Lynk & Co: Neue Automarke Auto 2.0

Einmal umkrempeln, bitte: Lynk & Co heisst die bei Volvo entwickelte, in China gebaute neue Marke, mit der Geely das iPhone-Prinzip aufs Auto übertragen will. SonntagsBlick war zur Premiere vor Ort.

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Die Zukunft des Autos liegt nicht zwischen Tankstelle und Industriezone, sondern Apple Store und H&M. Beim Chillen in der City noch kurz in die Autoboutique: Vertragsverlängerung wie beim Smartphone. Dafür gibts dort wie im Smartphone-Shop das neueste Automodell. Kurzes Kraulen am Hipsterbärtchen: Zehn fertig durchgestylte Varianten vom düsteren Batman- bis hin zum fröhlichen Hippie-Look stehen bereit.

Geely: Lanciert neue Automarke Lynk & Co. - das iPhone zum Fahren play
Eher Geschmacksache, die auffälligen LED-Rückleuchten des Lynk & Co 01. Werk

Keine Optionen, alles drin

Keine Optionen, alles bis zu Radartempomat und Dauerinternet ist drin. Als young urban Professionals müssen wir nun auch nicht zum Autohändler in der Vorstadt: Am nächsten Morgen steht der neue SUV vor der Haustür. Aufschliessen per Smartphone, ab in die City, «Parkplatzsuche» sagen – und der Touchscreen zeigt den nächsten freien Platz. Carsharing-App drücken. Jetzt wissen alle unsere Freunde: Das Auto wäre bis um 17 Uhr frei verfügbar.

 

Geely: Lanciert neue Automarke Lynk & Co. - das iPhone zum Fahren play
Alain Visser (52), altgedienter Automanager (u.a. Ford, Opel, Volvo), ist der Marketing- und Vertriebschef von Lynk & Co. Werk

Unsinn? Nicht, wenn es nach Lynk & Co geht. Lynk und was? Lynk & Co, die neue globale Automarke des chinesischen Autobauers Geely. Um die Welt zu erobern, überträgt Lynk & Co das iPhone-Prinzip aufs Auto; samt Dauervernetzung und Fashion-Markenname. «Das Businessmodell der Autobranche ist über 100 Jahre alt», so Alain Visser (52), altgedienter Automanager (u.a. Ford, Opel, Volvo) und Marketing- und Vertriebschef von Lynk & Co: «Die Kundenbedürfnisse aber sind heute völlig anders als vor zehn Jahren.» Hat was. Vor neun Jahren war kein iPhone vorstellbar. Heute ist eine Welt ohne Smartphone undenkbar.

Europa als Messlatte

Gerne belächeln wir verwegene Pläne aus dem Autoreich der Mitte, seit sich dessen einst befürchtete Invasion gleich selbst ein Bein stellte. Von Landwind über Brilliance bis hin zu Qoros endeten Europapläne der chinesischen Automarken jämmerlich. Und in Europa haben es neue Marken ja traditionell arg schwer: Lexus ringt hier noch heute, nach 26 Jahren, um Anerkennung. Wozu also? Weil der anspruchsvollste Markt ein Versprechen ist: Wers in Europa schafft, schaffts überall. Und dass das Umkrempeln des Autos nicht geht, dachten wir ja anfangs auch bei Tesla.

Geely: Lanciert neue Automarke Lynk & Co. - das iPhone zum Fahren play
Geely-Boss Cong Hui An und Volvos Chef Hakan Samuelsson gratulieren sich zur gelungenen Premiere der neuen Automarke Lynk & Co. Werk

Abwarten also. Geely hat freilich das Rüstzeug zum Wunderkind: 1998 begann Li Shufu (53), Sohn armer Bauern und Kühlschrankverkäufer, mit dem Autobau. Heute herrscht er in Hangzhou über seinen zweitgrössten unabhängigen chinesischen Autobauer – und Volvo. Denn vor sechs Jahren wagte Geely die Übernahme der angeschlagenen Schweden, zu jener Zeit sogar grösser als Geely selbst, aber perspektivlos. Und sanierte sie in Rekordzeit. Wie? Geely lässt Volvo in Ruhe tun, was die Schweden können: Autos entwickeln. Wie den ersten Lynk & Co, den nur prosaisch 01 (weitere Typen heissen analog 02, 03, etc.) genannten, 4,53 Meter langen Kompakt-SUV.

Geely: Lanciert neue Automarke Lynk & Co. - das iPhone zum Fahren play
Unter der Karosserie des Lynk & Co 01 verbirgt sich modernste Volvo-Technik, wie die CMA-Architektur für den künftigen Volvo XC40 von 2017. Werk
Modernste Volvo-Architekur

Entwickelt in Göteborg im Volvo-Geely-Zentrum, wird er in einem neuen Werk in China gebaut und soll die Marke so gross machen wie Volvo. Für beide sind bald je 800'000 Autos (Volvo 2015: 500'000) im Jahr angepeilt, was den Geely-Konzern über die Drei-Millionen-Grenze katapultieren würde. Damit das nicht an guten alten Autodingen wie Qualität, Sicherheit oder Fahrspass scheitert, steckt darunter jene neue, hoch variable CMA-Architektur, die Volvo für Modelle wie den 2017 startenden XC40 erdacht hat. Wer Volvos neue 90er-Autos kennt, ahnt: Das Resultat dürfte passen.

Geely: Lanciert neue Automarke Lynk & Co. - das iPhone zum Fahren play
Im edlen Cockpit besticht das «Smartphone auf Rädern» mit totaler Vernetzung samt Carsharing-App. Werk

Noch offen ist der Preis (denn natürlich darf man den Lynk & Co 01 auch ganz altmodisch kaufen statt gegen Monatsgebühr fahren). «Ein vollausgestattetes Premiumauto zum Preis eines Volumenmodells», verrät Visser professionell vage. Hineinsetzen durften wir uns bei der pompösen Enthüllung – erst in Göteborg, anderntags in Berlin – leider noch nicht, aber der Augenschein sagt: Volvo-Luxus mit Styleplus. Den Antrieb sollen Elektro-, Hybrid- und Plug-in-Hybrid übernehmen, dazu Benziner (Vierzylinder und neuer Dreizylinderturbo) und vielleicht Diesel, Schaltung oder Doppelkupplungsautomat und Front- oder Allradantrieb. Denn letztlich muss ja auch das «Smartphone auf Rädern» (Visser) vor allem eines tun, wenn es Ende 2017 in China, dann in den USA und Ende 2018 bei uns startet – fahren.

 

Publiziert am 22.10.2016 | Aktualisiert am 24.10.2016
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10 Kommentare
  • Thomas  Degen 25.10.2016
    Dass Lexus heute noch um Anerkennung ringt ist mir neu. In den USA sieht man die wie Sand am Meer. Man muss sich auch bewusst sein, dass Lexus die Premium-Marke von Toyota ist und das obere Preissegment abdeckt. Die Lexus SUVs haben haben in den USA den deutschen Premiummarken schon lange den Rang abgelaufen.
    @Roland Althaus. Die "Hässlichkeit" hat technische Gründe. Wegen der Batterien ist das Heck der Hybride meist sehr hoch, weil das Auto auch noch einen Kofferraum haben muss.
  • roland  althaus aus schaffhausen
    23.10.2016
    @beat engelberger...wie recht du hast aber du hast noch den toyota prius vergessen. ich verstehe auch nicht, warum hybrid so hässlich sein muss...
  • Beat  Engelberger 23.10.2016
    Schade hat man vergessen, Designer beim Konzept mit einzubeziehen.
    Hässlicher war ja bisher nur der Fiat Multipla, Zastava Yugo, Ford Scorpio,Pontiac Aztec und der Ssangyong Rodius.
  • Patrick  Smart 23.10.2016
    So so Herr Möckli einfach mal zuerst negativ denken? Vielleicht sind Sie einfach "eifersüchtig" dass (nach Tesla) die Chinesen kommen müssen, um den Markt zu rocken. Zusammen mit der Volvo Qualität traue ich es ihnen zu. Vierlleicht kennen Sie auch die China-Smartphons nicht, nur eines von vielen Beispielen, Huawai. Die können schon was, die Chinesen. Und mit dem Auto Know How von Volvo etc. bestimmt. Jetzt muss nur noch der Preis und das Vertriebssystem (Volvo?) stimmen, dann sehen wir mal.
  • Simon P.  Wegert aus Bern
    23.10.2016
    Drei Maketing-Kernpunkte sind entscheidend für den Erfolg: Preis, Design, Qualität. Preis höher als bei Peugeot: Flop! Qualität schlechter als Toyota: Flop! Design nicht zeitgemäss und edel: Flop! Ich glaub nicht an China-Quialität, deren Industrie-Business-Modelle mit Fehlerraten (Ausschuss/Makulatur) von 25 bis 50 Prozent rechnet. Wer kauft schon ein Auto bei dem die Wahrscheinlichkeit, eine Schrottlaube ab Werk zu erhalten, so hoch ist?
    • Patrick  Smart 23.10.2016
      Oha Herr Wegert, Sie sind ja ein ganz schlauer. Sie haben mit den 3 Kernpunkten zwar recht, ABER Erfolg hat man damals weder in denen in Japan, dann Taiwan, dann Südkorea, dann Hongkong zugetraut. Schauen wir mal in ein paar Jahren, ob die EU-Autos immer noch vom hohen Ross herunter die Stellung halten? China ist nicht zu unterschätzen. Wetten?
    • Gabor  Posch 23.10.2016
      Herr Wegert, Sie haben noch eine ganz entscheidende Komponente ausgelassen, nämlich das Prestige. Gerade in Ländern wie der Schweiz ist man gerne bereit, tiefer in die Brieftasche zu greifen. Vor chinesischen Autos braucht man sich noch einige Jahre nicht zu fürchten, denn eigentlich braucht sie niemand. Aber sie werden kommen, wie damals die Japaner, die als Reisschüsseln und Rostlauben belächelt wurden. Bernhard Russi und Rodi haben viel dazu beigetragen, dass das Vertrauen in die Autos wuchs.