Jaguar XE 2.0 R-Sport Für den Pechvogel-Preis nominiert

Dass unser Jaguar XE während des vergangenen Testjahres öfters als uns lieb war bei den Experten von Jaguar-Importeur Emil Frey in Safenwil stand, lag nicht bloss am Auto, sondern auch an uns Fahrern und unserem Umfeld.

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«Grmpf» – ich hätte ins Lenkrad beissen können! Der Familienausflug am Sonntagmittag mit Oma endet mit einem Plattfuss auf dem Parkplatz. Obwohl ich meine Partnerin vor dem Parkmanöver als «Einweiserin» aussteigen lasse, schaffe ich es, mit dem rechten Vorderrad derart unglücklich gegen einen fies vorstehenden Randstein zu rangieren, dass die Pneuflanke aufschlitzt und augenblicklich sämtliche Luft entweicht.

Nach einem Blick in den Kofferraum steigert sich mein Ärger zusätzlich: Denn für unseren Jaguar XE gibts kein Ersatzrad, sondern lediglich ein sogenanntes «Tyre-Kit». Dieses hilft bei einer aufgeschlitzten Reifenflanke aber nicht.

Der Kofferraum des XE bietet zwar viel Platz, hat aber kein Ersatzrad. play
Der Kofferraum des XE bietet zwar viel Platz, hat aber kein Ersatzrad. Timothy Pfannkuchen

Gut, gibts daher die Jaguar Assistance. Nur eine halbe Stunde nach meinem Anruf steht bereits der Abschleppwagen da, lädt den Patienten auf und transportiert ihn in die nächstgelegene Jaguar-Vertretung. Selbst ein Ersatzfahrzeug wird mir angeboten. Ich verzichte aber, und fahre «zur Strafe» mit der Bahn nach Hause.

Seltsame Stimme, starker Motor

Das war bei Kilometerstand 16'252 der letzte Werkstattbesuch unseres XE im einjährigen Langzeittest. Und zum Glück auch das Ende einer leider ziemlich langen Pleiten-, Pech- und Pannenserie in unserer «Beziehung». Es begann schon nach 619 Testkilometern – «Felge hinten rechts angeschrammt, scheisse», notiert ein Redaktionskollege ins Testtagebuch.

Ein Jahr mit dem Jaguar XE: Zahlreiche Einträge im Notizbuch der SonntagsBlick-Autoredaktion. play
Ein Jahr mit dem Jaguar XE: Zahlreiche Einträge im Notizbuch der SonntagsBlick-Autoredaktion. Patrick Bizzarri

Bei der ersten längeren Fahrt wundern wir uns über die teils sehr sonderbare Betonung der Orts- und Strassennamen der Navistimme und bedauern auf der Autobahn den fehlenden Abstandstempomaten. Dafür freuen wir uns über den äusserst drehmomentstarken, spontan ansprechenden und vor allem äusserst genügsamen Zweiliter-Dieselmotor.

Nach 4690 Kilometern entdecken wir hinten links am Kotflügel einen hässlichen Kratzer (den leider niemand erklären kann) – und wenig später schrammt uns ein Hotelpage beim Parken des Autos die Felge vorne rechts.

Marder-Liebe und Software-Updates

Unser eleganter, blauer Jaguar scheint nicht nur viele bewundernde Blicke für seine hübsche Optik, sondern auch das Pech anzuziehen. Und nicht genug: Kurz vor Kilometerstand 10'000 verliebt sich auch noch ein Marder in unseren Jaguar. Er knabbert ausgerechnet jenen Schlauch durch, der die Aufhängung zum Motor steuert. Mit der Folge, dass die Elektronik die Motoraufhängung permanent auf «hart» programmiert und es dadurch zu störenden und gut hörbaren Vibrationen kommt.

Dank seinem sportlichen Fahrwerk liebt der Jaguar auch die Kurvenhatz. play
Dank seinem sportlichen Fahrwerk liebt der Jaguar auch die Kurvenhatz. Timothy Pfannkuchen

Der Schlauch war in der Werkstatt zwar schnell ersetzt, doch nur 2000 Kilometer später muss unser XE wieder zu den Jaguar-Spezialisten nach Safenwil transportiert werden. Grund: Unser Jaguar will in der Tiefgarage einfach nicht mehr starten. Ausser einem Klackgeräusch passiert gar nichts mehr. Nicht etwa ein Marder-Folgeschaden oder eine leere Batterie (sondern ein Softwarefehler) war die Ursache für diese Panne. Und ein entsprechendes Software-Update direkt vom Werk sorgte schliesslich dafür, dass unser Jaguar in der Folge wieder zuverlässig startete.

Rau, aber sparsam

Obwohl es in nur einem Jahr und 20'000 gefahrenen Kilometern in der Summe vielleicht etwas gar viele Vorfälle waren, konnten sie uns den Spass an unserem Jaguar-Dauertestfahrzeug nicht vergällen. Jedenfalls freuten wir uns immer wieder über die elegante Optik des Fünfsitzers, sein nobel anmutendes Interieur mit den bequemen Sitzen, die unauffällig schaltende Achtgang-Automatik und das angenehm sportliche R-Fahrwerk.

Die Verarbeitung im Cockpit ist hochwertig, die verarbeiteten Materialien edel. play
Die Verarbeitung im Cockpit ist hochwertig, die verarbeiteten Materialien edel. Timothy Pfannkuchen

Dass der Zweiliterdiesel für empfindsame Gemüter etwas gar rau läuft, kompensiert er locker mit viel Spontanität, Drehmoment und vor allem Sparsamkeit. Woran wir uns aber bis zum Schluss störten (weils einfach nicht zum feinen Jaguar-Image passt) ist der ziemlich dilettantisch und billig wirkende Umklappmechanismus der Rücksitze im Kofferraum. Das sollte zur nächsten Modellpflege unbedingt geändert werden.

6,1 l/100 km: Der XE erwies sich im 1-Jahres-Test als äusserst genügsam. play
6,1 l/100 km: Der XE erwies sich im 1-Jahres-Test als äusserst genügsam. Timothy Pfannkuchen
Fazit

Sonst aber hat uns der XE als preiswerter Einstieg in die Jaguarwelt und willkommene Alternative zur deutschen Premiumkonkurrenz BMW 4er Gran Coupé oder Mercedes C-Klasse gut gefallen. Und auch wenn uns die letzten zwölf Monate das Pech etwas an den Reifen klebte, geben wir den Jaguar XE 2.0 R-Sport nur ungern wieder zurück.

Publiziert am 14.08.2016 | Aktualisiert am 13.08.2016
Technische Daten

Jaguar XE 2.0 R-Sport

Antrieb: 2,0-l-R4-Turbodiesel, 180 PS, 430 Nm ab 1750/min, 8-Gang-Automatik, Heckantrieb
Fahrleistungen: 0-100 km/h 7,8 s, Spitze 228 km/h
Masse: Länge/Breite/Höhe 4,67/1,85/1,42 m, Gewicht 1565 kg, Laderaum 455 l
Umwelt: Werks-/Testverbrauch: 4,2/6,1 l/100 km = 111/161 g/km CO2, Energieeffizienz A
Preise/Restwert: Bei Testbeginn (August 2015): Ab 47'300 Franken (Testwagen inkl. Optionen 60'300 Fr.); Listenpreis aktuell: Ab 44'900 Franken; Restwert Händler-Eintausch*: 37'984 Franken, Restwert Händler-Verkauf*: 44'819 Franken (inkl. Optionen)

* nach 1 Jahr und 20'000 km: Quelle: www.eurotaxglass.ch

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5 Kommentare
  • Nowak  Michel aus Echallens
    14.08.2016
    Ja gut - man soll doch verstehen dass dieses Auto von A bis Z ganz neu entwickelt ist. Hatte kein Vorgänger. Immerhin, die "ziemlich dilettantisch und billig wirkende Umklappmechanismus der Rücksitze im Kofferraum" lässt zu denken wenn man mit Mercedes, Audi oder BMW mithalten will.
  • Roger  Stahel 14.08.2016
    Ein bisschen viel wenn man bedenkt was man für dieses Auto zahlt!Zudem sieht man heute das zu viel Elektronik verbaut ist,wegen Softwareprobleme nicht starten können so etwas kennen die alten Autos nicht,ein Überbrückungskabel und weiter geht es!
  • Eron  Thiersen 14.08.2016
    20000 km und zahlreiche Werkstattaufenthalten sind schlicht ein No-Go und die Empfehlung ist einfach unterirdisch!
    Ein Fahrzug aus dem 21 Jahrhundert muss 200000 km ohne wenn und aber überstehen mit den heutigen Fertigungsmethoden und den aus den Universitäten entsprungenen Qualitätsmanagement! Ansonsten ist es gewollt, dass man die Garage häufier aufsucht als nötig oder es ist Pfusch!
  • Gabor  Posch 14.08.2016
    Ein bisschen Trost dem Fahrer: Exakt so ein fieser Randstein hat auch bei mir voriges Jahre für ein bemerkenswert gleichmässiges, lautes Pffffffffffffffffff am Vorderreifen gesorgt. Und ich hätte mich ebenso dafür ohrfeigen können. Aber lieber Blick: Ein C-Klasse-Mercedes ist doch schon innen weit vorne im Vergleich zu diesem klobigen Interieur und aussen direkt spannende gegen diesen, zugegebenermassen schönen, BMW-Verschnitt. Zudem hört man über den vergleichbaren Merc-Motor nur das Beste.
    • Marcel  Stierli aus Mérida, México
      14.08.2016
      So sind Geschmäcker eben verschieden. Finde ich die C Klasse von vorne/seitlich vorne top, so sieht sie von der Seite wie ein gestrandeter Pottwal aus. Das Heck hingegen hat Opel schon vor einige Jahren so hingepfriemelt. Innen waren Mercedes auch schon edler. Spontan fällt mir das Tablet ein, das so billig auf den 3 Lüftungsdüsen tront. Aber Geschmäcker sind verschieden.