Ein Jahr lang stand der Range Rover Evoque im Dienst de Blick-Autoredaktion. Der Abschied vom stylischen «Rohdiamant» fällt nicht leicht.
Über ein Jahr nach der Lancierung sorgt unser Range Rover Evoque immer noch für Aufsehen – erstaunlich, denn meist flaut das Interesse an einem neuen Wagen schon nach wenigen Monaten deutlich ab. Tatsächlich scheint der kompakten SUV den Puls der Zeit zu treffen. Normalerweise werden Offroader im Stadtverkehr auch mal angefeindet, nicht so der Baby-Range. Trotz recht martialischer Optik erntet er oft bewundernde Blicke. Spektakulär die mächtigen Scheinwerfer mit LED-Tagfahrleuchten, die abfallende Dachlinie, welche dem kompakten SUV selbst als Fünftürer eine coupéhafte Anmutung verleiht. Speziell auch so kleine Details wie die Lampen im Rückspiegel, die nicht nur den Einstiegsbereich erhellen, sondern gleich noch ein Abbild der Karosserieform auf den Boden zeichnen. Features, die zeigen wie konsequent de 4,37 m lange Offroader Richtung Lifestyle getrimmt wurde. Das aufregende Design hat auch Nachteile: Die Kopffreiheit ist nicht nur hinten gering, die Rundumsicht ist etwas eingeschränkt und mit 575 Litern ist der Kofferraum für ein Fahrzeug dieser Klasse etwas gar klein geraten.
Daran haben wir uns genauso gewöhnt, wie an die stattliche Breite (1,90 m). Nur noch mit Schmunzeln erinnern wir uns zum Beispiel an die vorsichtige Fahrt durch die engen Natursteintunnels zwischen Weesen und Betlis am Walensee. Wird es noch enger, helfen Parksensoren, Rückfahrkamera und das optionale Surround-Kamera-System, das eine 360°-Rundumsicht aufs Display ins Cockpit zaubert, unnötige Kratzern zu vermeiden.
Dank diverser Leichtbau-Massnahmen bringt der Evoque trotz aufwendiger Allradtechnik nur knapp 1,7 Tonnen auf die Waage. Das macht ihn handlich und überraschend agil. Das animierte uns zu einer eher sportlichen Fahrweise, was sich in Kombination mit den 1,7 Tonnen Gewicht natürlich auf unseren Testverbrauch wirkte: Mit 8,5 l/100 km liegt er klar über den Normangaben. Schade zudem, dass nur die Dieselversionen mit manuellem Getriebe über ein Stopp-Start-System verfügen und unser Evoque mit 6-Stufen-Automatik so auf mögliche acht Prozent Spriteinsparungen verzichten muss.
Auf deutschen Autobahnen fühlt sich der Brite dafür genauso wohl wie auf den steilen Strässchen rund um den Lago Trasimeno (I) oder dem unbefestigten Weg im Tessiner Val Colla hinauf zur Alp Musgatina. In guter Erinnerung bleiben uns die ausgezeichnete Fahrstabilität und der Komfort, die gute Laufkultur seines 190-PS-Turbodiesels und das wuchtige Drehmoment von 420 Nm. Trotz Lifestyle-Optik verlangt der Baby-Range bei der Geländetauglichkeit keine Kompromisse. Per simplem Knopfdruck kann der Fahrer zwischen den unterschiedlichen Offroad-4x4-Programmen für Schlamm, Sand oder Gras/Schotter/Schnee wählen. Dann kämpft sich der Brite durch Geländepassagen, in das sich wahrscheinlich 95 Prozent der Besitzer gar nie wagen würden - beeindruckend!
Antrieb: R4-Turbodiesel, 2179 ccm, 190 PS, 420 Nm bei 1750/min, Allradantrieb inkl. Terrain-Response-System, 6-Gang-Automatik.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 8,5 s, Spitze 195 km/h.
Masse: Länge/Breite/Höhe 4,37/1,90/1,64 m, Gewicht 1685 kg, Laderaum 575-1445 Liter.
Umwelt: Werk/Test 6,5/8,5 l/100km, CO2 174/224 g/km Energieeffizienz B.
Preise/Restwert: ab 60 900 Franken. Testwagen mit Optionen 76 500 Franken. (Basis: Pure TD4, 150 PS, ab 46 900 Franken).
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