Opel Der 10-Punkte-Unternehmensplan

Für Opel setzt es in Deutschland wieder mal Prügel ab. Fehlendes Gesamtkonzept, falsche Marktpositionierung, keine Transparenz schreien die Kritiker. Opel-Chef Stracke kontert die Vorwürfe mit kämpferischem Optimismus und einem 10-Punkte-Unternehmensplan.

  • Aktualisiert: 10.06.2012
  • Von Raoul Schwinnen
play Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat einen Plan ...

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke (55) ist derzeit nicht zu beneiden. Kaum ein Tag, an dem er nicht in irgend einer deutschen Postille Negativschlagzeilen über seine Marke lesen muss. Aber nicht nur die Medien, auch die Opel-Händler wettern gegen den Boss: Jaap Timmer, Vorsitzender des europäischen Opel-Händlerverbands Euroda sagte kürzlich in der deutschen «Automobilwoche»: «Wir haben zwar die richtigen Produkte, aber nicht die richtige Marktpositionierung.» Und bei seiner Rede an der ausserordentlichen Betriebsversammlung wurde Stracke von der Belegschaft gar ausgepfiffen.

Dabei tut der Mann sein möglichstes, damit Opel schnellstmöglichst wieder zur Profitabilität zurückkehren kann. Mit einem 10-Punkte-Plan will Karl-Friedrich Stracke seine Marke auf die Erfolgsstrasse führen. SonntagsBlick kennt die wichtigsten Eckpunkte, die der Opel-Vorstandsvorsitzende seinem Aufsichtsrat in diesen Tagen vorlegen wird. Der wohl wichtigste Punkt ist die geplante Produkt-Offensive. Mit bereits von Konzernmutter GM bewilligtem und zur Verfügung gestelltem Kapital wird Opel bis 2014 rund 13,2 Milliarden Franken in eine grosse Modelloffensive investieren. Stracke: «Wir fahren dabei eine klare Eroberungsstrategie und dringen in neue Segmente vor, die wir bislang nicht abdeckten.» Damit meint er den im Herbst startenden Kompakt-SUV Mokka, aber auch das Ende Jahr erhältliche neue Einstiegsmodell Adam oder ein komplett neues Cabrio. In den nächsten 18 Monaten will Opel zudem drei neue Motorgenerationen in den Verkauf bringen. «Das macht doch deutlich, welch hohes Tempo Opel bei der Produkterneuerung anschlägt», erklärt Stracke.

Daneben will er aber auch die Produktion auf Vordermann bringen. «Wir wollen», so Stracke, «in jedem einzelnen Werk einen 3-Schicht-Betrieb erreichen.» Und dazu fällte der Opel-Chef kürzlich die unpopuläre Entscheidung, die nächste Astra-Generation nur noch in zwei Werken (Polen und England), aber nicht mehr im Stammwerk in Rüsselsheim, zu fertigen. Was prompt zu heftigen Reaktionen in Deutschland führte – man befürchtet deshalb die Schliessung eines der drei deutschen Werke. Stracke: »Wirtschaftlich sind nur zwei Astra-Werke sinnvoll. Wenn wir aber diese zwei im 3-Schicht-Betrieb auslasten, sinken die Produktionskosten für die nächste Generation deutlich.« Natürlich bedauert Händler-Chef Jaap Timmer diese Entscheidung («ich fühle mit allen Mitarbeitern»), befürchtet aber – nach ähnlichen Erfahrungen in Belgien – durch die Verlagerung der Produktion ins Ausland keine negativen Kundenreaktionen. «Nach dem Aus für das Werk in Antwerpen stiegt der Absatz von Opel in Belgien gar», so Timmer.

Karl-Friedrich Stracke betont immer wieder, dass sein Unternehmensplan kein Sparplan sondern eine umfassende Strategie ist, »mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden.« Und er bleibt kämpferisch optimistisch: »Ganz egal, ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes werden wir damit bis 2016 unsere Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern."

autoscout24.ch

Alle Kommentare (1)

  • Tim  Egger , Wolhusen
    Solange das Mutterhaus divergierende Signale aussendet, ist unklar, was in 2-3 Jahren gerade Stand der "Strategie" ist. Wenn ich ein Auto einer anderen deutschen Marke kaufe, weiss ich mit höherer Sicherheit, ob in 5 Jahren noch eine offizielle Markengarage den Service ausführt.
    • 11.06.2012
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