GTI Die Lizenz zum Gasgeben

Früher war klar: GTI sind für Schnellheizer. Gerne erinnern wir uns an die Urzeiten des VW Golf GTI oder Peugeot 205 GTI. Doch was ist in den letzten Jahren aus den drei Buchstaben geworden? Eine wehmütige Spurensuche.

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Gut erinnere ich mich an die Reaktion meiner Tante, als mein damals 20-jähriger Cousin vor bald vier Jahrzehnten stolz im frisch erworbenen Auto vorfährt. Ungläubig fuchtelnd schimpft sie: «Jetzt hast du dir die unvernünftige Rakete tatsächlich gekauft. Willst du dich umbringen?» Mein Cousin hatte 1978 wohlgemerkt keinen Porsche oder Ferrari erstanden. Sondern den VW Golf GTI. Mit 110 PS.

Fairerweise muss ich meiner Tante zugute halten, dass damals auf den Strassen dröge Langweile herrschte und der 810 Kilo leichte, aber 182 km/h schnelle GTI als etwas Unerhörtes galt. Nichts war in dieser Grössenklasse mutiger und schärfer – obwohl 9,2 Sekunden auf Tempo 100 bei der heutigen Playstationjugend höchstens Gähnen auslösen. Damals aber bedeuteten die drei magischen Buchstaben die Lizenz zum Gasgeben. Das neuartige, kompakte und erschwingliche, leichte und leistungsstarke Fahrzeug, löste unter jungen (und junggebliebenen) Autoenthusiasten, die sich keinen teuren Sportwagen leisten konnten oder wollten, eine Revolution aus. Bei der Lancierung 1974 plante VW zurückhaltend 5000 Golf GTI. Bis heute sinds über zwei Millionen – und ein Ende ist nicht abzusehen. Schnell machte das Beispiel Schule. Die Konkurrenz rüstete auf, und plötzlich schossen Anfang der 1980er Jahre GTI wie Pilze aus dem Boden – im Guten wie im Bösen. Waren Peugeot 205 GTI, Ford Escort RS 2000 oder Opel Kadett GT/E noch würdige Vertreter, verwässerte der GTI-Trend dessen Prinzip. Bald hiess fast alles GTI. Citroën etwa schickte Mitte der 1980er-Jahre sogar die komfortable Schwebelimousine CX in einer GTI-Variante ins Verkaufsrennen.

Heute, gut vier Jahrzehnte nach der GTI-Geburt und im Zeitalter der Safety-Kultur, hat der Nimbus GTI fast alles von seiner einstigen Verwegenheit verloren. Wir tragen zum Ski- oder Velofahren einen Helm – und moderne GTI bringen ihre Kraft längst nicht mehr ungefiltert auf die Strasse. Durchdrehende Räder oder wilde Drifts gelten als pubertär; vielmehr muss ein moderner GTI seine Leistung gehaltvoll und elektronisch überwacht auf den Asphalt übertragen. Es ist also nicht mehr der wagemutige Cowboy am Lenkrad, der den GTI wild in Kurven wirft, sondern das (elektronisch simulierte!) Sperrdifferenzial, das einfach etwas mehr Kraft auf das kurvenäussere Vorderrad leitet. Das ist natürlich alles viel zuverlässiger und effektiver. Nur eben auch deutlich unspektakulärer.

Den letzten grossen Tabubruch sparte VW damals übrigens für sich selbst auf: Gab es beim Golf I einst nur «den» GTI, waren es beim Golf VI gleich mehrere – mit Benzin- oder Dieselmotor und mit drei oder fünf Türen. Immerhin: In der siebten Golf-Generation fokussiert der Spassmacher wieder mehr aufs Wesentliche: Nun gibts nur einen GTI mit 220 und den GTI Performance mit 230 PS.

Publiziert am 25.05.2015 | Aktualisiert am 25.05.2015

Das sind die letzten GTI-Mohikaner

Noch wurden nicht ganz alle GTI weichgespült. Hier eine kleine Auswahl an Sportlern, die in nur einer Variante, aber mit viel Motorleistung und wenig Gewicht verwegenen Fahrspass erlauben.

Abarth 695 Biposto
1,4-Liter mit 190 PS. 0-100 km/h in 5,9 s.
Spitze 230 km/h. Preis ab Fr. 49 000.-

Ford Fiesta ST
1,6-Liter mit 182 PS. 0-100 km/h in 6,9 s.
Spitze 223 km/h. Preis ab Fr. 25 740.-

Mini John Cooper Works
2,0-Liter mit 231 PS. 0-100 km/h in 6,3 s.
Spitze 246 km/h. Preis ab Fr. 37 900.-

Opel Corsa OPC
1,6-Liter mit 207 PS. 0-100 km/h in 6,8 s.
Spitze 230 km/h. Preis ab Fr. 30 450.-

Peugeot 208 GTi
1,6-Liter mit 208 PS. 0-100 km/h in 6,5 s.
Spitze 230 km/h. Preis ab Fr. 35 990.-

Renault Clio R.S.
1,6-Liter mit 200 PS. 0-100 km/h in 6,7 s.
Spitze 225 km/h. Preis ab Fr. 30 900.-

Seat Ibiza Cupra
1,4-Liter mit 180 PS. 0-100 km/h in 6,9 s.
Spitze 228 km/h. Preis ab Fr. 24 950.-

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8 Kommentare
  • Lukas  Meyer 26.05.2015
    Der interessanteste Golf 1 ist meiner Meinung nach der Umbau von Horag zum Golf 1 Horag Turbo, ein wirklich spassiges Auto :D und dies schon damals.
  • Eric  Lang aus Aarau
    26.05.2015
    Wer zu der Zeit auch noch Wert auf Ästhetik legte, kaufte sich den schönen VW Scirocco GTi.
  • Ivo  Schnyder , via Facebook 25.05.2015
    Glaube die Diesel GTIs hiessen schon seit langem GTD .... jedenfalls zu Golf 2 Zeiten und ab Golf VI ....


    Gruss ein Colf 1 Cabrio fahrer.
  • john  meier 25.05.2015
    ich hatte 2 ur GTIs einen 77er mit blechstossstangen und 4 ganggetriebe und einen 79er.bei beiden war der fahrspass unglaublich für damalige verhältnisse.keine servolenkung,kein elektronischer schnickschnack,dafür nur 790 kg leergewicht.einfache technik wo man selber noch schrauben konnte und der verbrauch war auch noch moderat.schade nur dass man zuschauen konnte wie sie sich rostmässig auflösten.
  • Eddy  Guest , via Facebook 25.05.2015
    Der Ur-GTI ist und bleibt die Ikone.
    Wenig gewicht, viel leistung.
    Ein aktueller GTI ist geil, keine frage aber ich würde viel geld bezahlen einen alten 112 PS Gti im originalzustand am besten mit pirelli-rädern zu erwerben.
    • john  meier 25.05.2015
      wenn sie 15-20000 sfr bezahlen können ist es kein problem einen zu kaufen.ausser mit den pirelli felgen da könnte es schwierig werden.
    • Ewald  Rindlisbacher aus Grayland
      25.05.2015
      Ja ein UR-GTI wuerde ich auch fahren, aber nein ein heutiger Golf, da wuerde ich nicht mal reinsitzen als Beifahrer. Nur Computerschrott !!
    • Pat  Heiziger aus Bern
      25.05.2015
      Ich besitze ebenfalls ein Ur-Golf. Zwar kein GTI aber eine special Edition, den 83er GX. Ist noch schwerer zu bekommen als ein GTI.
      Macht einfach voll Laune mit den 75PS rumzufetzen x obwohl das Auto gut 6 Jahre älter ist als ich selber.
      Vorallem kann man an diesen alten Autos noch selber schrauben ohne grad ein Diagnosegerät bereit zu halten.