1-Jahr- und 25'000-km-Dauertest: Honda Civic Tourer Vom Sparfuchs zum Schmutzfink

Der Honda Civic Tourer glänzte beim einjährigen SonntagsBlick-Dauertest durch seinen tiefen Verbrauch, bewies Grösse mit seinem enormen Stauraum – wurde aber durch seine aerodynamische Form oft auch arg verschmutzt.

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Besonders öko- und budgetbewusste Redaktionsmitglieder werden dem Honda Civic Tourer nachtrauern. Selten zuvor hatten wir einen derart sparsamen Dauertester. Während den 25'000 Testkilometern im Dienste der Autoredaktion verbrauchte unser Honda im Schnitt nur 5,4 Liter – ein ausgezeichneter Wert für den geräumigen Kombi mit seinem 1,6-Liter-Diesel. Noch erstaunlicher waren die Werte aber, als wir die Tempofahrten auf deutschen Autobahnen separat analysierten: Trotz zahlreichen Vollgasfahrten (mit bis zu 195 km/h Spitze) schluckte der 120-PS-Vierzylinder-Turbodiesel auch dort im Schnitt nur 6,1 Liter!

Viel zu diesem beeindruckenden Verbrauchswert trug neben der gelungenen Kombination von Motor und ideal abgestimmter 6-Gang-Schaltung auch die ausgezeichnete Aerodynamik des Kombis bei. Die Honda-Techniker schafften es, den bereits ausgezeichneten cW-Wert der Limousine von 0.27 beim Kombi dank Heckspoiler und Seitenschwellern sowie zusätzlichen Luftabrisskanten weiter zu reduzieren. Als nachteilig erwies sich im Alltag die gute Aerodynamik dagegen punkto Karosserie-Verschmutzung: Vor allem in der Übergangszeit und im Winter wurde unser Sparfuchs zum Schmutzfink – die Karosserie schien den Schmutz der Strasse wie magnetisch anzuziehen. Dagegen halfen nur regelmässige Besuche in der Waschstrasse.

Obwohl unser Kombi mit seinen Massen (4,54 m lang, 1,77 m breit) sehr kompakt ist und sich daher im Alltag erfreulich handlich anfühlte, bietet er dank dem zentral unter den Vordersitzen platzierten Tank viel Raum. So fasst der Kofferraum 624 bis stattliche 1668 Liter und gefällt erst noch mit praktisch tiefer Ladekante. Damit erwies sich der Honda oft als ideales Transportfahrzeug, das zudem mit hoher Variabilität glänzte. So gefielen uns die wie im Kino nach oben klappbaren Sitzflächen der im Verhältnis 60:40 umklappbaren Rückbank. Sie ermöglichten den Transport von Pflanzen samt Topf stehend hinter dem Fahrersitz.

Etwas weniger clever empfanden wir dagegen das Layout des Cockpits mit den vielen unterschiedlichen Ebenen und den nicht besonders logisch angeordneten Schaltern – insbesondere der im Fussraum versteckten Tankdeckelentriegelung. Daran konnten wir uns bis zum Schluss des Dauertests nicht gewöhnen. Witzig fanden wir dagegen die farblichen Hinweise für ökonomische Fahrweise, wenn etwa der digitale Tacho plötzlich statt blau grün wurde und ihm grüne Blätter wuchsen. Dieser kleine, aber dezente Hinweis beflügelte uns offenbar tatsächlich öfters zu sparsamem Fahren!

Etwas zwiespältig waren unsere Erfahrungen mit dem Navisystem. Einige Kollegen lobten zwar die präzise Zielführung, andere dagegen schimpften über mangelhaftes/altes Kartenmaterial, weil nicht mal ein Hotel am Münchner Flughafen unter den POI zu finden war. Auch das ständige Bestätigen des Warnhinweises nach jedem Motorenstart nervte. Selbst wenn man sich vom Navi nicht leiten lassen wollte, war ein «ok» nötig, um den Touchscreen wieder frei für andere Funktionen zu kriegen. Mittlerweile hat man aber auch bei Honda realisert, dass das optionale und doch 2700 Franken teure System nicht das Gelbe vom Ei war. Und so kann man seit diesem Jahr den Civic Tourer mit dem neuen Infotainmentsystem «Honda Connect» mit 7-Zoll-Touchscreen, MirrorLink-Einbindung sowie der Möglichkeit für Internetradio, bestellen.

Überrascht hat uns, wie hoch der Wertverlust nach einem Jahr und 25'000 Kilometern ist. Die Eurokrise im Januar und die damit verbundenen Neuwagenprämien wirken sich insbesondere auf den Restwert von ganz jungen Occasionen negativ aus. So verlor unser Honda fast 50 Prozent seines ursprünglichen Werts (siehe Steckbrief). Happig und attraktiv zugleich – denn so preiswert kommt man sonst kaum mehr zu einem praktischen Familienkombi.

Publiziert am 25.04.2015 | Aktualisiert am 27.04.2015

Steckbrief: Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC «Executive»

Antrieb 4-Zylinder-Turbodiesel, 1597 ccm, 120 PS, 300 Nm ab 2000/min, Vorderradantrieb, manuelles 6-Gang-Getriebe
Fahrleistungen 0-100 km/h 10,5 s, Spitze 195 km/h
Masse Länge/Breite/Höhe 4,54/1,77/1,48 m, Gewicht 1505 kg, Kofferraum 624-1668 Liter
Umwelt Werks-/Testverbrauch 3,9/5,4 l/100 km, CO2 103/143 g/km, Energieeffizienz A
Optionen Metallic-Lackierung sowie HDD-Navigations- und Entertainment-System mit 40 GB und 7-Zoll-Breitbild-Touchpanel
Preise/Restwert: Ab 36'700 Franken. Testwagen mit Optionen (bei Testbeginn) 40'100 Franken (Basis: 1.6 i-DTEC «S», ab 24'100 Franken). Restwert Händler-Eintausch*: ca. 17'700 Franken, Restwert Händler-Verkauf*: ca. 21'500 Franken.

* Nach 1 Jahr und 25'000 km. Quelle: www.eurotaxglass.ch

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3 Kommentare
  • Felix  Egolf aus CHAM
    26.04.2015
    Da waren wohl kaum oekobewusste, mitarbeitende Fahrer am Werk wenn am Schluss ein Verbrauch von 38 Prozent ueber Norm resultiert. Gute Aerodynamik zieht den Schmutz definitiv nicht an, im Gegenteil, Schmutzwasser perlt, je nach Lackierungstechnik und Oberflaechenversiegelung, gar besser ab. Ob der errechnete, enorme Wertverlust tatsaechlich eintritt, muss sich erst noch zeigen
    • Hans-Ulrich  Höhener aus Rheineck
      26.04.2015
      nein die Werksangaben sind wie bei allen Fahrzeugen Gaga ,aber die 5.4 Liter verbrauch sind Real
    • Kevin  Wyss aus Gwatt
      26.04.2015
      Die Werksangabe ist sicher meistens Gaga, jedoch denke ich kann man dieses Auto deutlich unter 5 Litern bewegen, nur sind viele Autofahrer nicht imstande Vorausschauend und Konstant zu fahren!
      Auf relativ leerer Autobahn sollte es doch für alle möglich sein Konstant 120 oder meinetwegen 110 oder 100 zu fahren, viele schaffen die leider nicht, ebenso mit 80 auf die Ortstafel zu fahren und dann voll Bremsen, anstatt ausrollen zu lassen, usw....