Schweizer BMW-Chef «Den Klassik-Mini fahre ich aus Leidenschaft»

Zum Empfang der automobilen Schönheiten auf dem Julierpass fährt Philippe Dehennin (56), CEO BMW Group Switzerland, im knallroten Mini vor. Wir durften auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.

  • Publiziert: 01.07.2012, Aktualisiert: 02.07.2012
  • Von Lorenz Keller (Text) und Giancarlo Cattaneo (Bilder)

Drei, zwei, eins – und los! Es bleibt hoffnungslos. In den ersten Haarnadelkurven vor dem Bündner Julierpass kann Philippe Dehennin noch mithalten. Doch dann zieht der Bentley Special N°1 von 1949 davon. Ist dessen Achtzylinder mit 180 PS erst mal auf Touren, hat Dehennins Mini mit dem Jahrgang 1974 keine Chance. Obwohl der Schweizer Chef von BMW und Mini wirklich gekonnt alles aus den 59 PS des kleinen Briten herausholt – wohlgemerkt mit 1,88 Meter Körpergrösse im Miniaturcockpit.

«Eigentlich bin ich ja einen Rechtslenker gewohnt», sagt Philippe Dehennin lachend. Der Belgier, seit Anfang Jahr CEO der BMW Group Switzerland, besitzt selbst so ein britisches Kultauto: einen Austin Mini Cooper Mark I von 1967. «In klassischem ‚Old English White’. Aber der rote Mini mit schwarzem Dach gefällt mir ausgezeichnet.»

Im historischen Mini geleitet der BMW-Chef eine Oldtimerrallye durch die Schweizer Etappe, und wir dürfen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Bei der „National Classic Tour“ fahren rund 40 wunderschöne Klassiker in einer Woche von Waterloo (B) nach Venedig (I). Darunter der Supersportler Porsche 904 GTS von 1961 oder ein seltener Jaguar XK 120 OTS von 1951. Die Tour ist aber keine reine Vergnügungsfahrt: Die Teams kämpfen in Zeitwertungen und bei Gleichmässigkeitsprüfungen um möglichst wenig Minuspunkte. Für Dehennin ist es ein Wiedersehen mit alten Freunden. Als damaliger Chef von BMW Belgien unterstützte er die Veranstaltung regelmässig – und kennt fast jeden im Oldtimertross. «Mitgefahren bin ich aber selber nie, ich habe lieber Kunden – oder Journalisten – Gelegenheit gegeben, so etwas zu erleben.»

Dehennin bremst ab und nimmt die nächsten Kurven gemütlich. Was sind seine Eindrücke der ersten Monate? «Die Bescheidenheit der Schweizer, aber auch den Sinn für Qualität schätze ich sehr.» Und Schwiizerdütsch. «Sehr charmant! Ich verstehe inzwischen fast alles und animiere meine Mitarbeiter, nicht wegen mir auf Hochdeutsch zu wechseln», sagt er lachend. Selber lernen aber will er es nicht: «Das Schweizerdeutsche gehört den Schweizern.» Obwohl der BMW-Chef sagt, dass sein Wechsel in die Schweiz das Beste sei, was ihm habe passieren können, gab es in den ersten Monaten doch ziemliche Turbulenzen. «Der Schweizer Markt ist extrem kompetitiv – das habe ich so nicht erwartet», sagt er. Die Rekordmillionenbusse der Wettbewerbskommission gegen BMW hat Dehennin fast etwas geschockt. «Wir bemühen uns, für Schweizer Kunden jederzeit möglichst gute Angebote zu machen.» Darum wird BMW im Juli die Schweizer Preise auch leicht senken. «So bleiben wir wettbewerbsfähig.»

Ungeachtet dessen ist die Begeisterung des Belgiers für die Schweiz gross. Als Dehennin über die Julierpasshöhe fährt, schwärmt er von Natur und Bergen. Die Alpen kennt er gar von oben: Der 56-Jährige hat den Pilotenschein. Er war in den 1980er-Jahren als Buschpilot in Afrika unterwegs und verbringt heute noch möglichst viel Zeit im Cockpit der Beechcraft Bonanza, die sich im Familienbesitz befindet.

Dieser Flieger mit Jahrgang 1966 ist ebenfalls ein Oldie. «Ich finde es wichtig, unsere Technikgeschichte zu pflegen», sagt Dehennin – und möchte das als Schweizer Chef von BMW hierzulande stärker unterstützen. Privat steht neben dem Mini übrigens ein weiteres Stück Autogeschichte in seiner Garage: ein BMW 2002 von 1973. «Mit dem fahre ich dann selber mal bei der ‚National Classic Tour’ mit – sobald ich die Zeit dazu finde.»

autoscout24.ch

Alle Kommentare (4)

  • Ryter  Kurt , Muri b. Bern
    Mein Mini war Maxi getunt. 1300 ccm, 2 x40-er Doppelwebervergaser mit Stahlwolleluftfiltern, Abgeschliffener Zylinderkopf zweck höherer Verdichtung, 4 separate Ein- und Auslasskanäle, getrennte Doppelrohr-Auspuffanlage. Damit wäre ich dem Bently nachgekommen. Leider war der Unterhalt zu teuer weil Kupplung zu schwach und etwa alle 6 Monate Pneuwechsel bei den kleinen 10 Zoll Rädern.
    • 02.07.2012
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  • Andreas  Mauthner
    Selber war - und bin es in der Zwischenzeit wieder - begeisterter Mini Fahrer. Der gezeigte Mini zeigte den Innocenti 1300. Der Mini Cooper 1967, so glaube ich mich zu erinneren, sah innen wie aussen etwas "anders" aus. Wer weiss mehr darüber?
    • 02.07.2012
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    • Esther  Arnold
      Hallo, das ist ein Mini Innocenti 1300 Jahrgang 1974.
      Ich hatte genau dieses Modell :-, dachte zuerst das ist mein ex-Mini.
      War ein tolles Auto!
      • 02.07.2012
      • als Kommentar auf Andreas  Mauthner
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    • Soccer  Juggle , Olten
      Ja, der Innocenti italienischer Mini ; war in der Innenaustattung anders aufgebaut. Vorallem das Armaturenbrett war breiter ausgelegt. Zudem war der Innocenti neben dem Cooper S zur damaligen Zeit der einzige Mini mit einem 1300er Motor und Doppelvergaser gewesen. Zusätzlich ist der Innocenti auch an den weissen Blickgläser zur erkennen. Meines Wissens ist es der einzige Mini aus dieser Zeit gewesen, welcher mit weissen Blinkgläser bestückt war.
      Ich hatte auch genau dieses Modell und denke noch heute gerne an die Zeit zurück, obwohl mich ich mit dem Kleinen einige Pannen hatte... ; Danach hatte ich noch 2 andere Minis Jg 1982 und Jg 2000. Rückblickend muss ich aber sagen, dass der Innocenti der schönste von allen war. :
      • 02.07.2012
      • als Kommentar auf Andreas  Mauthner
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