Dreizylinder für BMW und Mini Weniger will mehr

BMW wirft derzeit seine gesamte Ausrichtung um. Erst werden Reihensechszylinder von vier Brennkammern ersetzt, dann wankt bei kleinen Modellen der Hinterradantrieb und jetzt kommen auch noch Dreizylinder. Kann das gut gehen?

  • Aktualisiert: 20.09.2012
  • Von Stefan Grundhoff

BMW scheint derzeit von allen guten Geistern verlassen. Die jahrzehntelang mühsam aufgebaute Kernkompetenz aus seidigen Reihensechszylindern, Hinterradantrieb und Fahrspass als oberstes Ziel wird mehr und mehr aufgeweicht. So werden die Einstiegsbenziner der Palette ab 2014 bei BMW 1er und Mini nur noch drei Zylinder haben. «Die Motoren haben neben Direkteinspritzung und Turboaufladung zunächst 1,5 Liter Hubraum», so Dr. Bernardo Lopez aus der Motorenentwicklung, «die Dreizylinder haben in Ansprechverhalten und Charakteristik Ähnlichkeiten mit unseren Sechszylindern.» Klingt ein bisschen wie das Pfeifen im Walde, denn die Dreizylinder gelten in der Autobranche bisher als personifizierte Enthaltsamkeitserklärung und waren nur in den müdesten Kisten zu finden, die wenig innovativ vor sich hin ratterten. Ford brach das Siegel auf und bietet einen ein Liter grossen Dreizylinder seit einiger Zeit für den Focus an.

BMW zieht in zwei Jahren nach. In einem zweiten Schritt wäre bei Modellen unter 100 PS sogar denkbar, dass der Hubraum von 0,5 Liter je Brennkammer auf 0,4 Liter je Brennraum sinkt und der Hubraum sich auf wenig beeindruckende 1,2 Liter reduziert. Während einige der Konkurrenten ihre Vierzylinder mittlerweile mit einer Zylinderabschaltung kombinieren, setzt BMW auf drei Brennkammern und die Valvetronic für variablen Ventiltrieb.

Die neue Motorengeneration aus München feiert zum Jahresende 2013 in der nächsten Generation des Mini ihre Premiere. Die Modelle bis knapp 150 PS sollen von den Dreizylindern angetrieben werden. Die sportlicheren Modelle ab dem Mini Cooper S bleiben aus Imagegründen bei vier Zylindern. Auch der BMW Dreier bekam in letzter Sekunde vom BMW-Vorstand eine Dreizylinder-Absage. Da man zu grosse Imageschäden befürchtet, bleibt der betont sportlich positionierte BMW 3er durchweg bei vier und sechs Zylindern. Bleibt nur die Frage wie lange noch, denn auch bei BMW galten Turboaufladungen, weniger als sechs Zylinder und Frontantrieb viele Jahre allenfalls als bemitleidenswert. Doch die Zeiten haben sich geändert. Und um die immer strenger werdenden Grenzwerte zu schaffen, ist den dynamischen Bayern scheinbar nicht mehr viel heilig.

Der Auftakt der neuen Generation von Dreizylindern machen Benzintriebwerke, die mit 1,5 Litern Hubraum ein Spektrum von rund 120 bis 170 PS abdecken sollen. Die Dieseltriebwerke – eng mit den Benzinern verwandt – dürften mit einem ähnlichen Leistungsspektrum gegen Ende 2014 nachgereicht werden. Alle Dreizylinder können durchweg längs und quer in die Modelle eingebaut werden. Zudem sind sie für Front- und Allradantrieb sowie mit Handschaltungen und Automatikgetrieben zwischen sechs und acht Schaltstufen nahezu frei verwendbar. Viele Komponenten ziehen sich bald durch als Motorgenerationen mit drei, vier und sechs Zylindern. Rund 40 Prozent Gleichteile soll es hier geben.

Bei einer ersten Ausfahrt in einem umgebauten BMW 1er schlägt sich der sportlich nachgeschärfte Dreizylinder-Benziner achtbar, hängt gut am Gas. «Der Motor hat rund 130 Kilowatt und 270 Nm Drehmoment. Wir haben durch die Auspuffanlage einen betont sportlichen Charakter zeigen wollen», erklärt Dr. Bernardo Lopez, der um die Imageprobleme bei den BMW-Kunden zu wissen scheint. Der Dreizylinder wiegt rund zehn Kilogramm weniger als ein vergleichbarer Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum. Mit den über 180 PS ist der rote BMW 1er flott unterwegs und drehfreudig ist er auch. Der Klang charakterisiert ihn ohne Umschweife als Dreizylinder, doch die Motorvibrationen sind Dank entsprechender Lagerung und einer innenliegenden Ausgleichwelle gering. Ganz wie es beliebt, lässt sich der 1,5 Liter grosse Dreizylinder hochtourig mit bis zu 6.000 U/min oder betont niedertourig mit kaum mehr als 1.000 Touren bewegen. Die Abstimmung mit dem achtstufigen Automatikgetriebe ist auch in dem Prototypen bereits vorbildlich. «Wir erwarten beim Serienmodell eine Verbrauchsersparnis von 5 bis 15 Prozent», so Lopez.

Die neue Generation von Dreizylindern wird nach ihrem Start in der Mini-Modellreihe nicht nur in den neuen BMW 1er Van, sondern ab 2014 / 2015 auch in die gesamte 1er- und 2er-Palette Einzug halten. das umfasst auch die nächste Generation des BMW X1 sowie die neuen Hybrid- und Elektromodelle in den kleinen Baureihen. Die bayrische Welt dreht sich gerade mächtig.

autoscout24.ch

Beliebteste Kommentare

  • Gion  Stiffler , via Facebook
    Ich bekomme Brechreitz! So ein Schwachsinn Zerreißt mein Blau Weisses Herz!!!
  •   Kujtim.B , Bern
    BMW macht seinen Ruf kaputt. Schade

Alle Kommentare (16)

  • Leo  Erne
    Na ja, so lange die grössern BMWs 6- und 8-Zylinder bleiben. Ansonsten, tschüss BMW.
  • Markus  Zollinger , Dietlikon , via Facebook
    Das einzige, was man dazu noch sagen kann, ist folgendes: Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen!
  •   david
    Das wird der grösste Schwachsinn in der Firmengeschichte... Das BMW auch auf diese CO2-Lügen hereinfällt...
  • Michi  Beck
    BMW macht seinen Ruf nicht kaputt, er wird kaputt gemacht. Durch Umweltschützer und andere Gutmenschen die alles verachten was gross ist. Und durch die Menschen die der Meinung sind das 8 Liter Verbrauch für ein 150PS Wagen heutzutage viel zu viel wären. Wenn wir uns bei Autos also zu Tode sparen und kleine Motoren und möglichst wenig verbrauchen wollen ... dann auf diese Art. Ich fahre nach wie vor meinen SUV und freu mich drüber.
  • Stephan  Huber , Siggenthal
    Unglaublich das bald 40 Jahre nach dem ersten 3 Zyl. 4Takt Motor von Daihatsu es immer noch Möchtegern Motor Experten gibt die behaupten, dass der 3er was für Minderwertige Autos sei. Daihatsu hat 1976 bewiesen, dass dieser Motor jedem 4Zylinder überlegen ist. Verbrauch , Laufruhe und Die Leistungsentfaltung lassen jeden 4er alt aussehen.
    Übrigens bestätigte dies 1978 schon die deutsche Fachzeitschrift Auto Motor und Sport.
    • Thomas  Rindlisbacher , Zürich
      Sie können doch nicht sowas wie Daihatsu mit BMW vergleichen? Also bitte...
      • 21.09.2012
      • als Kommentar auf Stephan  Huber , Siggenthal
      • 47
      • 19
    • Ewald  Rindlisbacher , Grayland
      Da muss ich lachen, der alte Fiat 500 mit 2 Zylinder war ein viel besseres Auto als der Daihatsu. Ich bin ueberhaubt kein BMW Fan, habe auch keinen, aber einen 3 Zylinder zu bauen macht NULL Sinn. Und nein es stimmt nicht das der Daihatsu bessere Laufruhe hat als irgend ein 4 Zylinder.
      • 21.09.2012
      • als Kommentar auf Stephan  Huber , Siggenthal
      • 26
      • 11
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