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Mercedes spannt mit den Chinesen von BYD zusammen und entwickelt gemeinsam ein Elektrofahrzeug. Der französische PSA-Konzern (Peugeot/Citroën) tauscht Wissen über Hybridkomponenten und E-Motoren mit BMW aus. Für die gemeinsame Entwicklung und Produktion eines E-Mobils gehen die Münchner aber ein Joint-Venture mit dem chinesischen Autoproduzenten Brilliance ein. Und um an Batterien für die künftigen Elektroautos zu kommen, arbeitet BMW wiederum mit dem südkoreanischen Konzern SB LiMotive zusammen. Alles neue Verbindungen, die so noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.
Aber wie im richtigen Leben verlaufen auch diese Verflechtungen nicht immer harmonisch. So wurde vor zwei Monaten ein Streit zwischen Europas grösstem Autobauer VW und dessen japanischem Partner Suzuki publik, bei dem sich beide Parteien gegenseitig Vertragsbruch vorwerfen. Die Japaner reklamieren, sie erhielten keinen Zugang zu den VW-Technologien. Und VW ärgert sich, dass Suzuki Dieselmotoren bei Konkurrent Fiat bestellt haben soll.
Ebenfalls für Schlagzeilen sorgt derzeit der Wettlauf um die Gunst des deutschen Technologieunternehmens SGL. BMW, bzw. deren Grossaktionärin Susanne Klatten, ist seit zwei Jahren mit gut 20 Prozent an Europas einzigem Karbon-Produzenten beteiligt. Vor neun Monaten stieg nun auch VW mit 9,9 Prozent bei der einstigen Hoechst-Tochter ein. Und brachte damit BMW-Chef Norbert Reithofer in Rage. Dieser glaubt nämlich keineswegs nur an ein Finanzengagement von VW, sondern vermutet eine Trotzreaktion der Wolfsburger auf den Technologie-Vorsprung der Münchner.
Für BMW ist die Partnerschaft mit SGL wichtig. Schliesslich geht es um nicht weniger als die Karosserie der Zukunft. Oder wie der BMW-Chef sagt, «um die zweite Erfindung des Automobils». Nachdem sich der extrem leichte, aber auch extrem teure Verbundstoff (siehe Box) in der Aviatik und der Formel 1 seit Jahren als äusserst belastbar erwiesen hat, will BMW sein Elektroauto i3 ab 2013 als erstes Fahrzeug mit reiner Karbon-Karosserie auf die Strasse bringen.
Nach Investitionen von über 1,2 Milliarden Franken sind die Münchner überzeugt, dem Elektroauto mit der leichten Karbon-Karosserie zum Durchbruch zu verhelfen. Dazu müssen sie aber unbedingt an der SGL Group – einem von weltweit nur sechs Karbon-Grossherstellern – dranbleiben. Unter diesem Aspekt erstaunt es nicht, dass BMW-Grossaktionärin Klatten nach dem VW-Einstieg ihren SGL-Anteil sofort auf 29 Prozent erhöhte. Fachleute vermuten zudem, dass BMW ein weiteres Aktienpaket von gut 20 Prozent übernehmen wird. So verfügten Klatten und BMW gemeinsam über mehr als die Hälfte – und VW könnte den Münchnern künftig beim Zugriff auf die Karbonfasern nicht mehr in die Suppe spucken.
Übrigens: Wenn zwei sich streiten, mischt sich der clevere Dritte gar nicht ein. So sichert sich Mercedes den Zugang zum teuren Faserstoff über eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Toray. Dieser produziert die Karbonfasern unter anderem auch für Boeing.