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Der wahre Irrsinn ist diese Fussnote im Datenblatt. «Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h *» steht da, und darunter ein «* elektronisch begrenzt». Wie bitte? Nein, kein Witz: Wo anderen längst die Puste ausgeht, muss sich der SLS freiwillig bremsen – der Pneus wegen.
Die Motorhaube ist eben nicht umsonst so lang wie ein Kleinwagen: Der AMG-V8 hat 571 PS! Und auf dass der SLS eine Ikone werde, zitieren Form, viele Details und die Flügeltüren den legendären Urahn 300 SL von 1954.
Die spektakulären Flügeltüren sind aber praxisgerecht, selbst in schmalen Parklücken steigt man leicht ein. Nur platzt kleinen Insassen beim Hochrecken zum Griff die Jackettnaht. Tipp: Griff schon beim Einsteigen packen.
Überhaupt ist der SLS ein sehr deutscher Supersportler: Perfekte Sitze, leichte Bedienung, höchstens etwas überstylte Instrumente; und genug Federungskomfort, um zum Brötchenholen zu fahren. Zickenfrei also.
Und faszinationsfrei? Von wegen! Der SLS AMG taucht seine Umgebung in die Lärmschleppe eines Tieffliegers und hämmert, röhrt und rülpst so durchdringend und böse, wie wir es kaum je zuvor gehört haben.
Und bei Vollgas verstummt jeder Beifahrer: Wie ein Katapult schiesst der SLS los, als krallten sich die Pneus in Klettband. Nahtlos wie eine Mondrakete schiebt er danach weiter und weiter, pausen- und gnadenlos.
Irre! Wer sich auf deutsche Autobahnen wagt, erlebt, wie diese Urgewalt bis Tempo 300 kaum nachlässt. Dazu gibt es wahnwitzige Kurventempi jenseits der Vernunft, aber dank der Elektronik diesseits der Sicherheitsgrenze: Selbst auf Nässe zuckt nur mal frech das Heck.
Kleinkarierte Kritik perlt bei 280000 Franken am SLS ab wie optisch der 5827 Franken teure «Designo»-Lack: Der Kofferraum ist knapp, die Übersicht ist lausig und der Durst deftig (Testschnitt 16,0 l/100 km). Aber egal. Perfekte Träume sind nie perfekt.