Schwachstelle Infotainmentsystem Gelungener Hackerangriff auf fahrendes Auto

Die Horrorvorstellung jedes Autofahrers: Ein Hacker kapert aus der Ferne das fahrende Auto, greift in die Lenkung ein, steht auf die Bremse oder gibt Vollgas! Kürzlich geschehen in Amerika.

Wie zwei IT-Freaks einen Jeep hacken
Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?

Top 3

1 Auto-Gadgets Lamborghini-Auspuff als Soundanlage
2 Mercedes: Scheinwerfer wird zum Beamer Film ab!
3 Ford Mustang aus fast 200'000 Lego-Steinchen Klotzen mit Klötzchen

News & Trends

teilen
teilen
53 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden

Ein Reporter des US-Magazins «Wired» fährt mit seinem Jeep Cherokee auf der Autobahn, als sein Fahrzeug unvermittelt und wie von Geisterhand erst schneller und anschliessend komplett bis zum Stillstand abgebremst wird. Der hilflose Reporter am Lenkrad kann tun und lassen, was er will – er hat keine Kontrolle mehr über sein Fahrzeug! Die haben nun die beiden in ihrem Büro sitzenden Hacker Charlie Miller und Chris Valasek mit ihren Laptops.

Was nach Filmszene klingt, ist Realität. Aber wenigstens «nur» ein Experiment. Miller und Valasek sind Sicherheitsexperten und wollen mit ihrem Hack demonstrieren, dass die Angst, im fahrenden Auto von extern gekapert zu werden, nicht unbegründet ist. Schon vor zwei Jahren war es den beiden Computerfachleuten gelungen, die Kontrolle über ein Auto zu übernehmen. Damals sassen sie aber mit ihren Laptops im Fahrzeug und waren direkt damit verkabelt. Diesmal erfolgte der «Angriff» aus der Ferne. Die Hacker konnten sich übers GSM-Mobilfunk-Modul des fahrzeuginternen Unterhaltungssystems verbinden und von dort tiefer in die Fahrzeug-Steuerungssoftware vordringen.

Europäische und Schweizer Jeep-Käufer können übrigens beruhigt sein: Gemäss Fiat-Chrysler wird das betroffene GSM-Mobilfunk-Modul zum Internetzugang ausschliesslich in für den US-Markt bestimmten Fahrzeugen verwendet. Zudem hätten die beiden Hacker erst die IP-Adresse des Autos ausfindig machen müssen. Und dies sei ihnen nur aufgrund einer Schwachstelle beim Internetanbieter der US-Jeeps gelungen. «Es war also mehr als nur eine Sicherheitslücke im Auto», betonte ein Fiat-Chrysler-Sprecher. Dennoch hinterlässt das Experiment auch bei uns in Europa einen schalen Nachgeschmack. Moderne Autos werden mit ihren internetbasierten Diensten wie Navigation oder Musik-Streaming immer mehr zu fahrenden Computern und bieten so natürlich auch bei uns Hand für Hackerangriffe. Deshalb fordern Verkehrsverbände wie der TCS oder sein deutsches Pendant ADAC, dass die Autohersteller stärker auf diesen Bereich achten müssen. Und diese nehmen das Anliegen gemäss dem Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) «sehr ernst. Unser Ziel», so ein VDA-Sprecher, «ist immer, einem möglichen Missbrauch mindestens zwei Schritte voraus zu sein.» So werde man künftig bestrebt sein, die Unterhaltungssysteme noch strikter von der Steuerung der Fahrzeuge zu trennen.

Übrigens: Für US-Jeep-Besitzer bietet Chrysler mittlerweile ein Software-Update an, mit dem die Sicherheitslücke geschlossen werden kann. Allerdings muss der Besitzer mit seinem Fahrzeug dazu in die Werkstatt.

Publiziert am 01.08.2015 | Aktualisiert am 01.08.2015
teilen
teilen
53 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden
autoscout24.ch

4 Kommentare
  • Andreas  Berger , via Facebook 01.08.2015
    Zugriff auf Gaspedal und "powersteering" ist wohl moeglich. Zugriff auf das Bremssystem eher nicht. Steuerrad und Bremspedal sind trotz aller Electronik noch mechanisch mit Bremse und Steuerung verbunden und koennen die Elektronik ohne grossen Kraftaufwand "ueberpowern" !!
  • Peter  Buchmann 01.08.2015
    Die digital vernetzte Welt wird sich noch wundern, was so alles ferngesteuert werden kann, nicht nur in Autos. Operationsroboter können u.U. genauso betroffen sein wie dein Smartphone, ein AKW oder Stellwerke von Eisenbahnen. Obendrein stellt sich die Haftungsfrage... falls man noch lebt und ein Nachweis gelingt.
  • Klaus  Utzinger aus Bad Zurzach
    01.08.2015
    Das ist das Resultat von unzähligen und unnötigen Gadgets die in das Auto eingebaut werden, unter dem Strich dem Eigentümer und Nutzer aber gar nichts bringen. Damit kann man weiter auf wichtige Innovationen, gerade im Energieverbrauch, verzichten. Wichtig bei dieser Übung: Die Kunden bezahlen diesen "Saich"!
    • Alfred  Eisler , via Facebook 01.08.2015
      Genau so ist es! Aber viele Ding bringen nicht nur nichts, sondern überfordern den Fahrer in vielen Fällen.