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1955 blätterten Privatfahrer wie James Dean für einen Porsche 550/1500RS rund doppelt so viel hin wie für einen Strassen-356-er. Und erhielten einerseits weniger und andererseits mehr. Nur 550 kg brachte der serienmässige Rennsportwagen mit Strassenzulassung auf die Waage, 110 PS lieferte der Mittelmotor – im Gegensatz zum normalen Strassensportwagen verfügte der Rennwagen über keinen Heckmotor – mit Doppelzündung und zwei durch Königswellen angetriebenen Nockenwellen.
Komfort aber gabs kaum, nicht mal einen Kofferraum und nur minimalen Wetterschutz. Dafür aber hervorragend wirksame (Trommel-) Bremsen und ein rennsportmässiges Fahrverhalten, trotz nicht ganz verwindungssteifem Chassis.
Beeindruckende Fahrleistungen
Dank tiefem Gewicht und hoher spezifischer Leistung erreichte der kleine Porsche 550 Fahrleistungen, die sonst nur wesentlich grössere und stärkere Fahrzeuge schafften. In rund 9 Sekunden beschleunigte der Spyder von 0 bis 100 km/h, das war 1955 eine Spitzenleistung, vor allem in der 1500-er-Klasse. Rund 220 km/h schnell war das Auto und damit das Fahrzeug, das zu schlagen war.
Die Rennerfolge sind mehr als beeindruckend. Unter Piloten wie Richard von Frankenberg, Paul Frère, Hans Herrmann, Karl Kling oder Huschke von Hanstein errang der Porsche Spyder vorderste Plätze und (Klassen-) Siege in Le Mans, auf der Avus, bei der Carrera Panamericana, an der Mille Miglia und in Sebring, um nur einige Beispiele zu nennen. Der grösste Erfolg war wohl der Gesamtsieg an der Targe Florio durch Umberto Magliali auf dem 550A im Jahre 1955.
In seiner Klasse war das Auto beinahe unschlagbar, aber auch viel grössere und stärkere Fahrzeuge mussten den leichten Porsche fürchten. James Dean hatte also einen guten Griff getan, als er den Kaufvertrag für Chassis-Nummer RS550-0055 unterschrieb.
Renntechnik vom Feinsten
Minimales Gewicht und geringer Luftwiderstand, nach diesen Zielsetzungen entstand unter Wilhelm Hild der Porsche 550 Spyder. Über einem Leichtmetall-Flachbettrahmen schwang sich eine von windschlüpfrige Aluminium-Karosserie, deren hinteres Ende zwecks Zugang zum Motor auf geklappt werden konnte. Für Fahrer und Beifahrer blieb ein Minimum an Platz. Die Aufhängungen stammten aus dem Standard-Repertoire des Hauses Porsche und erinnern an den VW Käfer: Kurbellenkerachse vorne, Pendelachse hinten.
Höchste Sicherheit
Die Automobil-Revue, die im Jahre 1955 einen Porsche 50/1500RS einem Kurztest unterziehen konnte, war voll des Lobes: “Einmal ist der Porsche 550 unter Einschluss sämtlicher Klein- und Mittelklassewagen eines der am leichtesten zu fahrenden Automobile, welcher der ‘AR’ je begegnete. Zweitens verfügt der Porsche 550 beim Bremsen, in der Kurve und in kitzligen Verkehrssituationen über eine Sicherheitsmarge, wie wir sie bei keinem anderen Wagen übertroffen fanden”.
Diesem Urteil stimmten allerdings die damaligen Rennfahrer nicht vollständig bei. Hans Herrmann zum Beispiel monierte die “leichte” Vorderachse und das Gefühl, dass das Auto gar nicht am Boden sei. Viele Rennfahrer gewöhnten sich mit dem 550 einen “sägenden” Fahrstil an. Mit kleinen ruckartigen Lenkbewegungen wurde das Fahrzeug in die Kurve zu zu einem leicht zu kontrollierenden Übersteuern gebracht.
Nur 90 Stück gebaut
Von 1953 bis 1957 entstanden 90 Porsche 550/1500 RS und 550A/1500 RS. Für einen Rennwagen war das ein beachtenswerter Ausstoss. Die meisten Fahrzeuge wurden im Rennsport eingesetzt und kaum einer kam ohne Feind- oder Streckenbegrenzungsberührungen durchs Leben. Viele wurden restauriert und bei manchem der Wagen ist wohl nur noch ein geringer Teil so, wie der Wagen die Fabrik verlassen hatte.
Die geringe Menge bewirkt hohe Preise. Für ein Fahrzeug mit interessanter Renngeschichte sind schnell mal über 1 Million Schweizer Franken fällig, aber auch weniger prominente Exemplare wechseln für nur unwesentlich weniger Geld den Besitzer, wenn überhaupt einmal eines der Originale auf den Markt kommt. Der Glückliche ersteht mit dem Spyder ein Rennfahrzeug, mit dem er trotz beträchtlichem Getöse auf der Strasse fahren darf und an den meisten Prestige-Veranstaltungen gerne gesehen ist.
Mehr Kopien als Originale
Die Attraktivität des Fahrzeugs und die relativ simple Konstruktion hat zu vielen Nachahmungen unterschiedlicher Güte geführt. Heute sind auf unseren Strassen wesentlich mehr Kopien als Originale unterwegs, ein Faktum das der Porsche 550 auch mit anderen Rennikonen wie dem Bugatti T35 oder dem Lotus Eleven teilt. Das Fahrvergnügen dürfte allerdings auch mit einer gut gemachten Kopie nur unwesentlich geschmälert sein.
James Dean wollte mit seinem Porsche Spyder beim Rennen in Salinas in Kalifornien antreten und war auf Achse unterwegs dahin, als ihn das Glück verliess. Mit dem 550 hätte er gute Chancen auf einen vorderen Platz gehabt.