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«Die Schweiz ist eine Hochpreis- und Hochkosteninsel.»
Die drohende Verdoppelung der Autokosten schlägt den Schweizern auf den Magen. Viele regen sich aber auch über die generell hohen Autopreise in der Schweiz auf.
Morten Hannesbo: Die Schweiz ist eine Hochpreis- und Hochkosteninsel. Wir haben höhere Kostenbelastungen, die zu fünf bis sieben Prozent höheren Preisen im Vergleich zu Nachbarländern führt. Zum Beispiel wegen höherer Lagerkosten, höherer Kaufpreise für Zubehör, höherer Löhne … – das muss man berücksichtigen. Deshalb sind simple Preisvergleiche für mich billige Argumente.
Warum wurden die Preise beim Euro-Zerfall nicht sofort angepasst?
Eine sofortige Reduktion war unmöglich. Wir mussten abwarten, wie sich die Kurse längerfristig entwickeln. Wir Importeure erzeugen zudem keine Währungsgewinne, weil wir fast alle Autos und Teile in Schweizer Franken einkaufen. Die Hersteller bekommen die Franken und sichern ab: Das bedeutet, man reinvestiert sofort zur Absicherung gegen Währungsschwankungen und Risikominimierung. Wir haben keine sofortigen Währungsgewinne. Wer das behauptet, führt die Bürger in die Irre. Seit Anfang Jahr sind jetzt die Autos aber zwanzig Prozent günstiger geworden.
Die zwanzig Prozent gehen also direkt von Ihrer Rendite ab …
Zu 50 Prozent bei uns, die andere Hälfte trägt der Hersteller.
Wie viel Umsatz hat die Amag durch die Währungskrise verloren?
Die ganze Eurokrise kostet uns viel. Wir verlieren an Marktvolumen, weil Autos im Ausland gekauft werden. Wir verlieren, weil wir die Euro-Prämie einführten. Mit dem Umsatz verlieren wir auch die Gewinnmarge und obendrauf kommt das Problem mit den Occasionen und den «Grauimporten».
Sie ärgern sich über die Direktimporte?
Wir finden es nicht fair, dass Schweizer bei einem «Grauimporteur» im Inland oder einem Händler im Ausland ein Auto mit hohen CO2-Emissionen kaufen können. Nur, um das Fahrzeug drei Monate nicht zu immatrikulieren und es dann als «Occasionsfahrzeug» ohne Strafsteuer zu fahren – so wie die Verordnung das in der ersten Fassung vorsieht. Direkt- und Grauimporte sind Trittbrettfahrer, die weder Verpflichtungen haben, noch eine CO2-Strafsteuer zahlen müssen. Wir offizielle Importeure müssen aber die CO2-Abgaben direkt abliefern. Eine Ungerechtigkeit.
Aber die Tatsache, dass das Preisthema immer wieder hochkocht?
Der Konsument wurde nicht vollumfänglich informiert. Das verlange ich aber von unseren Politikern. Sie müssen dem Konsumenten klarmachen, warum man nicht langfristig mit Schweizer Kosten und Löhnen Preise wie in den EU-Staaten erzielen kann.
Zum Thema «doppelte Autokosten»: Was stört Sie am Vorgehen des Bundes?
Die scheibchenweise Einführung von Steuern und Abgaben. Man weiss heute noch immer nicht genau, wie beispielsweise die CO2-Bussen berechnet werden. Und die meisten Neuwagen-Kunden wissen heute nicht, wie viele Steuern sie in zwei oder drei Jahren zahlen müssen. Die Hauptlast trägt am Schluss der Kunde. Und das ist eine Frechheit gegenüber dem Bürger.
Wie lautet denn Ihr Vorschlag?
Ein klarer Richtwert, angepasst auf denjenigen der EU und eine Schrottprämie für die Entsorgung alter Fahrzeuge. Ich finde, dass man nichts überstürzen sollte und 2012 als Übergangsjahr einführen müsste. So können alle seriös planen. Eine Einführung der CO2-Steuer 2013 wäre angebrachter. Aber am Ende entscheidet Bundesrätin Doris Leuthard.
Ihre Strategie für die Zukunft?
Wir werden nahe an den Zielwert kommen, ihn aber in so kurzer Zeit nicht erreichen können. Wenn wir jährlich im Schnitt drei Prozent CO2-Reduktion schaffen, kostet das die Amag rund 40 Millionen Franken – verteilt auf 70 000 Fahrzeuge. Wir versuchen, vieles mit einem auf die Zukunftsperspektiven angepassten Modellmix abzufedern. Indem wir z. B. viel mehr die Fahrzeuge bewerben und anbieten, welche die CO2-Richtwerte mehr oder weniger erfüllen. Schliesslich entscheidet aber der Kunde, welches Fahrzeug er kauft.