BMWs neue Antriebstechnologien Wasserstoff marsch!

Bei Hyundai und Toyota kann man sie schon kaufen. Andere Hersteller haben seriennahe Prototypen. Nun enthüllt auch BMW ein neues Versuchsfahrzeug mit Wasserstoffantrieb. SonntagsBlick erhielt in Südfrankreich exklusiv Einblick in die bayrische Forschungsarbeit.

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?

Top 3

1 Auto-Gadgets Lamborghini-Auspuff als Soundanlage
2 Mercedes: Scheinwerfer wird zum Beamer Film ab!
3 Ford Mustang aus fast 200'000 Lego-Steinchen Klotzen mit Klötzchen

News & Trends

teilen
teilen
31 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden

Miramas, eine beschauliche südfranzösische Kleinstadt nahe Marseille. Hier sollen die Weichen für die automobile Zukunft gestellt werden? Ja, zumindest jene von BMW. Die Bayern kauften 1986 eine stillgelegte Rennstrecke in der Nähe von Miramas und funktionierten sie zu einem riesigen Testgelände um. Seither führt BMW dort das ganze Jahr Erprobungen mit Prototypen und Vorserienfahrzeugen durch. Bei unserem exklusiven Besuch lautete das Thema: Antriebstechnologien der Zukunft.

Wasserstoff liefert Energie
Seit über 30 Jahren beschäftigt sich BMW mit Wasserstoff als Energieträger. Erste Fahrzeuge, bei denen Wasserstoff zur Umwandlung in Strom für einen elektrischen Antrieb genutzt wird, wurden bereits vor über 15 Jahren vorgestellt. In Miramas zeigen uns die Bayern gleich zwei umgerüstete 5er GT. Deren Herzstück ist das Brennstoffzellenmodul von Kooperationspartner Toyota, das den Verbrennungsmotor ersetzt. Hier entsteht durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff die Antriebsenergie für den neu entwickelten, 180 kW (245 PS) leistenden Elektromotor an der Hinterachse. Vorteil dieser «kalten» Verbrennung: Der Wirkungsgrad beträgt bis zu 65 Prozent, was rund 30 Prozent effizienter ist als bei konventionellen Aggregaten.

Fahrgefühl eines E-Autos
Im Cockpit des 5er GT macht nur ein roter Notausknopf und leicht geänderte Rundinstrumente mit riesiger Reichweitenanzeige darauf aufmerksam, dass wir in einem Versuchsfahrzeug sitzen. Ein Ingenieur begleitet uns auf der Teststrecke. Immer dabei: Ein Laptop, um allfällige Probleme des Systems zu erkennen. Reine Sicherheitsmassnahme, denn alles funktioniert einwandfrei. Da der 5er GT in seiner Funktionsweise im Prinzip ein E-Auto ist, surren wir aus dem Stand verzögerungsfrei los. Schon nach 8,4 Sekunden sind 100 km/h erreicht. Bremsen, Lenkung, Fahrwerk – alles wie in einem gewöhnlichen BMW.

Bis 700 Kilometer Reichweite
Eine der grössten Neuerungen befindet sich unterhalb des Mitteltunnels: Der von BMW selbst entwickelte Wasserstoff-Speichertank. Heutige Standard-Behälter lagern den gasförmigen Wasserstoff unter 700 bar Druck. So passen rund 3,5 Kilo des Treibstoffs rein. Bei der BMW-Lösung wird der Energieträger stark heruntergekühlt – auf Minus 220 Grad! Trotz deutlich weniger Druck (350 bar) passen so über 7 Kilo Wasserstoff in den mehrschichtigen Behälter. Die Reichweite steigt so um 50 Prozent auf bis zu 700 Kilometer. Der Tankvorgang, der uns an einer mobilen Wasserstofftankstelle demonstriert wird, dauert fünf Minuten und damit etwa so lange wie an einer konventionellen Zapfsäule.

Wasserstoff als Energiespeicher der Zukunft
Bei BMW ist man vom Erfolg des Wasserstoffantriebs überzeugt. Schon in wenigen Jahren könnten erste Serienfahrzeuge auf den Markt kommen, wenn sich die heute noch mangelhafte Infrastruktur bis dahin signifikant verbessert. Doch die Münchner räumen dem Speichermedium noch weiterreichende Fähigkeiten ein. «Mit der Energiewende wird Wasserstoff als Speichermedium unausweichlich», ist Matthias Klietz, Leiter Antriebsforschung bei BMW, überzeugt. «Um auch in wind- oder sonnenarmen Zeiten eine ausreichende Energieversorgung garantieren zu können, müssen gigantische Energiemengen zwischengespeichert werden. Diese Rolle könnte Wasserstoff übernehmen.»

Publiziert am 26.07.2015 | Aktualisiert am 26.07.2015

Wasser als Leistungsspritze

Die direkte Wassereinspritzung für aufgeladene Benzinmotoren ist eine weitere Technologie, die uns BMW in Miramas vorstellte. Ingenieur Werner Mährle erklärt: «Bei der Technik wird Wasser als feiner Sprühnebel direkt in die Brennkammer des Zylinders eingespritzt, wodurch die Verbrennungstemperatur gesenkt wird. Der frühere Zündzeitpunkt und höhere Ladedruck steigern die Motorleistung und das Drehmoment um bis zu zehn Prozent, während der Verbrauch um bis zu acht Prozent sinkt.» Der Clou: Je sportlicher das Auto bewegt wird, desto mehr Treibstoff wird eingespart, da die Wassereinspritzung erst ab einem gewissen Drehmomentbereich aktiv wird. Für die kühlende Einspritzung wird übrigens Wasser, das durch Verdunstung in der Klimaanlage anfällt, genutzt – ein Nachfüllen des Wassertanks ist daher überflüssig. «Die Technik wird definitiv kommen», verspricht Mährle, «wenn auch noch nicht heute oder morgen...»

teilen
teilen
31 shares
10 Kommentare
Fehler
Melden
Auf der BMW-Teststrecke in Miramas hatte SonntagsBlick-Autoredaktor Andreas Engel die Gelegenheit einen 5er GT zu fahren, der mit Wasserstoffantrieb ausgerüstet worden ist. play
Auf der BMW-Teststrecke in Miramas hatte SonntagsBlick-Autoredaktor Andreas Engel die Gelegenheit einen 5er GT zu fahren, der mit Wasserstoffantrieb ausgerüstet worden ist.
autoscout24.ch

10 Kommentare
  • Peter  Mayer 27.07.2015
    Die deutschen Autohersteller sind erbärmlich. Weil sie nicht mit Tesla konkurrieren können, versuchen sie das Rad neu zu erfinden oder ihr Ding als neues Rad zu verkaufen. Brennstoffzelle versuche gab es schon vor 15 Jahrenwird sich nie durchsetzen, Wasser Einspritzung schon länger. Das ist reine PR, BMW, VW und Co wollen gar nichts anderes als Benzin/Diesel verbauen weil das für sie einfacher ist.
    • Horst  Schlemmer aus Einsiedeln
      27.07.2015
      Also ich sehe hier nur einen erbärmlichen kommentar.
      keine ahnung von der materie und die gelegenheit nutzen gegen die deutschen zu motzen.
      ich schlage vor, sie kaufen ein schweizer fabrikat oder eben einen tesla...
  • Walter  Nef aus Niederweningen
    27.07.2015
    Wassereinspritzung hat NICHTS zu tun mit Wasserstoffmotor!
    Beim Jumbo 747- 200 wurde die Wassereinspritzung NUR zur Kühlung beim take-off eingesetzt ,das selbe wie in den 80 er Jahren bei den Formel 1 Turbos auch um die Temperaturen in den Griff zu bekommen.
    Hingegen bei Wasserstoffmotoren wird Wasserstoff als Energieträger benutzt der rund das doppelt an Energie hat als Benzin oder Diesel.
    Also bitte nicht Kraut und Rübli vermischen.
  • John   Kling aus venosa
    27.07.2015
    Wasserstoff ist die Energiegewinnung des nächsten Jahrhunderts.
    • christian  Gloor 27.07.2015
      Gewonnen wird leider nichts. Obwohl die Umwandlung von Energie in Wasserstoff und zurück in den letzten Jahren fortschritte erfahren haben, so sind diese doch ziemlich klein. Die Umwandlung von Energie - Wasserstoff - Energie verbraucht ca. 50 Prozent der Energie. Ausserdem ist die Speicherung auch nicht ganz ohne. Das heisst nicht das Wasserstoff nicht zur Speicherung verwendet werden kann. Aber sie ist nicht die Eierlegende Wollmilchsau wie gerne behauptet.
  • Edi  Rama aus Baden
    26.07.2015
    Bravo BMW. Der Tesla ist gut und schön, doch lange Distanzen machen Probleme. 1 kg Wasserstoff für 100km, das nenne ich Effizient. Man kann sagen was man möchte, BMW ist und bleibt die No.1 in Innovationen. Wasserstoff wird das Erdöl ersetzten. Ich glaube die Öligarchen haben zu viel Macht im Moment. Ich fahre mittlerweile meinen 2ten BMW nach 2 Fehlkäufe bei Audi. Man muss sie nur gut behandeln regelmässig Pflegen und sie bringen dir Freude am Fahren, sind wahre Dauerläufer.
  • Horst  Schlemmer aus Einsiedeln
    26.07.2015
    Der Tesla ist viel sportlicher, oder liebe teslafans?
    BMW macht es richtig und sucht echte massentaugliche alternativen und keine eintagsfliegen für möchtegerne mit grossen geldbörsen und kleiner weitsicht...
    • christian  Gloor 27.07.2015
      Der Toyota Kostet 67000, der kleinste Tesla 71000. BMW ist auch nicht unbedingt für die billigen Autos bekannt also wird ihr Modell eher nicht billiger werden. Auch braucht die Umwandlung von Wasserstoff ca. 50 Prozent der Energie auf, dafür brauchen sie nur relativ kleine Batterien. Und auch hier gibt es ein kleines Henne-Ei Problem mit den Tankstellen. Aber Konkurzenz belebt das Geschäft. Ich warte schon seit 20 Jahren auf ein Seriengefertigtes Wasserstoffauto.