Er ist das Original, der Klassenbegründer und Primus an der Verkaufsfront. Am 17. November rollt die neue, siebte Generation des VW Golf an. SonntagsBlick-Autochef Urs Bärtschi fuhr ihn bereits.
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VW-Boss Martin Winterkorn
Ach, wie hat sich VW-Boss Martin Winterkorn vor vier Jahren mit dem Golf VI schwer getan. Das Design, die Wertigkeit und auch die Rendite überzeugten den Konzernchef so wenig, dass er die Präsentation verschob. Chefdesigner Walter Maria de Silva musste erneut ans Zeichenbrett, und in Rekordzeit wurde auch die Wertigkeit verbessert. Richtig zufrieden schien der VW-Boss aber nie.
Ganz anders jetzt beim Golf VII: «Das ist mein Baby. Der Golf VII ist der starke Motor für Absatz, die Rendite und sichere Arbeitsplätze. Er übertrifft selbst die hohen Erwartungen, die er erfüllen muss», lässt sich der stolze 65-Jährige zitieren. «Dieses Auto ist nicht nur der schönste, beste und grünste Golf aller Zeiten. Er macht auch mehr Spass zum Fahren», schliesst er seine Lobeshymne.
Ich nehme den Hochgelobten genauer unter die Lupe. Nein, keine Revolution: Golf bleibt Golf, und das ist Teil des Erfolgsrezepts. Mit 4,25 Meter wird er fünf Zentimeter länger sowie einen Hauch breiter und tiefer – und klar kantiger und dadurch optisch sportlicher. Tatsächlich spüre ich mehr Luft für Beine und Schultern. Der Laderaum (380 bis 1270 Liter) ist sehr gross und schluckt sogar zwei Golfsäcke. Und: So edel war noch kein Golf, das hat fast Oberklassequalität. Das Cockpit ist zum Fahrer geneigt; eine Armada an (aufpreispflichtigen) Assistenzsystemen sorgt für Sicherheit (z.B. Abstandsradar). Highlight ist der 8-Zoll-Bildschirm, den ich wie ein Smartphone per Touch, Wischen und Fingerspreizen steuere, und der in den Bedienmodus schaltet, sobald ich die Hand annähere! Trotzdem ist der VW 100 Kilo leichter, was seinen Durst um bis zu 0,3 l/100 km senkt.
Auf der Probefahrt empfinde ich den Neuling als etwas fahraktiver und gleichzeitig komfortabler. Die Lenkung arbeitet spürbar präziser, und dank Elektronik scheinen die Antriebsräder buchstäblich auf der Strasse zu kleben. Mich überzeugt auch die adaptive Fahrwerksregelung DCC, die mit der Fahrprofilauswahl die Programme «Eco», «Normal», «Sport», «Individual» und «Comfort» parat hält. Im Fahrprofil “Eco“ werden Motorsteuerung, Klimaanlage und weitere Nebenaggregate besonders verbrauchsgünstig. Überhaupt ist der Antrieb modern. Anfangs vier Benziner (85, 105, 122, 140 PS) und zwei Diesel (105, 150 PS), wobei erst der starke Diesel als 4x4 kommt. Weitere Modelle folgen 2013. Sehr interessant ist der 1,4-Liter-Turbo mit 140 PS und Zylinderabschaltung: Bei geringer Last klinken sich zwei der vier Zylinder automatisch aus, was 0,5 l/100 km sparen soll. Mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe soll das rassige Triebwerk (100 km/h in 8,4 s, Spitze 212 km/h) nur 5,0 l/100 km brauchen. Ein Kraftprotz ist der 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS – mehr braucht es gar nicht.
Unter dem Strich keine Überraschung: Der VW Golf bleibt auch in der siebten Generation das Mass der Dinge. Auch beim Preis. Zurzeit ist erst der Basispreis von 24 400 Franken bekannt. Damit ist er nicht teurer als der Vorgänger. Trotzdem enttäuschend, denn VW baut den Golf VII um 20 Prozent günstiger als den Golf VI. So oder so: Ein Bestseller wird sicher auch die Nummer Sieben werden.
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