Bei Emissionstests getrickst VW droht Milliardenklage – eine Branche steht unter Verdacht

Der VW-Konzern steht unter Verdacht, in den USA die Emissionswerte bei einer halben Million Fahrzeugen manipuliert zu haben. Die Behörden ermitteln und VW droht eine Milliardenklage. Doch mittlerweile steht eine ganze Branche unter Verdacht.

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20 neue Elektro- und Plug-in Hybridmodelle versprach VW-Boss Martin Winterkorn an der IAA bis Ende 2020. Doch VWs Image als umweltbewusster Autohersteller bröckelt jäh dahin: Die US-Umweltbehörde EPA und der California Air Ressources Board beschuldigen die Deutschen, bei Emissionstests getrickst zu haben. Bei Nachuntersuchungen wurde eine illegale Software nachgewiesen, die sich bei offiziellen Messzyklen einschaltet und die Abgaswerte senkt. Gemäss EPA überschritten die Stickstoffoxide bei einer Nachprüfung die Vorgaben um ein 40-Faches! Somit wird nun erstmals belegt, was lange schon vermutet wurde und was SonntagsBlick (siehe links) schon früher geschrieben hatte.

Konkret betroffen sind rund eine halbe Million VW-Dieselfahrzeuge, die seit 2008 in den USA verkauft wurden. Die EPA verlangt nun, dass die illegale Software umgehend entfernt und die Abgassysteme überarbeitet werden. Das Ganze hat für VW einen herben Image-, aber auch Kostenschaden zur Folge. Denn nebst den hohen Rückruf- und Instandsetzungskosten droht eine Milliardenklage: die Bussgelder können bis 37'500 Dollar pro Fahrzeug betragen, was eine Gesamtbusse von rund 18 Milliarden Dollar bedeuten würde.

VW gibt die Vorwürfe übrigens zu. «Ich persönlich bedaure zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben», sagte Winterkorn. Ob nur VW oder auch andere Autohersteller tricksten, ist noch nicht bekannt. Und diese wollen oder können sich auch noch nicht äussern. So sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern Abend gegenüber «der Zeit» nur: «Es ist noch zu früh, um die Sache zu bewerten. Ich weiss viel zu wenig über den Fall, um zunächst mal beurteilen zu können, wie gerechtfertigt der Vorwurf VW gegenüber ist und ob wir zu hundert Prozent und in jeder Betrachtungsweise davor völlig sicher sein können.»

Bereits droht VW und der gesamten Autobranche auch in der Heimat Ungemach. So fordert der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, die Praxis von Abgastests in Europa zu untersuchen. «Jetzt müssen auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgaukelt.» Immerhin: Abhilfe gegen verfälschende Manipulationen in Europa könnte das neue Messverfahren «World Harmonized Light Vehicles Test Procedure» (WLTP) schaffen, das in zwei Jahren eingeführt werden könnte. Beim WLTP wird mit höheren Tempi und stärkeren Beschleunigungen gefahren, was die Werte näher an die Realität führen und Softwaremanipulationen ausschliessen soll.

Publiziert am 21.09.2015 | Aktualisiert am 21.09.2015
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autoscout24.ch

7 Kommentare
  • Delta  Tesla 22.09.2015
    Das kann Tesla immerhin nicht passieren ausser es kommt einmal raus, dass die Akkus doch giftiger sind als angenommen... Wieso aber gerade nur bei VW hingeschaut wird, ist mir schleierhaft. Es haben nahezu alle Hersteller die Werte "getürkt"! Damit nicht nur die USA finanziell absahnen, empfehle ich der EU-Komission mal die Fords und Dodges genauer zu inspizieren.
  • John  Livers aus St.Gallen
    21.09.2015
    Da freut sich Uncle Sam, diese Milliarden Busse schwemmt wieder viel Geld in den Staatssäckel, ob Autos, Chemie, Banken und Versicherungen alles bringt den USA viel Geld.
  • Felix  Egolf aus CHAM
    21.09.2015
    Als Hypermiler teste ich oft neue, effiziente Diesel, Elektro und Plug-In Hybridfahrzeuge, vorzugsweise asiatischer Hersteller. Dabei mache ich ausnahmslos die Erfahrung, dass sich die Norm Verbrauchswerte in der Praxis unterbieten lassen sofern man vorausschauend und effizient fährt. Dies gilt auch für ältere VW Dieselfahrzeuge. Erstaunlich ist jedoch, dass deutsche Hersteller in jüngerer Zeit bei Praxis Effizienztest eine grosse Zurückhaltung üben.
    • M  Müller aus Zürich
      21.09.2015
      Absolut ihrer Meinung! Es braucht aber Disziplin und Voraussehendes verhalten. Das ist natürlich etwas anspruchsvoller als bei einem V8 hirnlos mit 200gr. Fussdruck auf das Gas zu drücken - das wird dann noch als sportlich bezeichnet - 200gr.!
    • Christian  Krieg aus Regensdorf
      21.09.2015
      Es geht hier um Emission, nicht Verbrauch, nur so als Erinnerung. VW macht den Fehler, Schummelei einzugestehen, wenn das Verfahren doch erst angefangen hat. Ein versierter Anwalt würde wohl auf die verbreitete Praxis der angepassten Werte hinweisen. Aber ihre Feststellung stimmt schon. Wenn ich sehe, wie die Leute mit Vollgas aufs Rotlicht zurasen, um dann eine Vollbremsung einleiten zu müssen, kann ich nur den Kopf schütteln. Ist wohl zur Aufmöbelung des lädierten Egos.
    • Thomas  Maeder 21.09.2015
      Der Verbrauch ist eines, die Abgaswerte etwas anderes. Ein Auto kann einen tiefen Verbrauch haben, aber gleichzeitig sehr viel besonders schädliche Abgase und Russpartikel produzieren. Wenn die Elektronik den in den USA vorgeschriebenen Prüfzyklus erkennt, kann sie auf ein mageres Benzingemisch umstellen, das die Motorleistung senkt die bei der offiziellen Abgasprüfung keinen interessiert, aber weniger schädliche Abgase produziert.
    • Raphael  Bucher aus Schüpfheim
      22.09.2015
      Es geht hier aber nicht um den Verbrauch der Fahrzeuge oder den CO2-Ausstoss. Es geht um Abgaswerte, im konkreten Fall NOX. Man merke: ein moderner Dieselmotor kann den Verbrauch per Software optimieren, dann ist er aber eine Dreckschleuder NOX und Russ. Oder er kann den Verbrauch drosseln und erreicht die vorgeschriebenen Abgaswerte NOX und Russ. Beides geht mit den überzüchteten Turbomaschinen nicht. Deshalb betrügt VW. Und die Kommentarschreiber nehmen diese Firma noch in Schutz?