Exklusiv: Mit dem Bentley Bentayga in der Wüste Da wird der Scheich bleich

Was in USA der Rubicon Trail für «normale» Geländefahrer, ist die Big Red Dune bei Dubai für alle Wüstenfüchse – DIE Herausforderung schlechthin. Mit Bentley-Entwicklungsvorstand Rolf Frech stelle ich mich am Steuer des Prototyps des ersten Bentley-SUV Bentayga der sandigen Challenge.

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Eine Stunde dauert die Fahrt auf dem mit Sandverwehungen gespickten Asphaltband von Dubai ins sandige Nirgendwo. Unterwegs erklärt mir Bentley-Entwicklungsvorstand Rolf Frech den Bentayga – den ersten SUV der Bentley-Geschichte und der Megaluxusliga. Nur logisch, dass der rund 5,15 Meter lange, knapp 2,4 Tonnen schwere Koloss mit dem 600-PS-Zwölfzylinder alles Dagewesene übertreffen soll, ja muss. Frech: «Er muss in allen Situationen souverän sein.» Auf der Strasse ist er das. Mit seinen Werten (0-100 km/h unter 5 s, Spitze knapp 300 km/h) stellt er etwa den Porsche Cayenne Turbo S in den Schatten – und mit dem markentypischen Luxus mit viel Leder, Chrom und Holz kann es derzeit kein anderer Offroader aufnehmen. Aber wie wird sich dieser Luxuskoloss auf seinen riesigen 21-Zoll-Rädern im Gelände – hier bei den Scheichs in den Sanddünen – schlagen?

Wir biegen von der Strasse ab und wollen «quersandein» über die weite Hügellandschaft zum Haupthindernis, der legendären Big Red Dune. Doch zuerst reduzieren unsere einheimischen Helfer beim kurzen Boxenstopp den Luftdruck der Serienpneus auf ein Bar. Frech erklärt: «Jeder unserer SUV aus dem Volkswagen-Konzern muss die Red Dune schaffen.» Die Vorgabe ist also klar. Ich gestehe Frech, dass ich nie zuvor Dünen hochgefahren bin. «Einmal ist das erste Mal», entgegnet er nur. Und los: Schnell merke ich, dass auf Sand andere Gesetze als sonst im Gelände gelten. Ähnlich wie auf Schnee muss man den Schwung nutzen, darf aber nicht brüsk bremsen – sonst gräbt sich das schwere Auto sofort im losen Sand ein. Frech, der solche Erprobungsfahrten kennt, rät: «Flache Wellen vorsichtig überfahren, sonst hebelt es das Fahrzeug aus. Dann aber beherzt die Steigung hochfahren und vor der Kuppe genau im richtigen Moment vom Gas – nicht zu früh, sonst bleibt man davor hängen, aber auch nicht zu spät, sonst springt man darüber und zerstört dabei das Auto

Erster Versuch: Vorsichtig starte ich, gebe dann Gas und erklimme den Sandhügel, nehme aber im losen Sand zuviel Gas weg – und schon stecke ich mit durchdrehenden Rädern fest. «Sch...», fluche ich. Ich schwitze; nicht nur wegen der im Display angezeigten 53,5 Grad Aussentemperatur. Und zu allem Elend versagt prompt die Klimaanlage ihren Dienst. «Das kennen wir leider», gesteht Frech, auf dem Beifahrersitz nun ebenfalls aus allen Poren schwitzend: «Daran müssen wir noch arbeiten.» Lächelnd ergänzt er: «Aber alles, was wir jetzt hier erleiden, muss unser Kunde später nicht mehr.» Mittlerweile hat uns ein Nissan Patrol (!) aus dem Sand gezogen. «Kommen Sie nicht weiter hoch», rät Frech, «dann ja nicht auf die Bremse. Sondern blitzschnell die Lenkung nach links oder rechts und mit Vollgas und Schwung das Heck herumwerfen. Andernfalls graben Sie den Bentayga so tief ein, dass wir ihn nur noch mit Schaufeln ausbuddeln können. Und das möchten wir uns doch», und blickt auf die Temperaturanzeige, «ersparen, oder?» Aha, der Druck steigt sanft, denke ich bei mir.

Zweiter Versuch: Nun schaffe ich drei Viertel der Steigung – aber es reicht immer noch nicht. Räder einschlagen, Vollgas! Das Heck schwingt herum, begleitet von einer riesigen Sandfontäne. Wieder nicht geschafft, aber nicht eingebuddelt. Ein Fortschritt. Langsam kehre ich zum Ausgangspunkt zurück. Frech: «Übung macht den Meister.» Mit anderen Worten: Es liegt am Fahrer, nicht am Fahrzeug.

Dritter Versuch: Erst sanft, dann brutal mit Vollgas und dem ganzen Drehmoment steil die Düne hoch. Und diesmal schaffe ich die Kuppe! Freudengebrüll im Fahrzeug. Aber Achtung: Jetzt in der Euphorie keinen Fehler machen – sanft statt abrupt bremsen. Nicht, dass ich den 2,4-Tonnen-Koloss doch noch versenke. Dann trotz Wind und somit Sand im Gesicht kurz aussteigen und ein Beweisfoto schiessen. Am Ende gehts vorsichtig wieder die «grosse rote Düne» hinab. Im Gegensatz zum «normalen» Gelände muss man in den Dünen abwärts bremsen, aber darf dazu nicht gegenlenken – beim Bentayga übernimmts auf Wunsch, kein Scherz, ein «Sandprogramm» (es gibt vier Offroad-Modi) als automatische Hilfe.

Zurück am Ausgangspunkt grinst der Bentley-Entwicklungsvorstand schelmisch: «Das war der erste Teil. Aber jetzt fahren wir die Düne von der rückwärtigen, schwierigeren Seite!» Um die Geschichte abzukürzen: Beim zweiten Versuch war – unter Applaus der einheimischen Helfer – auch diese Hürde geschafft. Und Respekt schwang in deren Stimme mit, als sie uns danach lobten: «Wir hätten nicht gedacht, dass Sie das schaffen.» Ein grösseres Kompliment für den Bentayga als jenes der örtlichen Wüstenfüchse gibts wohl nicht.

Publiziert am 12.07.2015 | Aktualisiert am 13.07.2015

Das Fahrzeug: Bentley Bentayga

An der IAA Frankfurt Mitte September feiert der Bentley-SUV Bentayga seine Weltpremiere. Die Auslieferung des ersten SUV der VW-Luxustochter startet im Februar 2016. Anfangs gibts den auf dem neuen Audi Q7 basierenden Bentayga nur mit dem überarbeiteten Sechsliter-W12. Dieser soll gemäss Bentley trotz rund 600 PS und 900 Nm dank Zylinderbank-Abschaltung und Stopp-Start-Automatik mit knapp elf Litern auskommen. Später folgen noch ein 4,2-Liter-V8-Diesel und ein Plug-In-Hybrid. Den Bentayga kann man entweder mit vier Einzelsitzen oder als Fünfplätzer mit umklappbaren Rücksitzen oder aber 5+2-Sitzer bestellen. Die Preise verrät Bentley noch nicht.

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8 Kommentare
  • Hanspeter  Rüesch 12.07.2015
    Hat sicher sehr viel Spass gemacht, mit einem 600 PS Wagen durch die Wüste zu brettern. Die Fotos zeugen auf jeden Fall davon. Schade nur, dass Bentley darauf steht. Hat mit der Edelmarke leider nichts mehr zu tun. Fehlt nur noch, dass BMW auf die Idee kommt einen Rolls-Royce als Kombi auf den Markt zu schmeissen.
    • Daniel  Grob 12.07.2015
      Spass macht es schon, aber wer jemals in Dünen gefahren ist, weiss, dass der Sandstaub für alle beweglichen Teile den schnellen Tod bedeutet. Der kriecht unter jede Manschette und verrichtet dort sein Werk. Deshalb sollte man, wenn schon, nur mit alten Gefährten in den Sand gehen.
  • Stefan  Obrist aus Hünenberg See
    12.07.2015
    Wow - was für ein ätzender, von Neid strotzender Kommentar! Ja, ein Panzer kann sogar noch besser als Nissan im Gelände...
    Porsche Cayenne, Audi Q7, Tuareg - alles SUV auf höchstem Niveau mit deutscher Ingenieurskunst. VW macht das absolut richtig - besser gehts nicht, zeigen doch die Zahlen - mit billig hat das rein gar nichts zu tun, im Gegenteil! Ein Porsche Cayenne ist heute noch das aufwändigste SUV auf dem Weltmarkt - führend im Gelände wie auf Strasse.
    • Jean-Philippe  Ducrey 12.07.2015
      Dass die VW-Zahlen im Moment stimmen, bezweifelt niemand.
      Doch: in den USA konnte der VW-Touareg bereits 2005 mit einem W12 Motor bestellt werden, inkl. Zylinderabschaltung etc.
      Was die Deutsche Ingenieurskunst anbelangt, verweise ich auf die zahlreichen Rückrufe der letzten Jahre beim Porsche Cayenne, u.a. betreffend Untersetzungsgetriebe, klemmenden Sicherheitsgurten, Scheinwerfer die sich lösen und herausfallen, etc.
      Da ist jeder Range Rover, Toyota etc, besser!
  • Gabor  Posch 12.07.2015
    Herr Ducrey. Es stimmt schon, was Sie sagen. Andererseits: Oldsmobile und andere Marken waren ja offensichtlich zu schwach auf dem Markt, als dass sich eine individuelle Weiterentwicklung gelohnt hätte. Ausserdem hat die Politik, hier im Falle von Volkswagen, den Vorteil, das technische Errungenschaften ziemlich schnell in die Marken/Modelle im zahlbaren Bereich Einzug halten. She. Seat oder Skoda. Da hat dann auch jemand etwas davon, der weniger auf Prestige setzt.
  • Felix  Egolf aus CHAM
    12.07.2015
    Ich denke, dass jeder SUBARU die Duene auch schafft, dies aber nicht in die Welt hinaus posaunen muss. Praktische Autos muessen auf heimischem Terrain ihre Besitzer qualitativ und ohne Tricks ueberzeugen.
  • Jean-Philippe  Ducrey 12.07.2015
    Solange es Leute gibt, die einen in der Slowakei produzierten Uralt-VW mit Bentley, Porsche oder Audi-Emblem zum überhöhtem Preis kaufen, solange scheint das VW-Konzept zur Gewinnoptimierung aufzugehen.
    Der Bentayga ist billigstes Badge-Engineering, wie man es aus den USA bei GM, Ford etc. kannte. Traditionsmarken wie Oldsmobile etc. sind durch genau solche Fehler vom Markt verschwunden und mit ihnen auch die Stammkundschaft. Zumal ein Nissan im Gelände ja scheinbar mehr taugt...
    • Horst  Schlemmer aus Einsiedeln
      13.07.2015
      Wie immer ein neid-kommentar eines deutschland hassers, der einfach nicht sehen will wie deutsche marken weltweit erfolgreich sind.
      Steigen sie in ihren peugeot, herr ducrey und lassen die fachleute hier diskutieren.