 6,1 l/100 km = 0 bzw. 142 g/km CO2. Werkswert 13 kWh+1,2 l/100 km = 27 g/km CO. Energieeffizienz A.
Preise: ab 50 900 Franken. Testwagen mit Optionen 57 450 Franken.
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