Die Empa in Dübendorf ZH und die ETH Zürich arbeiten seit 2007 an einer Kombination aus Erdgas- und Elektromotor. Exklusiv durfte SonntagsBlick mit dem Forschungsfahrzeug bereits eine erste Runde drehen.
Auf den ersten Blick sieht der VW Touran ganz normal aus – abgesehen von der Beklebung, welche auf die Unterstützer und Partner hinweist, seitens der Industrie beispielsweise VW und Bosch. Doch unter dem Blech steckt eine Weltpremiere. Ein Hybrid, der Erdgas- und Elektromotor mit einer 6-Gang-Handschaltung kombiniert.
«Losfahren kann man ganz normal», sagt Patric Soltic, Leiter des Projekts bei der Empa. Also erster Gang rein, der Verbrennungsmotor springt an, einkuppeln, Gas geben. Und schon düst der Familien-Van zügig los. Auf dem zusätzlich eingebauten Display sieht der Fahrer den eingelegten Gang – und ob er für eine möglichst effiziente Fahrweise besser hoch- oder runterschalten soll. Das perfekte Zusammenspiel von 1,4-l-Turbo-Erdgasmotor mit 150 PS und des 40 PS starken Elektromotors regelt ein Rechner im Kofferraum automatisch.
«Rein elektrisch fahren macht von der Effizienz her meist keinen Sinn», weiss Soltic. Ausser beim Ausrollen, beim Bremsen oder wenn man nur kurze Distanzen fahren möchte. Dann legt man ganz einfach den neutralen Gang ein. Der Verbrennungsmotor schaltet sich aus und der Stromer übernimmt. Total ungewohnt, dass man ohne eingelegtem Gang trotzdem beschleunigen kann.
An der Kreuzung rein elektrisch losfahren? Da hat der Hybrid Mühe. «Wir konnten die ideale Übersetzung für den Elektromotor aus Kostengründen nicht realisieren – im tiefen Tourenbereich hat er deshalb elektrisch keinen Durchzug», erklärt der Empa-Projektleiter. «Aber das Auto ist ja auch nur ein Forschungsfahrzeug, das so nie in Serie gehen wird.»
Viel wichtiger als die perfekte Abstimmung ist, dass die Schweizer Ingenieure erste Berechnungen zur Effizienz eines Erdgas-Hybriden vorlegen können. Ein Mittelklasse-Fahrzeug mit Benzin-Hybrid stösst zwar schon deutlich weniger CO aus als mit konventionellem Antrieb. Aber der teurere Anschaffungspreis kann über den tieferen Verbrauch oftmals nicht amortisiert werden; bestenfalls bei ausschliesslich städtischem Betrieb.
Erdgas-Hybrid-Syteme lohnen sich dagegen in fast jeder Situation. Eine CO-Reduktion von bis zu 40 Prozent ist möglich – und das über die ganze Fahrzeuglebensdauer gerechnet ohne Mehrkosten . «Das ist vor allem für Flottenbetreiber lohnenswert», glaubt Soltic. Diese scheuen den höheren Anschaffungspreis nicht, weil sie mit den Gesamtkosten über die komplette Fahrzeuglebensdauer kalkulieren. Und Firmen stehen je länger je mehr unter dem Druck, gesetzliche oder aus Imagegründen selber verordnete CO-Grenzen einzuhalten.
Und was passiert nun mit dem Schweizer Erdgas-Hybriden? Nächste Woche ist er für die Öffentlichkeit erstmals vom 13. bis 16. September an der AutoBasel zu sehen. Danach wird er den Partnern und an einer Gasfahrzeugkonferenz vorgestellt. Und vielleicht nimmt ja gar ein Hersteller die Anregungen der Empa und ETH auf und bringt einen Erdgas-Hybriden auf den Markt. «Ein Vollhybrid mit einem günstigen Downsizing-Erdgasmotor, das würde sich nicht nur für die Umwelt lohnen», ist Soltic überzeugt.
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