Supersportler GT Fords Kellerkind

Fords neuer Supersportler GT startet erst Ende 2016, feierte als grosse Überraschung aber schon anfangs Jahr an der Detroit Motorshow Weltpremiere. SonntagsBlick erhielt exklusiven Einblick, wo der atemberaubende Sportbolide entstanden ist.

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Designer brauchen Licht, Mood-Boards zur Inspiration – offenbar nicht bei Ford! Denn im Ford-Hauptquartier in Detroit (USA) schlendern wir erst durch kahle, schmuddelige Gänge, die dringend einen frischen Anstrich vertragen könnten. Vorbei gehts an Postern mit Design-Ikonen sowie -Sünden früherer Jahre. Wenigstens die Bordeauxrot gestrichene Wand der Abteilung für Farbe und Innenausstattung sorgt für etwas Abwechslung im tristen Industriebau. Dann gehts eine kleine Treppe runter in den Keller Richtung Schaumstofflager und Toiletten. Hier unten soll die Geburtsstätte von Fords neuem Supersportler GT sein? Wir zweifeln. «Doch!», bestätigt Chefdesigner Moray Callum (57), «wir brauchten fürs streng geheime Projekt einen kleineren, abschliessbaren Raum – und den fanden wir hier.» Er ergänzt schmunzelnd: «Und weil wir der modernen Technik nicht trauten, tauschten wir als erstes die Digitalschlösser gegen ein herkömmliches Schloss mit Schlüssel aus.»

Innerhalb von nur 14 Monaten entstand dann Fords Kellerkind, auf das die Amerikaner stolz sein dürfen. «Wir haben im Anschluss an unsere normalen Projekte jeweils noch von 19 bis 23 Uhr am GT gearbeitet», verrät Callum. Da es nur zwei Schlüssel gab, traf man sich jeweils bei den Toiletten oder schickte sich Mails und SMS. Nur gerade 15 Personen waren in die erste Entwicklungsphase involviert und statt mit Tonmodellen arbeiteten die Designer anfangs mit Styropormodellen – das ging schneller. Und das Resultat des aufregenden Zweiplätzers mit spezieller Luftführung für optimale Aerodynamik überzeugt optisch. Für den Rest ist nun Ford Performance Chefingenieur Jamal Hameedi (46), verantwortlich: «Wir packen dem GT einen 3,5-Liter-V6-Ecoboost mit Twinturbo unter die Haube, der sicher über 600 PS leistet.» Genauere Daten zum Mittelmotor-Hecktriebler lässt er sich aber nicht entlocken. Der Motor wurde jedoch schon erfolgreich bei den 12-Stunden von Sebring 2014 und beim Ford-Sieg bei den 24-Stunden von Daytona 2015 getestet.

Hameedi erklärt: «Der GT40 war 1964 ein mechanischer Supersportler, der GT, der 2005 nur mit ABS versehen war, ein analoger und der neue GT nun ein digitaler. Dank elektronischer Helfer werden 99 von 100 Fahrern damit schneller sein.» Hameedi schwärmt: «Die Möglichkeiten sind durch Launch Control, Luftbremse, aktiver Aerodynamik oder elektronisch anpassbarem Fahrwerk und Dämpfer enorm.» Fords neuer GT rollt nicht nur auf mächtigen 20-Zoll-Walzen daher, sondern mehr als 25 Mikroprozessoren werden von über 50 Sensoren laufend mit neuen Daten – 100 GB pro Stunde – versorgt. Zehn Millionen Zeilen-Software – mehr als doppelt so viel wie beim F-35-Kampfjet – sollen den GT dereinst in neue Leistungssphären katapultieren. «Wir haben sehr viel Aufwand betrieben», gesteht Hameedi, «damit der Wagen schnell ist.» Um die Entwicklung voran zu treiben wurde beispielsweise auch auf verstellbare Sitze verzichtet. So verändert sich der Schwerpunkt des Wagens nicht, was die Entwicklung massiv erleichterte. Dafür sind Lenkrad und Pedale um je 20 Zentimeter verstellbar. Im Interieur wurde auf viele Tasten verzichtet. «Bei 300 km/h brauchen sie keine Tasten, da muss alles in Griffnähe sein», ergänzt Hameedi trocken. Daher wurde viel Zeit in die Entwicklung des Multifunktionslenkrads samt Drehschalter für vier Fahrmodi (Normal, Sport, Track und Nass) gesteckt. Aber auch nette Details wie US-Flagge neben der Seriennummer auf dem Handschuhfach oder Hightechmaterialien im Interieur, die an US-Raumanzüge erinnern, wurden nicht vergessen.

Ultraleichter Plastik, viel Karbon und Alu ermöglichten nicht nur den Designern enorme Gestaltungsfreiheiten, sondern halten auch das Gewicht des Supersportlers tief. Doch so viel Hightech dürfte auch seinen Preis haben. Ford verrät dazu nur: Man darf sich am Preis des Lamborghini Aventador – momentan 433'000 Franken – orientieren. Teuer, dafür aber auch rar. Denn der neue Ford GT wird pro Jahr nur 250 Mal gebaut. Und wie lange läuft die Produktion? Dazu gibts wie bei vielen anderen Details zum GT leider noch keine Antwort...

Publiziert am 24.05.2015 | Aktualisiert am 24.05.2015
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2 Kommentare
  • Kevin  Wyss aus Gwatt
    24.05.2015
    Schönes Auto, schade das nur ein zwangsbeatmeter V6 drin ist, und kein klassischer V8, in der Preis Klasse sollte der Verbrauch keine Rolle spielen.
  • Jean-Philippe  Ducrey 24.05.2015
    Schade eigentlich, dass eine Firma, die solche Autos bauen kann, ansonsten nur recht langweilige Alltagskisten anbietet. Auch ein Mustang hat sich irgendwie ausgeleiert, während GM schon wieder einen neuen Camaro vorstellt, inkl. einer Shooting Brake Version. Der neue Lincoln Continental ist zwar hübsch, könnte aber auch ein KIA sein, zu wenig eigenständig. Mit etwas Wehmut erinnert man sich an die Thunderbirds, Town Cars und Cougars aus dem Ford Konzern.