Plug-in-Hybrid Fabelwerte und kaum Vergleichsmöglichkeiten

Ein Mercedes S 500 e mit 442 PS verbraucht offiziell 2,8 Liter. Oder der Mitsubishi-SUV Outlander PHEV ist verbrauchsgünstiger als der ebenfalls über Plug-in-Hybrid-Technik verfügende Toyota Prius. Wie kommen die Hersteller auf solche Fabelwerte für ihre Plug-in-Fahrzeuge?

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Kürzlich nervte sich ein Kollege über die von uns in den Medien abgedruckten Verbrauchswerte von Fahrzeugen mit Plug-in-Hybridantrieb. «Die entsprechen überhaupt nicht der Realität», schimpfte er, «damit führt ihr Eure Leser in die Irre.»

Er hat nicht ganz unrecht! Schuld ist allerdings der realitätsferne «Neue Europäische Fahrzyklus NEFZ», nach dem alle Normverbrauchswerte von Neuwagen bei Laborbedingungen auf dem Prüfstand ermittelt werden (siehe Box). Und da Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge zu diesem Messzyklus mit vollgeladenen Batterien antreten dürfen, haben sie gegenüber herkömmlich motorisierten Fahrzeugen zusätzlich einen Vorteil. Je weiter ein Plug-in-Auto rein elektrisch fahren kann, desto besser schneidet es im Verbrauchszyklus ab, da für die offizielle Testangabe im Zyklus alleine nur der fossile Treibstoffverbrauch zählt.

Aber selbst beim Vergleich unter Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen gibts in die Irre führende Resultate. So verglich TCS-Experte Francesco Greco im Auftrag von SonntagsBlick den Plug-in-Hybrid-SUV Mitsubishi Outlander PHEV mit dem Toyota Prius Plug-in-Hybrid. Auf den ersten Blick schneidet der Mitsubishi-SUV mit einem Normverbrauch von nur 1,9 l/100 km gegenüber dem kompakteren Prius mit 2,1 l/100 km besser ab. Analysiert man aber im Detail, muss man beim Outlander noch einen Energieverbrauch von 13,4 kWh/100 km addieren, was einem Benzinäquivalent von total 3,4 l/100 km entspricht (1,9 l/100 km + 13,4 kWh/100 km). Beim Prius mit seiner kleineren Batterie kommen dagegen nur 5,2 kWh/100 km) dazu, was einem Benzinäquivalent von total 2,7 l/100 km entspricht. Obwohl der tatsächliche Energieverbrauch des Outlanders also höher ist, schneidet er beim Norm-Verbrauch mit 1,9 l/100 km besser ab als der Prius. Auch seine rein elektrische Fahrleistung (bis zu 52 km bei Tempi unter 120 km/h) ist laut Hersteller höher als beim Prius (bis zu 25 km bei Tempi unter 100 km/h), was auf die grössere Batteriekapazität (12 kWh gegenüber 4,4 kWh) zurückzuführen ist.

Fazit: Solange zur Ermittlung der Normverbräuche nur der Ausstoss an fossilem Treibstoff berücksichtigt, aber der elektrische Energieverbrauch ausser acht gelassen wird, ändert sich an den in die Irre führenden Verbrauchsangaben für Plug-in-Fahrzeuge nichts. Auch nach der allfälligen Einführung des neuen «Worldwide Light Duty Cycles» (WLTC) im Jahre 2018 nicht.

Publiziert am 20.06.2015 | Aktualisiert am 05.07.2015

So wird heute der Normverbrauch ermittelt

Die Normverbräuche von Neuwagen werden nach dem sogenannten «Neuen Europäischen Fahrzyklus» (NEFZ) auf dem Prüfstand gemessen. Der NEFZ dauert 20 Minuten, es wird während 11,023 Kilometern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 33,6 km/h gefahren, wobei maximal bis 120 km/h beschleunigt wird.

In der Realität sind die Verbräuche der meisten Autos deutlich höher (im Schnitt um 1,5 l/100 km) als die auf dem Prüfstand ermittelten Normangaben. Deshalb dürfte ab 2018 der neue «Worldwide Light Duty Cycle» (WLTC) eingeführt werden. Dieser neue Zyklus soll unter anderem dank einer Dauer von 30 Minuten, 23,350 Kilometern Länge und 46,6 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit (Beschleunigung bis 131 km/h) der Realität etwas näher kommen. Aber das Ei des Kolumbus scheint – nicht zuletzt unter dem Aspekt der zu erwartenden Zunahme von Plug-in-Hybriden – auch dieser Zyklus nicht.

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16 Kommentare
  • Urs  Salvisberg 05.07.2015
    Schlussendlich zählt die Praxis: mein Opel Ampera hat inzwischen über 70000 km hinter sich - Lebensdauerverbrauch 2.8l/100km! Keinerlei Spartricks - auch bei 37 Grad draussen habe ich angenehme 23.5 drinnen - auf deutschen Autobahnen wird die Höchstgeschwindigkeit von 160km immer mal wieder ausgenutzt im Elektromodus ein Genuss! - einfach ganz normal! Und wenn ich überall laden könnte, wo er wieder ein paar Stunden rumsteht, würde sich der Benzinverbrauch nochmal halbieren.
    • Lapu  lapu 05.07.2015
      Die Erfahrung von Fahrern, auf einschlägigen Webseiten, sagen da etwas ganz anderes. Vor allem wenn man die komplette Energie die benutze wird, aufrechnet. Da wird es ziemlich schnell ganz dunkel.
    • Urs  Salvisberg 05.07.2015
      Ich weiss nicht, was andere mitrechnen - auswärts wird mir der Strom meist geschenkt. Also bleiben für mich die 2.8l Benzin/100km - nur mein Mofa war günstiger, aber das ist schon eine Weile her :-
  • Peter  Spiess 21.06.2015
    Verbrauch hin oder her, ich will Spass im Auto und nicht auf den Verbrauch achten, Sparpotential gibt es genug anderweitig.
  • Eric  Lang aus Aarau
    21.06.2015
    Mein 2006er Prius Hybrid, ohne Plug-In, verbraucht über das Jahr gesehen, ganz genau 4.5 Liter auf 100km.
    Mein tiefster Wert über 100km in Slowenien lag bei 3.2 Liter auf 100km und mein höchster Wert bei zügiger Autobahnfahrt in Deutschland bei 5.7 Liter auf Kilometer.
    Toyota ist allen Herstellern immer noch mindestens ein Jahrzehnt voraus, thats it.
    • Felix  Egolf aus CHAM
      21.06.2015
      Herr Lang, das kann ich nur bestätigen. Vermutlich hatten Sie in den neun Jahren auch keine Probleme mit der Traktionsbatterie.
    • Reto  Petitprince aus Binningen
      21.06.2015
      Technik die begeistert, Design, das einen Brechreiz auslöst. Bin einmal einen Prius gefahren. Sorry, solange das so ist, kann ich beim Auto fahren nicht grün werden...
  • Chäpp  Zingg aus Rheintal
    21.06.2015
    Ein Witz, diese Verbrauchswerte. Übrigens, das ganze nennt sich "Marketing".
  • PH  N0SER 21.06.2015
    Alle, aber gar alle Normverbrauchsangabenvon Autos haben mit dem wirklichen Verbrauch absolut nicht zu tun. Auf der Strasse saufen alle 30 bis 50 Prozent mehr.
    • Manuel  Bongni , via Facebook 21.06.2015
      Nicht unbedingt.. Nein Opel Astra h hat einen Normverbrauch von 9,3 liter. Trotzdem komme ich auf der Strasse ganz gut mit 8,5 bis 9,0 zurecht. Bei sparsamer Fahrweise liegen auch 7,5 liter drin. Es hängt also auch immer sehr stark vom Fahrer ab und für was das Auto gebraucht wird.
    • Konrad  Stoll , via Facebook 05.07.2015
      Ich kann ihre Aussage nicht unterstützen, ich habe verschiedene Autos. In der Regel verbrauchen die bei mir 15 Prozent - 25 Prozent weniger als die Werksangabe.
      Kommen Sie mir nicht mit schleicher, ich halte mit dem allgemeinen Verkehrsfluss immer mit.