Skoda Citigo Der siebte Streich

  • Publiziert: 01.10.2011, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Von Rahel Ueding

Nach der Weltpremiere des Mission L auf der IAA ist Skodas VW Up-Zwillingsbruder Citigo bereits der siebte Streich.

«Skoda will wachsen», erklärt CEO Winfried Vahland kurz und bündig. In Zahlen bedeutet das, dass bis zum Jahr 2018 weltweit 1,5 Millionen Skoda jährlich verkauft werden sollen. Also rund doppelt so viel wie momentan. «Dazu muss natürlich die Produktpalette wachsen und unsere Marke muss neue Märkte erobern.»

Den Worten lässt der Skoda-Chef Taten folgen und bringt nun gleich zwei neue Modelle praktisch gleichzeitig auf den Markt – beziehungsweise auf einzelne Märkte. So soll der elegante, auf der IAA präsentierte Kompaktwagen Mission L in Indien bereits im Oktober starten. Der eine Nummer kleinere Citigo dagegen musste dem VW-Bruder Up die grosse Bühne in Frankfurt überlassen. Er darf erst nächstes Jahr im März, dann aber gleich als Drei- und Fünftürer, am Genfer Autosalon seine Premiere feiern. Kleine Ausnahme: Bereits ab November wird der Citigo auf dem heimischen Markt in Tschechien erhältlich sein – zunächst zwar nur als Dreitürer, dafür als erster Skoda in Europa mit dem neuen Logo.

Beim neuen Citigo gefallen auf den ersten Blick die konsequent klare, aber dennoch weiche Linie sowie die grosszügigen Fensterflächen. Sie bieten Fahrer und Passagieren nicht nur beste Rundumsicht, sondern bringen auch viel Licht in die zweite Reihe des Kleinwagens. Dort ist für einen 3,56 kurzen Stadtflitzer unerwartet viel Platz; auf nicht allzu weiten Strecken sind bis zu vier Erwachsene im Citigo gut aufgehoben. Nicht zu vergessen ihre Utensilien, die in und an diversen Netzen, Haltern und Haken «simply clever» verstaut werden können. Sogar Hand- oder Einkaufstaschen lassen sich mittels eines am Handschuhfach angebrachten Hakens fixieren.

«Das sind eben die netten Details, die es so bei VW nicht gibt», sagt Vahland stolz. Und Chefdesigner Jozef Kaban pflichtet bei: «Als Designer muss man vor allen Dingen an diejenigen denken, für die das Fahrzeug gebaut wird. Wir wollen die Autos nicht dekorieren, sondern sympathisch und praktisch gestalten. Da muss man sich auch als Designer zurücknehmen.»

Bei allem Understatement ist der 38-jährige Kaban eine schillernde Figur. Bevor der unter anderem am Royal College of Art in London ausgebildete Automobildesigner Anfang 2008 bei Skoda anfing, sammelte er im Konzern bei VW, Audi und Bugatti Erfahrungen und war als bisheriges Highlight seiner jungen Karriere mitverantwortlich für den Supersportler Bugatti Veyron.

Weit weniger aussergewöhnlich war natürlich die Entwicklung des volumenmässig wesentlich relevanteren Citigo. Mit drei bis vier Jahren habe der Prozess nicht länger oder kürzer gedauert als bei anderen Neuentwicklungen. Einzige Besonderheit: Der Zwillingsbruder des VW Up wurde nicht ausschliesslich in House entwickelt, sondern in enger Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern – logisch. «Mit VW ist es wie mit einer Ehe. Man geht sie in der Regel freiwillig ein. Klar gibt’s auch Kompromisse, aber das sind höchstens 20 %. Der Rest ist Mehrwert», meint Kaban auf die Frage nach der Dominanz des Mutterkonzerns.

Und tatsächlich profitiert der Mini-Skoda beispielsweise bei der Sicherheitsausstattung enorm von VW. Der neue Bremsassistent «City Safe Drive» ist bei Geschwindigkeiten bis 30 km/h aktiv. Dank Lasersensor erkennt er brenzlige Situationen und greift entsprechend ein. Sollte es dennoch krachen, kommt als Teil des passiven Sicherheitspakets erstmals ein Kopf-Thorax-Seitenairgbag bei Fahrer und Beifahrer zum Einsatz. Und auch ESP wird in allen Märkten zumindest optional verfügbar sein.

Natürlich teilen sich die kleinen Brüder auch die neu entwickelten Motoren. Zwei 3-Zylinder-Benziner sollen den Citigo künftig über die Strassen und durch den Stadtverkehr schaukeln. Sie holen aus nur einem Liter Hubraum 60 bzw. 75 PS und sind analog zur VW-Bluemotion-Linie auch als Green-Tec-Varianten zu haben. Diese reduzieren die Verbrauchswerte von 4,5 und 4,7 l/100 km auf 4,2 bzw. 4,3 l/100 km und den CO2-Ausstoss von 105/108 g/km auf 97/99 g/km.

Über noch sparsamere Dieselmotoren denke man vorderhand nicht nach, sehr wohl aber über eine Elektroversion. In der Schweiz startet der Skoda Citigo voraussichtlich Mitte nächstens Jahres – und bis dann warten wir noch gespannt auf die Bekanntgabe des Preises. Während auch für den schon Ende Jahr bei uns startenden VW Up in der Schweiz noch kein Preis festgelegt wurde, gibts den Up in Deutschland für weniger als 10 000 Euro. Wäre doch prima, wenn es den Skoda Citigo in der Schweiz für rund 10 000 Franken gäbe.

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