Zum Empfang der automobilen Schönheiten auf dem Julierpass fährt Philippe Dehennin (56), CEO BMW Group Switzerland, im knallroten Mini vor. Wir durften auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.
Drei, zwei, eins – und los! Es bleibt hoffnungslos. In den ersten Haarnadelkurven vor dem Bündner Julierpass kann Philippe Dehennin noch mithalten. Doch dann zieht der Bentley Special N°1 von 1949 davon. Ist dessen Achtzylinder mit 180 PS erst mal auf Touren, hat Dehennins Mini mit dem Jahrgang 1974 keine Chance. Obwohl der Schweizer Chef von BMW und Mini wirklich gekonnt alles aus den 59 PS des kleinen Briten herausholt – wohlgemerkt mit 1,88 Meter Körpergrösse im Miniaturcockpit.
«Eigentlich bin ich ja einen Rechtslenker gewohnt», sagt Philippe Dehennin lachend. Der Belgier, seit Anfang Jahr CEO der BMW Group Switzerland, besitzt selbst so ein britisches Kultauto: einen Austin Mini Cooper Mark I von 1967. «In klassischem ‚Old English White’. Aber der rote Mini mit schwarzem Dach gefällt mir ausgezeichnet.»
Im historischen Mini geleitet der BMW-Chef eine Oldtimerrallye durch die Schweizer Etappe, und wir dürfen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Bei der „National Classic Tour“ fahren rund 40 wunderschöne Klassiker in einer Woche von Waterloo (B) nach Venedig (I). Darunter der Supersportler Porsche 904 GTS von 1961 oder ein seltener Jaguar XK 120 OTS von 1951. Die Tour ist aber keine reine Vergnügungsfahrt: Die Teams kämpfen in Zeitwertungen und bei Gleichmässigkeitsprüfungen um möglichst wenig Minuspunkte. Für Dehennin ist es ein Wiedersehen mit alten Freunden. Als damaliger Chef von BMW Belgien unterstützte er die Veranstaltung regelmässig – und kennt fast jeden im Oldtimertross. «Mitgefahren bin ich aber selber nie, ich habe lieber Kunden – oder Journalisten – Gelegenheit gegeben, so etwas zu erleben.»
Dehennin bremst ab und nimmt die nächsten Kurven gemütlich. Was sind seine Eindrücke der ersten Monate? «Die Bescheidenheit der Schweizer, aber auch den Sinn für Qualität schätze ich sehr.» Und Schwiizerdütsch. «Sehr charmant! Ich verstehe inzwischen fast alles und animiere meine Mitarbeiter, nicht wegen mir auf Hochdeutsch zu wechseln», sagt er lachend. Selber lernen aber will er es nicht: «Das Schweizerdeutsche gehört den Schweizern.» Obwohl der BMW-Chef sagt, dass sein Wechsel in die Schweiz das Beste sei, was ihm habe passieren können, gab es in den ersten Monaten doch ziemliche Turbulenzen. «Der Schweizer Markt ist extrem kompetitiv – das habe ich so nicht erwartet», sagt er. Die Rekordmillionenbusse der Wettbewerbskommission gegen BMW hat Dehennin fast etwas geschockt. «Wir bemühen uns, für Schweizer Kunden jederzeit möglichst gute Angebote zu machen.» Darum wird BMW im Juli die Schweizer Preise auch leicht senken. «So bleiben wir wettbewerbsfähig.»
Ungeachtet dessen ist die Begeisterung des Belgiers für die Schweiz gross. Als Dehennin über die Julierpasshöhe fährt, schwärmt er von Natur und Bergen. Die Alpen kennt er gar von oben: Der 56-Jährige hat den Pilotenschein. Er war in den 1980er-Jahren als Buschpilot in Afrika unterwegs und verbringt heute noch möglichst viel Zeit im Cockpit der Beechcraft Bonanza, die sich im Familienbesitz befindet.
Dieser Flieger mit Jahrgang 1966 ist ebenfalls ein Oldie. «Ich finde es wichtig, unsere Technikgeschichte zu pflegen», sagt Dehennin – und möchte das als Schweizer Chef von BMW hierzulande stärker unterstützen. Privat steht neben dem Mini übrigens ein weiteres Stück Autogeschichte in seiner Garage: ein BMW 2002 von 1973. «Mit dem fahre ich dann selber mal bei der ‚National Classic Tour’ mit – sobald ich die Zeit dazu finde.»
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