Nissan BladeGlider: Probefahrt Eine fixe Idee

Eine Proberunde im exklusiven Prototypen Nissan BladeGlider zeigt, dass auch sportliche Misserfolge durchaus reife Früchte tragen können. Der dreisitzige Elekroflitzer überzeugt mit scharfem Design, Leistung und Komfort.

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Beim 24 Stundenrennen von Le Mans sorgte Nissan 2012 mit dem Delta Wing für Aufsehen. Der über keinerlei Flügel verfügende Rennbolide war vorn nur 60 Zentimeter schmal, hinten aber 1,70 Meter breit. Angetrieben wurde er von einem 1,6-Liter-Vierzylindermotor mit 300 PS.

Im Jahr 2012 startete Nissan mit dem Delta Wing beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. play
Im Jahr 2012 startete Nissan mit dem Delta Wing beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Werk

Ins Ziel kam der Delta Wing damals aufgrund eines Unfalls mit einem Konkurrenten zwar nicht, doch blieb die Idee des luftwiderstandsoptimierten Rennwagens mit geringem Reifenverschleiss im Hinterkopf der Nissan-Ingenieure. Und so dreht nun vier Jahre später ein Prototyp einer möglichen Strassenversion mit reinem Elektroantrieb im modifizierten Kleid des Delta Wing erste Proberunden.

Vom Le-Mans-Renner inspiriert entstand nun der Prototyp BladeGlider. play
Vom Le-Mans-Renner inspiriert entstand nun der Prototyp BladeGlider. Werk
Eine neue Autowelt

SonntagsBlick ist bei einer solchen Prototypen-Testfahrt dabei – und staunt über den bequemen Einstieg in den 4,30 Meter langen Dreisitzer. Die zwei hinten angeschlagenen Türen öffnen praktisch und spektakulär nach oben. Während ich mittig im recht eng geschnittenen Cockpit Platz nehme, bleiben für zwei Mitfahrer rechts und links dahinter bequeme Einzelsitze.

Für SonntagsBlick konnte Marcel Sommer eine Runde im einzigartigen Flitzer drehen. play
Für SonntagsBlick konnte Marcel Sommer eine Runde im einzigartigen Flitzer drehen. Werk

Gibts also für Passagiere ausreichend Platz, mangelt es an Bord des BladeGliders genannten Prototypen dafür an manch anderen Dingen. So fehlen neben dem Dach auch Seitenspiegel. Sie wichen Kameras, die ihr Bild auf zwei Bildschirme im Innenraum projizieren. Auf den Monitoren im Lenkrad und im Armaturenbrett werden Daten wie Drehmoment, Tempo, Batterieleistung usw. angezeigt. Über das an die Formel 1 erinnernde Lenkrad lassen sich zudem zahlreiche Einstellungen (z.B. Traktionskontrolle oder Fahrmodi) vornehmen.

Der BladeGlider ist ein Dreisitzer, wobei der Fahrer alleine sitzt und die Passagiere leicht versetzt hinter ihm. play
Der BladeGlider ist ein Dreisitzer, wobei der Fahrer alleine sitzt und die Passagiere leicht versetzt hinter ihm. Werk
Darfs etwas cooler sein?

Nun fixierte ich den Vierpunkt-Gurt, starte den Motor und stelle über die Schaltwippe die Härte der Rekuperationsleistung ein. Los geht’s! Natürlich fast geräuschlos. Denn im Gegensatz zum Delta Wing mit seinem 300 PS-Benziner wird der BladeGlider rein elektrisch angetrieben. Zwei Elektromotoren – einer für jedes Hinterrad – leisten 268 PS und imposante 707 Newtonmeter.

Das einzige Geräusch, das zu hören ist, ist die Luftkühlung, die hart für die ideale Arbeitstemperatur der Batterie mit fünf Modulen kämpfen muss. Ein Grund, weshalb die Batterie so viel Kühlung benötigt, liegt vermutlich auch am mit 1300 Kilo sehr stattlichen Gewicht des Prototypen. Doch sind die Kilos erst mal in Schwung, gibts kaum noch ein Halten.

Grüner Sportler

Dank der vom Delta Wing adaptierten, schmalen vorderen Spur und einer in mehreren Einstellungen bis zum Driftmodus konfigurierbaren Traktionskontrolle, drängt der Nissan BladeGlider weder über die 175er 17-Zöller an der vorderen Achse, noch drückt er das Heck mit seinen 19 Zoll grossen und 265 Millimeter breiten Hinterreifen übermässig nach aussen.

Im stark reduzierten Cockpit gibt es links und rechts je einen Bildschirm statt der Aussenspiegel. play
Im stark reduzierten Cockpit gibt es links und rechts je einen Bildschirm statt der Aussenspiegel. Werk

Ein Unter- oder Übersteuern scheint es bei diesem Spassfahrzeug nicht zu geben. Dafür jede Menge Leistung – bis zu einer Spitze von über 190 km/h. Dass dies bei Elektroautos nicht immer Sinn macht, zeigt der Serien-Bruder Nissan Leaf. Weil aber eines der Einsatzgebiete des BladeGliders gemäss Nissan-Chef Carlos Ghosn auch Rennsportserien wie die Formel E sein könnte, muss die Höchstgeschwindigkeit natürlich ein Thema sein.

Die Traktionskontrolle lässt sich bis zum Driftmodus konfigurieren. play
Die Traktionskontrolle lässt sich bis zum Driftmodus konfigurieren. Werk
Das Akku-Geheimnis

Mithilfe einer 40 Kilowatt-Schnellladestation lässt sich die BladeGlider-Batterie, deren Grösse Nissan noch nicht verraten will, innerhalb von 40 Minuten von 20 auf 95 Prozent laden. Dass wir mit etwas Rechnen aus dieser Angabe auf die korrekte Batteriekapazität schliessen könnten, weiss auch Gareth Dunsmore, Direktor für die E-Fahrzeuge von Nissan in Europa, und versucht deshalb zu verschleiern: «Ladestation und BladeGlider kommunizieren während des Ladevorgangs miteinander. Wir laden nicht zu jedem Zeitpunkt mit derselben Leistung.» Weil aber die nächste Leaf-Generation mit einer bis zu 60 Kilowatt grossen Batterie auf den Markt kommen wird, dürfte jene des BladeGliders über eine ähnliche Kapazität verfügen.

Der Akku des Elektroflitzers lässt sich dank Schnellladestation innerhalb von 40 Minuten bis zu 95 Prozent laden. play
Der Akku des Elektroflitzers lässt sich dank Schnellladestation innerhalb von 40 Minuten bis zu 95 Prozent laden. Werk

Doch all das muss uns heute noch gar nicht interessieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass der BladeGlider nämlich in dieser Form jemals auf den Markt kommt, liegt laut Dunsmore praktisch bei Null. Andererseits lassen sich bei entsprechendem Medien- und Öffentlichkeitsecho solche Entscheidungen auch ganz schnell wieder umstossen.

Publiziert am 20.08.2016 | Aktualisiert am 20.08.2016
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