Exklusiv-Interview mit VW-CEO Herbert Diess «Unsere grösste Herausforderung ist sicher das Thema Diesel»

Nach seinem Leitvortrag zur Eröffnung der CES 2016 in Las Vegas sprach der neue VW-CEO Herbert Diess exklusiv mit SonntagsBlick-Autochef Urs Bärtschi über die aktuellen Herausforderungen der Autobranche.

VW-CEO Herbert Diess an der CES 2016 in Las Vegas. play
VW-CEO Herbert Diess an der CES 2016 in Las Vegas. Werk
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SonntagsBlick: VW will sich neu erfinden und setzt ganz auf Elektronik – bei Antrieb und Bedienung. Bestimmt die Elektronik die Zukunft des Automobils?
Herbert Diess:
Das ist so. Und vielleicht wird die Vernetzung und die Intelligenz, die ins Fahrzeug kommt, das Auto stärker verändern als der Antriebsstrang.

An der CES 2016 präsentiert Diess den VW Budd-e und den E-Golf mit neuem Display. play
An der CES 2016 präsentiert Diess den VW Budd-e und den E-Golf mit neuem Display. Werk

Heute gibts keinen Hersteller, der nicht mindestens ein E-Auto in Entwicklung oder bereits im Verkauf hat. Der Kaufrausch bei den Kunden lässt aber auf sich warten...
Die Elektromobilität wird kommen. Um die immer strengeren Gesetzesvorschriften zu erfüllen, werden die konventionellen Antriebe wie Benziner und Diesel so aufwendig, dass dann die Elektrofahrzeuge auch preislich noch attraktiver werden.

Das heisst, Benziner und Diesel sind tot?
Nein, der Wandel bei den Antriebstechnologien wird eine langsame Entwicklung sein. Aber die Chinesen beispielsweise wollen im Jahr 2020 bereits fünf Millionen E-Autos auf die Strasse bringen. Man kann dies glauben oder nicht. Aber sollten es auch nur 2,5 Millionen werden, wären das für uns mit einem Marktanteil von zehn Prozent immerhin 250'000 E-Fahrzeuge. Ein Riesenpotential!

Persönlich

Herbert Diess

Nach seinem Ingenieur-Diplom heuerte der am 24. Oktober 1958 in München geborene Diess am Institut für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften an der Technischen Uni in München an, wo er ab 1988 die Abteilung Montageautomatisierung leitete. Nach einem Abstecher zu Bosch wechselte Diess 1996 zu BMW, wurde dort 2007 in den Vorstand für das Ressort Einkauf und Lieferantennetzwerk berufen und 2012 zum Entwicklungsvorstand befördert. Seit 1. Juli 2015 ist Dr. Herbert Diess Konzernvorstand der Volkswagen AG und Vorsitzender des Markenvorstandes VW Pkw.

Und woher soll der ganze Strom kommen?
Die Menge wird nie ein Problem sein, wir haben immer genug Strom. Nicht zuletzt, weil die Autos auch dann tanken können, wenn genügend Strom vorhanden ist, etwa nachts. Ein Auto wird heute im Schnitt etwa eine Stunde pro Tag gefahren. Die übrige Zeit steht es zuhause, vor dem Supermarkt oder dem Büro. Da bleibt viel flexible Ladezeit übrig; auch, weil die Reichweiten steigen.

«Grundsätzlich begrüssen wir den Wandel in der Automobilindustrie und werden ihn massgeblich mitgestalten», sagt Diess im Interview mit SonntagsBlick-Autochef Urs Bärtschi. play
«Grundsätzlich begrüssen wir den Wandel in der Automobilindustrie und werden ihn massgeblich mitgestalten», sagt Diess im Interview mit SonntagsBlick-Autochef Urs Bärtschi. Werk

Sie haben in ihrem Leitvortrag zur Eröffnung der CES viel von den Möglichkeiten gesprochen, die das vernetzte Auto bietet. Wird der Fahrer dadurch nicht viel zu stark abgelenkt?
Im Gegenteil! Das Autofahren können wir beispielsweise durch Head-up-Displays oder Sprach- und Gestensteuerung noch sicherer machen. Der Blick bleibt mehr auf der Strasse, die Hände am Lenkrad.

Haben Sie keine Angst, dass das Auto der Zukunft aus dem Silicon Valley kommt?
Grundsätzlich begrüssen wir den Wandel in der Automobilindustrie und werden ihn massgeblich mitgestalten. Wenn es für Branchenfremde je eine Chance gab, in die Autoindustrie einzusteigen, dann heute.

Suchen sie für die Elektronik Partnerschaften?
Tatsächlich müssen wir uns darauf einstellen, dass sich unsere Industrie in den nächsten 10, 15 Jahren stärker verändern wird als je zuvor. Und typischerweise sind es nicht immer die Arrivierten, die bei solchen Umstellungen das Rennen machen. Das zeigte sich bei den Schreibmaschinen, Handys oder der Fotografie. Aber wir sind fest entschlossen, diese Umwälzungen als Chance zu nutzen. Dabei sind wir offen für innovative Partner.

Bleibt beim autonomen Fahren der Fahrspass nicht auf der Strecke?
Ich glaube nicht. Es gibt heute schon viele Situationen, die keinen Fahrspass bieten. Denken Sie an Staus, Stadt- und Kolonnenverkehr oder das Einparken. Hier wird uns automatisiertes oder autonomes Fahren entlasten. Und die E-Fahrzeuge generieren mit ihrer Dynamik auch neuen Fahrspass. Ich sehe mehr Chancen als Risiken. Das Autofahren wird dank dem autonomen Fahren sehr viel sicherer.

Autothemen an der Tech-Messe CES

Wie gehts beim autonomen Fahren weiter?
Jetzt muss der Gesetzgeber die Leitplanken setzen. Die Amerikaner sind hier viel aggressiver unterwegs als wir Europäer. Einige möchten den Fahrer ganz ersetzen, wir Europäer wollen ihn möglichst entlasten. Schwer zu sagen, was sich durchsetzen wird. Die Amerikaner investieren grosse Summen. Wir sind allerdings fest entschlossen, unseren Vorsprung zu halten.

Was ist für Sie und VW die grösste Herausforderung?
Für uns ist es sicher das Thema Diesel. Wir müssen das sehr gut, sauber und schnell lösen. Und dann gibt es Unternehmen, denen unglaubliche Summen zur Verfügung stehen. Denken Sie an Apple mit einer Liquidität von fast 100 Milliarden. Oder denken Sie an Start-ups, die auch schnell drei bis vier Milliarden abrufen können, wenn sie nur den Bau eines E-Fahrzeugs ankündigen. Das darf man nicht unterschätzen.

Wird der Diesel in den USA überleben?
Ja – wenn wir die Probleme sauber lösen, sehe ich durchaus eine Chance.

Publiziert am 10.01.2016 | Aktualisiert am 10.01.2016

VWs neuer Budd-e

Das neue Touch-Display im VW E-Golf in allen technischen Details vorzustellen, war vermutlich etwas gar dünn für die alles andere als autogeneigte IT- und Computermesse wie die CES – wo es vielmehr um das grosse Ganze und neue Trends geht. Deshalb brachte VW-Boss Herbert Diess aus Wolfsburg zusätzlich noch den VW Budd-e mit nach Las Vegas. Bei dem rund 4,60 Meter langen Budd-e handelt es sich um eine Art zukunftsgeneralüberholten VW Bulli mit 317 PS starkem Elektroantrieb (für jede Achse ein E-Motor) – und noch weit mehr als das. Der Budd-e sei ein «wahrhaft soziales Auto», sagt Diess, ein «Internet of everything». Was bitte sollen wir darunter verstehen? Diess klärt auf: «Der VW Budd-e kann mit Ihrem heimischen Kühlschrank oder der Eingangstür kommunizieren – und ist damit ein eigenes kleines Smart Home.» Wie der VW Bulli früher – nur modern. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass VW den schon oft angesagten Enkel des einstigen Love-, Peace- and Happiness-Bullis bis zum Ende des Jahrzehnts auch endlich auf die Strasse bringt.

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9 Kommentare
  • Meyer  Roman aus Aarau
    10.01.2016
    Herbert Diess hat einen harten Job bekommen, viel Glück H. Diess.
    Er muss das Vertrauen seiner Kunden wieder herstellen, das dauert Jahre.

    Zum Glück gibt es genug Ehrliche Autobauer, die bessere Auto bauen.

    Zukunft ist Hybrid, Wasserstoff- und Elektroauto.
  • Karl  Müller aus Sins
    10.01.2016
    Beim Reden waren sie immer besser als beim Auto Bauen.
    Die grösste Herausforderung ist den Betrug in dem Werk zu stoppen.
  • Roger  Stahel 10.01.2016
    Also wenn ich ein VW Fahrer währe währe ich nicht mehr so Stolz auf diese Marke,andere Marken macht man immer nieder in Heftchen wie AMS oder AB die da ja nur VW Werbung machen aber bei den eigenen Fehler schauen die VW Fahrer grosszügig hinweg,irgendwie schon Schizophren!
  • Beat  Hartmann , via Facebook 10.01.2016
    Wenn man pro 100 km 3 l abruft, ist der Schadstoffausstoss entsprechend gering. Wenn man mit Doppelturbo und 6 l Hubraum 40 l abruft, gibt es mehr CO2. Heizt man dann noch auf maximale Leistung, gibt es auch noch mehr NOx. Die Kolbenmotoren sind das Problem. Es sollten besser Turbinen sein. Da ist die Verdichtung konstanter.
  • Hans  Blattmann 10.01.2016
    Ich hoffe, dass zumindest die Intelligenten unter den VW Fahrer aufgeweckt wurden. Kauft jemand ein Iphone, bekommt er die volle Pranke ins Gesicht, wegen zu teuer. Schaut mal auf die Strasse wieviele VWs umherfahren. Da wurden x Tausendernötli zu viel bezahlt, nicht wie beim Iphone ein paar 50er Nötli. Auch der Irrglaube, mit der Zeit rechne sich ein VW ist falsch. Man kann heute viele günstige Marken kaufen, wo man danach nur noch zum Service bei der Garage vorbeischaut.
    • Roger  Stahel 10.01.2016
      Bin genau auch ihre Meinung,alle kaufen I Phone obwohl es schon lange viel bessere und billigere Handys gibt so ist es auch bei VW da ist vor allem die Werbung gut und so viele lassen sich davon blenden,unglaublich!