Polizei-Porsche 356 B Cabrio Verfolgungsjagd mit Formel-1-Fahrer!

In den Niederlanden sorgten Polizisten bis 1996 in über 500 Porsches für Recht und Ordnung auf der Strasse. BLICK zeigt die bewegte Geschichte einer der ersten zwölf «Rijkspolitie»-Sportwagen – von der «oben ohne»-Pflicht bis zur F1-Fahrer-Verfolgung.

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Wenn sich die Polizei in Dubai ein neues Polizeiauto anschafft, würde das bei uns das Jahresbudget eines ganzen Polizeikorps sprengen: Ein Bugatti Veyron für fast zwei Millionen Franken oder ein Porsche 918 Spyder für knapp eine Million Franken machen im Wüstenstaat den Braten auch nicht mehr feiss. Wenn sich jedoch die niederländische Polizei in einem flotten Porsche auf Gangsterjagd begibt, dann ist das zumindest einen zweiten Blick wert – auch, wenn dies nun schon ein paar Jahre her ist.

Was für ein Arbeitsplatz!

Der Porsche 356 B Cabrio mit dem Rufzeichen «Alex 2707» war im Jahr 1962 einer der ersten Dienst-Porsche, mit der die niederländische Autobahnpolizei im beschaulichen Utrecht auf Gangsterjagd ging.

Blaulicht, Schriftzug, Lautsprecher und ein Stop-Schild verratens: hier fährt ein Polizei-Porsche vor! play
Blaulicht, Schriftzug, Lautsprecher und ein Stop-Schild verratens: hier fährt ein Polizei-Porsche vor! rijkspolitie.org

Die Aufgabe der als «weisse Mäuse» bezeichneten Polizei-Porsche bestand darin, die damals noch über keinerlei Tempolimits verfügende Autobahn sicherer zu gestalten. Denn schwere Unfälle waren an der Tagesordnung, 1600 Verkehrstote verzeichnete Holland anfangs der 1960er-Jahre.

Nur für die Elite

Bevor der weiss-orange Sportwagen auf die Autobahn gelassen wurde, musste aber erst eine Elitetruppe geformt werden. Die Voraussetzungen, um Teil dieser Spezialeinheit zu werden, waren nicht ohne: Dass gute Fahrkünste und Verkehrserfahrung vorhanden sein musste, war klar. Zudem mussten die Anwärter über eine sehr gute körperliche Verfassung verfügen und mindestens 25 Jahre alt sein.

Die beiden Elitepolizisten Van Rijn und De Steen mit einem Porsche. play
Die beiden Elitepolizisten Van Rijn und De Steen mit einem Porsche. rijkspolitie.org

Das war aber noch nicht alles. Sie mussten zudem verheiratet sein und sollten vorzugsweise Kinder haben, da dies eine verantwortungsbewusste Fahrweise fördert und unnötige Risikobereitschaft ausschliessen soll. Was nicht hiess, dass diese Elite-Beamten zwangsläufig einer Verfolgungsjagd abgeneigt waren.

Dem F1-Fahrer auf den Fersen

Für die bekannteste Jagd sorgte 1984 der F1-Pilot Jan Lammers mit seiner Alpine A 310. Erst von einem LKW gestoppt, gelang es der Porsche-Polizei, ihn zu stellen. Seinen Führerschein war er danach los. Allerdings gewann der Raser noch im selben Jahr sein erstes grosses Rennen. Nicht mit einer Alpine sondern mit einem … Porsche!

Ohne Dach ist Vorschrift – bis zwei Grad!

Die Zweimann-Besatzung war stets mit einem weiss-orangen Helm, weissem Mantel sowie weissen Handschuhen bekleidet. Denn bis zu einer Temperatur von zwei Grad musste laut Vorschrift offen gefahren werden.

Auch heute macht eine Fahrt in einem Polizei-Porsche noch Spass. play
Auch heute macht eine Fahrt in einem Polizei-Porsche noch Spass. Chris Kruizinga

Bei Nichtbeachtung folgte eine drakonische Strafe – in Form von Kuchen-Mitbringen. «Diese Männer waren die gesündesten Polizisten von allen. Es gab kaum Krankmeldungen», weiss Hans Blonk, der Porsche und die Reichspolizei vor über einem halben Jahrhundert zusammenbrachte.

Konkurrenz ausgestochen

Die niederländische Polizei zog für ihre Autobahn-Dienste auch andere Fahrzeuge wie Fiat 124 Abarth Spider, Alfa Romeo Spider oder Triumph TR6 und Citroën DS Chapron Cabrio in Betracht, doch der Porsche 356 B überflügelte sie alle.

Der Vierzylinder-Motor des Porsche 356 B. play
Der Vierzylinder-Motor des Porsche 356 B. bonhams.com

«Die damals eingesetzten Alfa überhitzten regelmässig beim Rückwärtsfahren auf der Autobahn. Der luftgekühlte Heckmotor des Porsche hatte damit keine Probleme», weiss der heute 84-jährige Blonk.

Insgesamt umfasste die Rijkspolitie-Porsche-Flotte von 1962 bis 1996 507 Fahrzeuge. Die Rijkspolitie ist damit bis heute der grösste Porsche-Flottenbesitzer in der Geschichte der deutschen Sportwagenmarke.

Die Polizei-Porsche sind mittlerweile begehrte Sammlerstücke, das Modell mit der Rufnummer «Alex 2707» brachte an einer Auktion im Jahr 2014 rund 260'000 Franken ein. play
Die Polizei-Porsche sind mittlerweile begehrte Sammlerstücke, das Modell mit der Rufnummer «Alex 2707» brachte an einer Auktion im Jahr 2014 rund 260'000 Franken ein. Chris Kruizinga

1996 endete die Ära, der letzte niederländische Verkehrspolizist der «Rijkspolitie» entstieg (bei guter Gesundheit) seinem Dienstporsche.

Publiziert am 24.10.2016 | Aktualisiert am 25.10.2016
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4 Kommentare
  • Joe  Black 25.10.2016
    Mittlerweile ist es so, dass die Autos von Rasern beschlagnahmt werden und nach einem Umlackieren der Autobahnpolizei zur Verfügung gestellt werden was ja eigentlich auch Sinn macht, wenn die Polizei mithalten will.
  • Hans  Gilg aus Hedingen
    25.10.2016
    Auch die Zürcher Polizei hatte Porsche Cabis. In den 60er Jahren kaufte ich für Fr. 2400. eine entsprechende Occasion. Mit 2 Zusatzscheinwerfern auf der Fronthaube. Da mein Bruder eine Garagenummer hatte, konnte ich damit rumfahren. Als ich das Auto vorführen wollte, kam ich nicht mehr durch die Kontrolle. Ich verkaufte das Auto nach Deutschland. Der Käufer wickelte es zwei Jahre später um einen Baum und starb dabei.
  • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
    24.10.2016
    Denn besten Porsche hatten in den 1950-Jahren die deutschen Zollfahnder in Aachen. Damals blühte der Kaffeeschmuggel an der deutsch-belgischen Grenze. Weil die Schmuggler Verfolger mit Krähenfüßen abhängten gab es einen Porsche mit hydraulisch absenkbaren Stahlbesen vorne am Auto. Aber die Schmuggler griffen auch zu drastischeren Mitteln: Einmal wurde aus einer belgischen Kaserne ein Panzerspähwagen geklaut, die Schmuggler packten in voll Kaffee und durchbrachen damit die Grenzsperren.
  • Jens  Goldmann 24.10.2016
    An diese kann ich mich hervorragend erinnern. Bin damals im Jahr 1969 mit dem LKW und Anhänger auf der Holländischen Autobahn statt mit den erlaubten 80 Kmh mit 95 Kmh unterwegs gewesen und wurde von der Polizei in einem Porsche angehalten. Anfänglich hielt ich das noch für einen Scherz. Kostete mich aber dann 50 Gulden. Die Sache wars wert.