China Der verzweifelte Kampf gegen das Auto

China macht mobil – und die chinesischen Metropolen ersticken am Verkehrskollaps. Griffige Lösungen scheint es trotz etlichen Versuchen der Regierung nicht zu geben. Nun hofft man auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr.

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Ein Modell von Peking
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Der ständig zunehmende Mobilitätsdrang der insgesamt 1,3 Milliarden Chinesen stellt das Reich der Mitte vor schier unlösbare Probleme. Vor allem die jungen Chinesen wollen unbedingt ein Auto, je nach Einkommensklasse bevorzugt aus europäischer Produktion, um so den Mief des alten China los zu werden.

Des einen Freud, des andern Leid: So verhilft dieser Boom in China der bei uns seit Jahren kränkelnden Marke Smart zum endlich erhofften Aufschwung. «Seit 2009 haben wir in China 65'000 Smarts verkauft», freut sich Smart-Chefin Annette Winkler. Und in den nächsten zwei Jahren wird China wohl zum wichtigsten Smart-Markt werden. Auf der anderen Seite ersticken Chinas Megacities wie die Hauptstadt Peking oder Shanghai im ständig zunehmenden Individual-Verkehr. «Vor zwölf Jahren gab es in Peking vier Autobahnringe», erklärt Jeremiade Jenne vom Cultural Center «The Huton», das sich seit Jahren mit den städtebaulichen Entwicklungen in China befasst. «Bald wird nun der siebte Ring fertiggestellt und Peking im Süden mit Tianjin zusammengeschmolzen sein.»

Wer nach Fertigstellung den siebten Pekinger Autobahnring befährt, ist mehrere Stunden unterwegs. Der Weg mit dem Auto von der Pekinger Innenstadt ins Herzen des benachbarten Tianjin dauert bei illusorisch problemlosen Verkehrsverhältnissen für die rund 150 Kilometer Wegstrecke zwei Stunden. In der Praxis werden es aber meistens vier oder fünf. Denn die von der Regierung verhängten Lenkungsmassnahmen greifen zu wenig – oder gar nicht. Obwohl die Hürden für künftige Autobesitzer ständig grösser werden. So kostet je nach Stadtdistrikt ein Autokennzeichen mittlerweile selbst für einen Kleinwagen umgerechnet über 10'000 Franken, dazu darf jeder Chinese nur noch alle drei Jahre ein neues Auto anmelden, es gelten Fahrbeschränkungen (so dürfen z.B. Autos mit ungeraden Kennzeichen nur noch an ungeraden Tagen fahren) oder Shanghai vergibt monatlich «nur» noch 9000 neue Autonummern über ein Lotterie-System.

Dabei ist der permanente Stau für viele chinesische Autofahrer eigentlich noch das kleinere Übel. Noch weniger in den Griff zu kriegen ist dagegen die Parkplatz-Problematik in den Grossstädten. Denn trotz Fahrbeschränkungen müssen all diese Fahrzeuge auch irgendwo abgestellt werden. Kein Wunder, investieren Metropolen wie Peking gigantische Summen in den Ausbau des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, um die Strassen zu entlasten. So soll es bis 2020 alle 500 Meter eine U-Bahn-Station geben. Nach der Inbetriebnahme der U-Bahnen Ende der 1960er Jahre wurde die Bahn kaum ausgebaut. Dies geschah erst nach der Vergabe der Olympischen Spiele, die 2008 in Peking stattfanden. Doch nur sehr langsam gewöhnen sich die Einwohner Pekings an die U-Bahn. Und nur kurze Strecken in der City werden mit Bussen zurückgelegt. Da weichen eben viele doch lieber aufs Fahrrad oder den Elektro-Roller aus. Denn letztere sind – ebenfalls eine verzweifelte Massnahme des chinesischen Staats die Leute vom Auto wegzubekommen – zulassungsfrei.

Publiziert am 16.03.2015 | Aktualisiert am 16.03.2015
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