1-Jahres-Dauertest: Abschluss Fertig Disco

Nach dem einjährigen Dauertest-Marathon verabschieden wir den Ford Focus aus dem SonntagsBlick-Fuhrpark – ein Abschied, der nicht leicht fällt.

  • Publiziert: 03.06.2012, Aktualisiert: 04.06.2012
  • Von Jürg A. Stettler
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Nach klag- und problemlos absolvierten 25 000 Kilometern entlassen wir den Ford Focus nach einem Jahr wieder aus dem SonntagsBlick-Testfuhrpark. Der Familienkombi zeigte eine äusserst zuverlässige Leistung und war vor allem wegen seines spritzigen 1,6-Liter-Direkteinspritzers mit variabler Ventilsteuerung und Turbolader bei der Redaktion sehr beliebt. Das 182-PS-Aggregat passt hervorragend zum Kombi und überzeugte dank gutem Ansprechverhalten und 240 Nm mit viel Dynamik. Diese Sportlichkeit im Zusammenspiel mit dem knackigen 6-Gang-Getriebe und dem tadelosen Fahrwerk des Fronttrieblers verleitete gerne zu etwas flotterer Fahrweise. Daher verfehlten wir den offiziellen Werksverbrauch von 6,0 l/100 km wohl auch klar. Mit 7,6 l/100 km hielt sich der Durst aber im erträglichen Rahmen. So dass eines der cleversten Details des Kombis fast zu selten genutzt wurde: das EasyFuel-System. Der Focus kommt nämlich ohne Tankdeckel aus und verfügt erst noch über einen Fehlbetankungsschutz, weil der falsche Einfüllstutzen gar nicht in die Tanköffnung passt. So kann selbst der dusseligste Fahrer oder Tankwart dem Ford nicht aus versehen Diesel statt Benzin verabreichen.

Nach einem Jahr haben wir uns auch an die Fülle der elektronischen Helfer des Focus gewöhnt – vom Spurassistenten über Verkehrschilder-Erkennung bis hin zu Müdigkeitswarner oder aktivem Parkassistenten. Der Autojournalisten-Stolz verhinderte zwar die allzu häufige Benutzung des letzteren, schliesslich wollte man doch nur zu gern selbst beweisen, wie gut man den Wagen in eine Parklücke zirkeln kann. Dabei musste man beim Parkassistenten nur Gas geben und Bremsen und die Technik dirigierte den 4,56 Meter langen Kombi selbst zentimetergenau in die passende Parklücke (Mindestlänge ca. 5,50 Meter). Einzig auf den übernervösen Totwinkel-Assistent, der immer wieder mittels orangem Aufleuchten im Seitenspiegel vor Leitplanken statt anderen Verkehrsteilnehmern warnte, könnten wir verzichten.

Vermissen werden wir dagegen so witzige Details wie die Ambiente-Beleuchtung in sieben unterschiedlichen Farbtönen. Je nach Lust und Laune konnte man so den Discobesuch noch verlängern und den Innenraum in einen zur Musik passenden Farbton tauchen – vom dezenten Blau bis zum knalligen Rot. Apropos knallig: Dank seiner speziellen Metallic-Lackierung „Candy Red“ stach der Familienwagen sofort aus der Masse heraus und war wie ein kurzer Minirock in der Disco auf jedem Parkplatz ein echter Hingucker. Unter diesem schicken Blechkleid bot der Focus trotz neun Zentimeter mehr Länge zwar leicht weniger Stauraum als sein Vorgänger, aber die 490 bis 1516 Liter waren für einen kompakten Familienkombi mehr als genügend. Ob eine Ferienreise nach Polen oder ein Fotoeinsatz mit vielen Gerätschaften und langen Stativen, alles liess sich problemlos verstauen.

Kein Problem stellten für den Kombi auch Kälte und Schnee dar: Zum einen glänzte der Focus selbst auf rutschiger Fahrbahn mit guter Traktion und zum anderen musste man dank heizbarer Frontscheibe und Scheibenwaschdüsen beim Ford morgens nach einer Nacht im Freien nie mühsam die Scheiben frei kratzen. Somit bleibt nach 25 000 Kilometern als einziger Makel nur das blecherne, irritierende «Kläng» aus der Dachregion in Erinnerung. Das wir uns noch immer nicht erklären können und allenfalls auf eine Karosserie-Verspannung zurück zu führen ist. Aber dieses «Kläng» verzeihen wir dem sportlichen Familienkombi gerne.

Ford Focus Station Wagon «Titanium» 1.6i EcoBoost

Antrieb: 4-Zylinder, 1596 ccm, 182 PS bei 5700/min, Drehmoment 240 Nm bei 1600/min, Frontantrieb, 6-Gang-Getriebe.

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 8,1 s, Spitze 222 km/h.

Masse: Länge 4,56 m, Breite 1,82 m, Höhe 1,51 m. Gewicht 1357 kg. Laderaum 490-1516 Liter.

Umwelt: Test-/Werksverbrauch 7,6/6,0 l/100 km, CO2 177/139 g/km. Energieeffizienz C.

Serienaussstattung: 6 Airbags, ABS, elektronische Bremskraftverteilung, Notbremseassistent, elektronisches Stabilitätsprogramm, Traktionskontrolle, Tagfahrlicht, elektrische Servolenkung, Ford EasyFuel, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat inkl. Geschwindigkeitsbegrenzer, Lederlenkrad mit Fernbedienung, Berganfahrhilfe, u. a.

Optionen: Parkdistanzsensoren vorne und hinten, aktive Einparkhilfe, Ford KeyFree System, Activ City Stop, heizbare Frontscheibe, beheizbare Scheibenwaschdüsen, BLIS-Warnsystem für toten Winkel, Fernlicht-Assistent, Frontkamera, Verkehrsschilderkennung, Müdigkeitswarner, Fahrspur-Assistent, Spurhalteassistent, u. a.

Preis: ab 37 075 Franken. Testwagen mit Optionen 44 325 Franken

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