War das ein Auftritt im Herbst vor zwei Jahren auf dem Pariser Automobilsalon! Zwei Jahre später steht die englische Traditionsmarke Lotus am Abgrund.
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Lotus-Chef Aslam Farikullah mit erstem Lotus Exige S.
Die britische Marke Lotus und ihr einstiger Lenker, der Schweizer Taner «Dany» Bahar (41), hatten auf dem Pariser Salon 2010 mächtig auf den Putz gehauen. Ein gigantischer Messestand auf zwei Etagen mit VIP-Bereich sollte die Wiederauferstehung der Traditionsmarke verdeutlichen. Auf 860 Quadratmetern gab es das neue Portfolio mit Exige, Elite, Eterne, Esprit und Elise zu bestaunen. Auch ein kleines Elektro- und Hybridauto war im Gespräch. Das Publikum staunte und der gigantische Auftritt an der Seine überraschte die Experten. Vieles deutete aber darauf hin, dass sich die malayisch-britische Braut bloss hübsch machen wollte für einen neuen Investor.
Doch Dany Bahar wischte die Kritik mit einem lässigen Handstreich fort und pochte auf hoch gestochene Pläne. «Kein Stein wird bei Lotus auf dem anderen bleiben», so Bahar. Aus kaum mehr als 2000 verkauften Modellen sollten in einem ersten Schritt 10000 weltweite Lotus-Verkäufe werden. Porsche, Aston Martin & Co. sollten zittern. Die mässig beschäftigten 1200 Mitarbeiter im beschaulichen Hethel in Ostengland sollten nach der 2010er-Planung zusammen mit der Produktausweitung verdoppelt werden. Mittlerweile sind nicht einmal mehr 1000 Leute bei Lotus beschäftigt. Immer wieder ist von Zahlungsschwierigkeiten an Mitarbeiter und Zulieferer die Rede.
Denn Besitzer Proton verlor schneller als befürchtet den Spass an Lotus. Nur ein Bruchteil der avisierten Investitionen von rund 1,2 Milliarden Franken wurde getätigt. Die Entwicklung neuer Modelle und neuer Motoren kaum ernsthaft vorangetrieben. Die Implementierung von Allrad- oder Hybridantrieben und eine nennenswerte Ausweitung der Zusammenarbeit mit Toyota blieben Zukunftsmusik. Auch wenn sich der jetzige Lotus-Chef Aslam Farikullah Ende Juli stolz vorm ersten, produzierten Lotus Exige S ablichten liess.
Auf dem Pariser Salon (19. September bis 14. Oktober 2012) wird es nämlich keinen Messestand von Lotus geben. Die seinerzeit eigens eingerichtete Website www.lotusnewera.com geht mittlerweile ebenso ins Leere wie viele andere Visionen. Es häufen sich gar die Anzeichen, dass bei Lotus bald die Lichter ausgehen könnten. Bahar, einst als Held gefeiert, wurde erst suspendiert und dann an die britische Luft gesetzt. Zu den Gründen halten sich beide Seiten weiterhin bedeckt. Proton und der hinter der Proton Holding stehende DRB-Hicom-Konzern, scheint die Geduld endgültig auszugehen. Denn Lotus ist nach wie vor hoch defizitär und lebt allein vom traditionsreichen Namen. Zu wenig, um in der harten Autobranche zu bestehen. Da hilft der imageträchtige, aber teure Auftritt in der Formel 1 wenig.
Beim Schweizer Lotus-Spezialisten Pfenninger in Zumikon ZH bleibt man gelassen. «Die Lage ist nicht zum ersten Mal so, seit wir mit Lotus zusammenarbeiten», erläutert Heinrich Pfenninger, «Leider wurden in der fürs saisonale Geschäft entscheidenden Phase keine Autos gebaut. Aber nun laufen wieder Autos vom Band. Wir können Fahrzeuge bestellen und erhalten auch neue. Die Situation als Ganzes zu beurteilen, ist jedoch sehr schwierig, da wir keine Informationen aus England erhalten.» Trotzdem sehen die Verkaufszahlen in der Schweiz gar nicht so schlecht aus. Hatten sich 2011 noch 60 Schweizer für eines der drei Lotus-Modelle Elise, Evora und Exige entscheiden, wurden dieses Jahr bis Ende Juli bereits 40 Lotus verkauft.
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