Der Rolls-Royce Round Door von 1925 Sieben Laufmeter Geschichte

Noch heute sorgt der 87-jährige Round-Door-Rolls-Royce für Staunen. Sein Weg zum begehrten Sammlerstück war steinig: Das Unikat musste Geschäftemacher und Schrottplätze überleben.

  • Publiziert: 18.07.2012, Aktualisiert: 19.07.2012
  • Von Marcel Sommer
play Im Blickpunkt der Kameras: Der rare Rolls und Oldiefans.

«Nur» ein Rolls-Royce Phantom I war diese Legende bei ihrer Geburt. Man schreibt das Jahr 1925, als der heutige Rolls-Royce Round Door erstmals durch England fährt. Am Steuer des noch «normalen» Cabrios mit Hooper-Karosserie sitzt Mrs. Dillmann aus Detroit, USA. Doch schon bald verliert sie den Gefallen am Millionärsspielzeug und verkauft den 6,71 (!) m langen und 3,2 (!!) Tonnen schweren Rolls mit der Chassisnummer 94MC an den indischen Raja von Nanpara.

Als gut erhaltene Occasion landet der Rolls 1932 nach einem weiteren Halterwechsel beim Karosseriebauer Jonckheere in Belgien. Der Wunsch des (heute unbekannten) Eigentümers: Eine Karosserie im Aerodynamikstil, der damals en Vogue ist. Der Busse und Lastwagen aufbauende Blechcouturier macht das Cabrio zum Coupé und die Vorder- zu Liegesitzen. Neben Sonnendächern bekommt der Hecktriebler Finnen, runde Türen, schrägen Grill und eben jene «Round Doors», in die die Seitenscheiben zweigeteilt hinab gleiten. Das Design des 4-sitzigen 6-Zylinder-Coupés mit 4-Gang-Getriebe bleibt umstritten. Es erntet aber 1936 den Ehrenpreis am Concours d´Elegance in Cannes (F). Nach dem Erfolg durchläuft es viele Hände, bis es kurz vor dem 2. Weltkrieg letztmals im US-Bundesstaat Maine live fahrend gesehen wird.

In den frühen 1950ern taucht das Fahrzeug auf einem Schrottplatz im Bundesstatt New Jersey wieder auf. Ein Liebhaber rettet es, ehe Max Obie zugreift. Der Unternehmer verpasst dem Rolls eine goldene Lackierung, stellt ihn in Einkaufszentren aus und behauptet werbewirksam (aber dreist gelogen), der Rolls habe König Edward VIII. gehört, sei 200 PS (in Wirklichkeit 110 PS) stark und 193 km/h schnell. Pure Fantasie auch der angebliche Neupreis von damals unvorstellbaren 100'000 US-Dollar und der vermeintliche Goldstaub im Lack. Der fahrende Goldbarren schafft es dank der Gerüchteküche gar bis in den «Playboy» und zieht Autofans locker je einen Dollar Besichtigungsgebühr aus der Tasche…

Nach weitere Eigentümerwechseln – zwischendurch gar nach Japan – findet das viele Millionen wertvolle Einzelstück 2001 im Petersen Automuseum in Los Angeles endlich seine Ruhe. Leider ist es – wie mittlerweile viele Preziosen heute – nur noch Steh- statt Fahrzeug: Auf die Strasse darf der 87-Jährige nur im Hänger auf dem Weg zu Oldieshows.

autoscout24.ch

Top 3

1 24 h Rennen am Nürburgring Kurz aber heftigbullet
2 Aston Martin 100CC Zurück zu den Wurzelnbullet
3 Porsche Mobil1 Supercup Die Schweizer im Haifischbeckenbullet

News & Trends